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Sportbuzzer Ludwigsfelder Reiner Rabe bezahlt als Privatmann Doping-Kontrollen für Kanuten
Sportbuzzer Ludwigsfelder Reiner Rabe bezahlt als Privatmann Doping-Kontrollen für Kanuten
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17:50 24.07.2018
Sebastian Brendel ist Reiner Rabe sehr dankbar. Quelle: dpa
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Ludwigsfelde

„Ich bin erleichtert und dankbar. Nun kann ich mich wieder in aller Konzentration auf die Weltmeisterschaften Ende August vorbereiten“, sagt Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel. Denn die ursprüngliche Absicht des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) für die gestiegenen Kosten bei Dopingkontrollen die Athleten mit zur Kasse zu bitten, ist damit vom Tisch.

Der Ludwigsfelder Reiner Rabe springt ein und spendet 20 000 Euro. „Ich mache das wirklich als Privatmann und nicht mit meiner Firma“, sagt der Geschäftsführer des Zentrums für Aus- und Weiterbildung (ZAL). Die Firma unterstützt seit 20 Jahren den DKV, speziell die Potsdamer Kanuten wie Brendel oder auch andere Sportvereine der Region von den Berlin Volleys bis zu den Oberliga-Fußballern vom Ludwigsfelder FC und den Oberliga-Handballern vom Ludwigsfelder HC. Zudem gibt er zu bedenken, dass die Kanuten finanziell ohnehin nicht auf Rosen gebettet seien. „Das sind keine hochbezahlten Bundesligaprofis wie im Fußball.“

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Rabe: Aus sozialer Verantwortung

„Ich mache das aus sozialer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, weil ich denke, der Sport ist eine wichtige Sache. Sportler wie Brendel sind Vorbilder für die Jugend“, betont Rabe. „Es kann doch aber nicht sein, dass sie ihre Dopingkontrollen selbst bezahlen müssen. Da stimmt das System nicht und das würde auch Zweifler an der Glaubwürdigkeit auf den Plan rufen. Denn im Umkehrschluss hieße das ja: Wenn ich keine Dopingkontrollen will, dann brauche ich nicht zu bezahlen. Wir wollen aber einen sauberen, fairen Sport. Es kann nicht sein, dass den Kanuten, die sich viel kontrollieren lassen, daraus finanzielle Nachteile erwachsen. Das ist absurd.“

Das hatte auch Brendel moniert. Der dreimalige Olympiasieger sprach von einem „starken Stück“. So sehr er Rabe für die Spende dankt, mahnt der 30-Jährige auch an: „Das ist jetzt keine endgültige Lösung. Für dieses Jahr hilft uns das. Hier müssen der Bund und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB; Anm. d. Red.) ein tragfähiges Konzept schaffen.“

Bund muss eine Regelung finden

Das sieht auch Rabe so: „Das muss von staatlicher Seite geregelt werden. Da sind der DOSB und das Bundesinnenministerium gefragt.“

Zu den Mehrkosten für die Verbände kam es, weil unter anderem die Wirtschaft aus der Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ausgestiegen war, die nun nur doch vom Bund, vom DOSB und den Sportverbänden bezuschusst wird. Danach wurde nach einem Verteilerschlüssel aufgrund der Anzahl der Dopingkontrollen eine Zuzahlung auf die einzelnen 64 Fachverbände umgelegt. Für die DKV erhöhte sich dieser Anteil von 47 105 auf 87 332 Euro, beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geht man von einer Steigerung von 142 000 auf über 250 000 Euro aus.

DKV-Präsident Thomas Konietzko, der die Beteiligung der Athleten als eine Art Hilfeschrei öffentlich gemacht hatte, zeigte sich ebenfalls erleichtert und äußerte Verständnis für den Ärger der Athleten.

Nada-Etat beträgt 9,4 Millionen Euro

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat 2017 16 351 Doping-Kontrollen bei deutschen Athleten in Training und Wettkampf durchgeführt.

Der Etat der Nada beträgt 9,4 Millionen Euro. Davon steuert das Bundesinnenministerium sechs Millionen Euro bei (2017). Für das laufende Jahr stelle der Bund sogar über sieben Millionen Euro bereit.

Sponsoren aus der Wirtschaft sind seit 2017 nicht mehr beteiligt.

Die Spitzenfachverbände hatten beschlossen, die von ihrer Seite benötigten 1,247 Millionen Euro bereitzustellen.

Von Peter Stein