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Sportbuzzer Fanforscher sieht „Kehrtwende“ bei Energie Cottbus
Sportbuzzer Fanforscher sieht „Kehrtwende“ bei Energie Cottbus
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00:52 12.03.2018
Beim Spiel Babelsberg gegen Cottbus kam es im April zu Randale. Quelle: Jan Kuppert
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Potsdam

Der Fußball-Regionalligist Energie Cottbus hat nach Ansicht des Fanforschers Robert Claus von der Kompetenzgruppe Fankulturen & Sportbezogene Soziale Arbeit (Kofas) das Problem rechtsextremer und gewaltbereiter Fans zu lange ignoriert. Zugleich begrüße Claus die Ankündigung des Vereins, im kommenden Jahr einen Bevollmächtigten zu beauftragen, der sich für Vielfalt und Toleranz einsetzen soll.

„Wenn Energie eine solche Stelle schafft, dann ist das eine deutliche Kehrtwende in der bisherigen Haltung des Vereins. Das Problem rechter Fans ist seit 2001, als sich Inferno Cottbus aufgespalten hat, bekannt“, sagte er der MAZ. „Bis Präventionsarbeit Erfolge zeigt, dauert es drei bis sieben Jahre. Das geht leider nicht von heute auf morgen. Super, dass Cottbus das jetzt anpackt.“

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Inferno löst sich auf – Problem besteht weiter

Nachdem Inferno Cottbus in den Fokus von Sicherheitsbehörden geraten war, hatte die Gruppe im Mai ihre Auflösung bekannt gegeben. Damit sei das Problem jedoch nicht aus der Welt, warnte Fanforscher Robert Claus. „Die Akteure von Inferno werden nicht von der Bildfläche verschwinden. Mit ihrer Selbstauflösung wollten sie vermutlich einer drohenden Strafverfolgung zuvorkommen. Das konnte man schon häufiger bei Hooligan-Gruppen beobachten. Die Inferno-Mitglieder könnten unter einem neuem Namen wieder auftauchen.“

Auch beim Rivalen Babelsberg 03 gebe es gewaltbereite Fans, so Claus. Jedoch seien sie zahlenmäßig viel weniger. „Außerdem gibt es hier keine Verbindungen ins kriminelle Rockermilieu.“

Mehr als 200 gewaltbereite Fans

Mehr als 200 Anhänger des Fußballclubs Energie Cottbus gelten nach Erkenntnissen der Brandenburger Sicherheitsbehörden als gewaltbereit. Wie aus einer aktuellen Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünenfraktion hervorgeht, werden 155 Energie-Anhänger der Fan-Kategorie B zugerechnet („gewaltbereite/geneigte Fans“). Weitere 60 fallen demnach in die Kategorie C („gewaltsuchende Fans“). Sie sind also gezielt auf Randale aus. Außerdem laufen derzeit gegen 47 sogenannte Fans Stadionverbote. In der separat geführten Datei „Gewalttäter Sport“ sind bundesweit 63 Cottbus-Anhänger aufgeführt.

„Das ist eine ganz unheilvolle und gefährliche Szene, die auch Fußballspiele für ihre Zwecke missbraucht. Gegen sie vorzugehen ist zunächst einmal Aufgabe der Sicherheitsbehörden. Zugleich muss aber sichergestellt werden, dass die Fußballvereine Rechtsextremen die Stadien nicht als Bühne überlassen“, sagte die Innenexpertin der Grünen, Ursula Nonnemacher. „Echte Fußballfans müssen gestärkt werden.“

Fanverbot nach Randale

Ende April hatten Cottbus-Anhänger bei einem Auswärtsspiel bei Babelsberg 03 randaliert und einen Platzsturm im Karl-Liebknecht-Stadion versucht. Es flogen Böller, rechtsextreme Cottbus-Fans zeigten den Hitlergruß. Es fiel der Spruch: „Arbeit macht frei: Babelsberg 03“.

„Wir hoffen, dass nun jedem klar geworden ist, dass solche Dinge sowohl dem FC Energie aber auch den Energiefans massiv Schaden zufügen“, sagte Vereinspräsident Michael Wahlich nach dem Urteil. „Gemeinsam wollen und müssen wir dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder vorkommt und uns klar gegen diese Störer stellen.“

Cottbus will Toleranzbeauftragten einsetzen

Energie Cottbus will im September einen Masterplan gegen Gewalt, Rassismus und Randale vorstellen. Außerdem will der Verein im nächsten Jahr einen Bevollmächtigten beauftragen, der sich für Vielfalt und Toleranz einsetzen soll. Fans hatten das gegenüber der Vereinsführung angeregt, weil sie sich von den rechtsextremen Fangruppen zunehmend eingeschüchtert sahen.

Von Torsten Gellner