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Sportbuzzer Plötzlich WM-Kandidat
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18:29 27.05.2019
Bernhard Seifert (SC Potsdam) steigerte sich im Speerwurf auf 89,06 Meter. Quelle: Foto: Ronny Hartmann/dpa
Potsdam

Da staunte selbst Speerwurf-Legende Uwe Hohn. Der Potsdamer, der vor 35 Jahren mit seinem Fabelrekord von 104,80 Metern für die Einführung eines neues Männer-Speeres mit verändertem Schwerpunkt sorgte, war am Sonntagnachmittag als Trainer indischer Sportler Augenzeuge und Gratulant, als Bernhard Seifert das 800 Gramm schwere Gerät beim Meeting in Offenburg auf 89,06 Meter katapultierte. Erst zwei Tage zuvor hatte der 26-Jährige seine Bestmarke um einen Meter auf 86,19 Meter gesteigert.

Annika Marie Fuchs, SC Potsdam Quelle: Gerhard Pohl

Doch Seifert ist nicht der einzige aus der Werferzunft des SC Potsdam, bei dem plötzlich der Knoten platzte. Seine Trainingspartnerin Annika Marie Fuchs, erst 22 Jahre jung, warf den Frauen-Speer am Sonntag auf 62,36 Meter. Bei ihr sind die Steigerungen noch frappierender. Im Vorjahr wurde sie mit 56,59 Metern deutsche U23-Meisterin, vergangenen Freitag hatte sie sich bereits auf 59,63 Meter gesteigert. Nun ist die Psychologie-Studentin die erste Brandenburgerin, die den Speer jenseits der 60 Meter landen ließ. „Das ist noch unfassbar“, meint sie selbst. „Mein Trainer hat ja immer gesagt, es liegt an der Technik“, erzählt sie. „Manchmal habe ich schon sehr an mir gezweifelt, ob ich das je hinbekommen werde.“

An den richtigen Stellschrauben gedreht

Coach Burkhard Looks, der die aus Cottbus stammende Athletin seit drei Jahren betreut, behielt immer die Ruhe. „Wir haben in der Technik an den

Kristin Pudenz, SC Potsdam Quelle: Gerhard Pohl

richtigen Stellschrauben gedreht. Schon im Vorjahr habe ich gespürt, dass es aufwärts geht“, zeigt sich der 61-Jährige von den Leistungssprüngen seiner Schützlinge nicht überrascht. „Sieben Meter in einem Jahr hat früher auch einer meiner Athleten geschafft, dann wurde er Olympiasieger.“ Looks meinte damit Thomas Röhler, den er einst in Jena unter seinen Fittichen hatte wie Seifert, ehe 2013 der Wechsel nach Potsdam folgte. SC-Geschäftsführer Peter Rieger ist mächtig stolz auf seine Werfer-Gilde: „Sie standen lange in der Kritik, haben sich aber nicht beirren lassen. Wir haben immer gewusst, dass wir talentierte Sportler haben und gute Bedingungen. Aber nun haben sie offenbar den richtigen Weg gefunden. Die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt.“

Ideale Voraussetzungen

Looks sagt: „Bei Bernhard Seifert war mir immer klar, er musste nur gesund bleiben, dann würde er weit werfen. Ich denke, für ihn sind bald auch die 90 Meter drin.“

Henning Prüfer, SC Potsdam Quelle: Gerhard Pohl

Doch auch die Diskuswerfer haben „über Nacht“ den richtigen Dreh gefunden. Kristin Pudenz, wie Seifert 26 Jahre alt, stand wie dieser viele Jahre im Schatten der übermächtigen nationalen Konkurrenz. Trotz erfüllter Olympia- und WM-Normen war sie jahraus, jahrein bei den Jahreshöhepunkten nicht dabei. Nun warf die Dritte der U23-EM von 2015 die ein Kilo schwere Scheibe am Freitag in Schönebeck auf 64,32 Meter, ihr bisheriger Hausrekord stand bei 62,89 Meter. Ihr Trainer Jörg Schulte fühlt sich erleichtert: „Seit ich 2011 nach Potsdam kam, arbeite ich mit ihr zusammen. Sie hat ideale körperliche Voraussetzungen, ist 1,93 Meter groß und hat 1,98 Meter Spannweite der Arme. Aber an der Beschleunigung im Ring fehlte es.“

Viel investiert

Kristin Pudenz wollte das unbedingt ändern, arbeitet mit einem Ernährungsberater, nahm acht Kilo ab. Außerdem geht sie einmal wöchentlich zum Neuroathletiktrainer, dem auch Olympiasieger Christoph Harting vertraut. Und ihr Trainer Schulte schenkte ihr immer wieder das Vertrauen, redete mit Engelszungen – letztlich mit Erfolg. „Ich baue meine Athleten über Jahre auf, lasse bestimmte Trainingsbelastungen noch weg, weil ich will, dass sie das auch körperlich durchstehen“, meint Schulte, der sich mit Looks’ Speer-Gruppe nicht nur das Werferhaus im Luftschiffhafen teilt, sondern auch im ständigen Erfahrungsaustausch steht.

Wie eine Familie

Beide Trainer freuen sich, dass es nun endlich Richtung Weltspitze geht. Die WM-Normen haben Seifert, Fuchs und Pudenz längst erfüllt. Die Diskus-Recken Clemens (21) und Henning Prüfer (23) klopfen mit ihren 63,76

Clemens Prüfer, SC Potsdam Quelle: Gerhard Pohl

beziehungsweise 63,14 Meter zumindest an. Die WM-Norm steht bei 65,00 Metern. Die Weltmeisterschaften beginnen erst Ende September in Doha/Katar, die WM-Tickets werden erst nach den Deutschen Meisterschaften Anfang August im Berliner Olympiastadion vergeben. „Bis dahin ist es noch ein langer Weg“, schätzt Looks ein. „Wir müssen vor allem gesund bleiben“, münzt er auf Seifert. Annika Marie Fuchs und Clemens Prüfer bereiten sich erst einmal auf die U23-EM in Gävle/Schweden Mitte Juli vor. „Ich will nicht von Frühform sprechen, da geht schon noch was“, findet Schulte. „Die Grundlagen und das Niveau sind einfach da.“

Der 42-Jährige meint: „Wir sind eigentlich wie eine Familie, mit meinen Sportlern verbringe ich mehr Zeit als mit meinen beiden Kindern. Da leidet man natürlich mit. Endlich ist die Zeit der gedrückten Stimmung vorbei, jetzt müssen wir die Euphorie nutzen.“ Uwe Hohn hätte sicher nichts gegen einWiedersehen bei der WM.

Von Peter Stein

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