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Lokalsport Fußballfan verletzt: Leipzig-Anhänger erheben schwere Vorwürfe gegen Brandenburger Polizei
Sportbuzzer Lokalsport Fußballfan verletzt: Leipzig-Anhänger erheben schwere Vorwürfe gegen Brandenburger Polizei
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19:21 20.02.2020
Eine Szene aus dem Video, das zeigt, wie es zu der Verletzung kam. Quelle: privat
Potsdam

Die Szene ist verstörend: Vor dem Anpfiff des Regionalliga-Fußballspiels Union Fürstenwalde (Oder-Spree) gegen BSG Chemie Leipzig am 16. Februar gibt es Tumult im Gästeblock. Leipziger Fans sind mit Brandenburger Polizisten aneinander geraten – eigentlich Alltag in Stadien.

Am Rande der Gruppe und zunächst unbeachtet erklimmt ein Chemie-Anhänger langsam und behutsam den Metallzaun des Fürstenwalder Stadions, der den Gästeblock vom Nachbarblock und dem Zugang zum Spielfeld trennt.

Der junge Mann in schwarzer Jeans und dunkler Kapuzenjacke tastet nach Halt, denn der Zaun hat spitze Enden. Als der Fan ein Bein schon auf der anderen Zaunseite hat, zieht ein märkischer Polizist von hinten brüsk am anderen Bein des Kletternden.

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Auf einem Video, das der MAZ vorliegt, ist zu sehen, wie der Fan aufschreit, als sich die Zaunspitzen von unten in seinen Oberschenkel bohren. Er sinkt nach hinten, bleibt aber kopfüber an den Streben hängen, die Jeans ist in der Kniekehle weit aufgerissen. Ein anderer Fan befreit den Verletzten, der sinkt hinter einer Bande zusammen.

Der Fan wurde, wie mittlerweile bekannt wurde, schwer verletzt und musste im Krankenhaus operiert werden. Nun erhebt das Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig – ein Verein, der Fans bei Rechtsstreitigkeiten vertritt - schwere Vorwürfe und prüft rechtliche Schritte gegen die Polizei: Ohne Absprache habe der Polizist den Mann von hinten nach unten gezogen.

„Brutal“ sei die Polizei vorgegangen. Der Fan habe wegen des Regenwetters im Übrigen nur den anderen Block wechseln und sich unter ein Dach stellen wollen. Den Verletzten habe die Polizei einfach liegen lassen, ein Sanitäter sei nicht vor Ort gewesen.

„Zynisch und verzerrt“

„In erster Linie kümmerten sich mitgereiste Chemie-Fans um die Erstversorgung und das Anlegen von mehreren Druckverbänden. Erst nach etwa 20 Minuten traf endlich ein Rettungsdienst ein, der den Verletzten ins Krankenhaus brachte“, so die Fanvertretung.

Was die Leipziger aber noch mehr in Rage bringt, ist das Verhalten der Polizeiführung. Die habe den Vorgang grob verzerrt wiedergegeben. Zynisch sei die Pressearbeit gewesen, der Presseverantwortliche der örtlichen Polizei habe zu folgender völlig unpassender Formulierung gegriffen: Ein „wenig sportlicher Fan, der am Zaun hängengeblieben sei“.

Nicht wahrheitsgemäß ist in den Augen der Fans auch die Formulierung des Potsdamer Polizeipräsidiumssprechers Torsten Herbst, der 29 Jahre alte Fan habe sich „mit Schlägen und Tritten gewehrt und die Beamten beleidigt. Dabei hat er sich am Zaun verletzt“, wie Herbst am Mittwoch in der Märkischen Oderzeitung (MOZ) zitiert wurde.

Nach vorheriger Ansprache sei der 29-Jährige vom Zaun „gehoben“ worden. Gegen den Leipzig-Unterstützer sei Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beamtenbeleidigung ergangen.

Präsidiumssprecher Herbst rudert zurück

Miriam Feldmann Pressesprecherin des Leipziger Rechtshilfekollektivs kritisiert, „dass sich Polizeibeamte und vor allem deren Kommunikationsmitarbeiter zum wiederholten Male nicht an objektive Fakten halten, sondern stattdessen aktiv, beeinflussend oder relativierend in öffentliche Wahrnehmungen und Bewertungen eingreifen und somit eine bestimmte ,polizeiliche Wirklichkeit‘ kreieren“.

Nach Pressenachfragen hat die Polizei nun eigene Videos gesichtet – und rudert zurück. Präsidiumssprecher Herbst räumt „Fehler in der internen Kommunikation“ ein. In den internen Einsatzpapieren, die Grundlage der Pressearbeit seien, sei der Fan fälschlicherweise als Beschuldigter geführt worden.

Der Fan habe die Beamten weder beleidigt, noch Widerstand gegen die Beamten geleistet, Anzeigen lägen nicht vor gegen den Verletzten. Außerdem sei der Mann „nicht vom Zaun gehoben, sondern herunter gezogen worden“, sagt Herbst. Er wünsche dem Fan gute Besserung. Auch auf Twitter hat sich die Brandenburger Polizei inzwischen geäußert.

Gerechtfertigt sei der Einsatz sehr wohl gewesen. Zweimal sei der Fan zum Herabsteigen aufgefordert worden. Entschieden widerspricht Herbst der Darstellung von Fan-Seite, die medizinische Hilfe habe zu lang auf sich warten lassen. Höchstens fünf Minuten nach dem Vorfall habe sich ein als Sanitäter geschulter Beamter um den Leipzig-Fan gekümmert.

Die Fürstenwalder bedauern den Vorfall und wünschen dem Leipziger Fan gute Besserung. Vereins-Geschäftsführerin Manuela Patze stellt aber in der MOZ auch die Frage, warum etliche Leipziger Fans überhaupt den Zaun bestiegen hätten.

Mit dem Kauf einer Platzkarte akzeptiere man die Hausordnung und den zugewiesenen Platz in einem bestimmten Block. An dem Zusammenstoß mit der Polizei seien die Leipziger selbst schuld – sie hätten schließlich Ponchos gegen Regen mitbringen können. Das Spiel endete 0:0.

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Von Ulrich Wangemann

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