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Sportbuzzer Cottbuser Lauf-Ikone Gunhild Hoffmeister wird 75
Sportbuzzer Cottbuser Lauf-Ikone Gunhild Hoffmeister wird 75
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18:22 05.07.2019
Gunhild Hoffmeister (r.) wird im Olympia-Finale von 1976 in Montreal von Tatjana Kasankina (UdSSR, vorn li.) überspurtet. Ulrike Klapezynski (M. – später Bruns) wird Dritte. Quelle: imago
Groß Köris

Was Gunhild Hoffmeister schaffte, gelang keiner deutschen Mittel- und Langstreckenläuferin mehr. Die Cottbuserin gewann 1972 bei den Olympischen Spielen in München Silber über 1500 Meter und Bronze über 800 Meter. Auch vier Jahre später in Montreal holte sie noch einmal Silber über 1500 Meter.

„Dabei habe ich diese Strecke nie gemocht. Ich wollte immer Olympiasiegerin und erste unter zwei Minuten über 800 Meter werden“,

Gunhild Hoffmeister heute in ihrem Garten in Groß Köris. Quelle: Peter Stein

erinnert sich Gunhild Hoffmeister, die an diesem Samstag ihren 75. Geburtstag feiert. Die gebürtige Forsterin kam erst spät zum Leistungssport. Da war sie schon in der Lehrerausbildung. Während eines Ferienlagers am Störitzsee bei Grünheide (Oder-Spree), das kurioserweise unter dem Motto „Olympioniken für 1972“ stand, fiel anderen Lehrern ihr Lauftalent auf. „Ich war auf den drei Kilometern vom Lager ins Dorf, wo es die einzige Kneipe gab, immer die Schnellste“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. 1964 kam sie dann mit 20 Jahren zum SC Cottbus bei Trainer Friedrich Janke (88), der heute in Potsdam lebt. 1967 brachte sie Tochter Kerstin zur Welt, erst danach startete Gunhild Hoffmeister durch.

Laufstil als Stolperfalle

Allerdings hatte sie anfangs ein Problem: ihr Laufstil. „Auf Deutsch gesagt, bin ich über den großen Onkel gelaufen, hatte dolle O-Beine und hielt die Füße hinten länger auf dem Boden. Das wurde mir manches Mal zum Verhängnis, nicht nur bei Crossläufen im Wald bin ich häufig quasi über meine eigenen Füße gestolpert, auch auf der Bahn.“ So stürzte sie im Finale bei den Europameisterschaften 1969 über 1500 Meter und 1971 über 800 Meter. „Deshalb bin ich häufig in der zweiten Bahn gelaufen, aus Angst, ich könnte mit anderen Läuferinnen kollidieren.“ 1971 bei der EM war sie mit Weltrekordlerin Hildegard Falck aus der BRD ins Straucheln geraten – daraus machten die bundesdeutschen Medien ein Politikum im Kalten Krieg und unterstellten der DDR-Läuferin Absicht. „Aber dem war nicht so“, bestätigt Gunhild Hoffmeister, die 1974 Europameisterin über 1500 Meter und EM-Zweite über 800 Meter wurde und nach den Sommerspielen 1976 ihre Karriere beenden musste. „Das war damals hart. Aber für die Sportführung war ich mit 32 Jahren zu alt. Bei meinen letzten DDR-Meisterschaften habe ich auf der letzten Runde fast nur geheult. Ich habe danach zwei Jahre kein Stadion mehr betreten.“

Abtrainieren mit Rennsteiglauf

Dafür habe sie ordentlich abtrainiert und 1977 auch am Rennsteiglauf teilgenommen. Beruflich fasste die Lehrerin, die sich auch heute noch als politisch links einordnet, als stellvertretende Direktorin der Kinder- und Jugendsportschule in Cottbus wieder Fuß, ging 1981 aber nach Berlin, wo sie Abteilungsleiterin Sport im Sport- und Erholungszentrum (SEZ) wurde. Sie war Abgeordnete der Volkskammer der DDR bis 1976 und später im Bundesvorstand des DTSB.

Nach der Wende stand sie wie Millionen andere Ostdeutsche plötzlich ohne Arbeit da. „Ich hatte sogar die Idee, eine private Arbeitsagentur aufzumachen“, erzählt die vitale Frau, die seit Jahrzehnten mit ihrem Ehemann Bodo Heinemann den Sommer zumeist im Bungalow am See in Groß Köris (Dahme-Spreewald) verbringt und den Garten mit allerhand Eulen ausstaffiert hat. „Das ist so ein Tick von mir“, meint sie salopp.

Gundhild Hoffmeister, die bis zur Rente als Sportherapeutin – da hat sie nach der Wende noch mal die Schulbank in Leipzig gedrückt – gearbeitet hat, leitet noch heute Herzgruppen beim AC Berlin und gibt dort zweimal wöchentlich Kurse.

Von Peter Stein

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