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Oberhavel „Schiedsrichter zu sein, ist meine große Passion“
Sportbuzzer Lokalsport Oberhavel „Schiedsrichter zu sein, ist meine große Passion“
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09:42 05.03.2019
Schiedsrichter aus Leidenschaft: Michael Wendorf.
Schiedsrichter aus Leidenschaft: Michael Wendorf. Quelle: Robert Roeske
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Zehdenick

Ein halbes Jahrhundert liegt nun hinter Michael Wendorf. Der gebürtige Zehdenicker feiert heute seinen 50. Geburtstag und blickt vor allem auf eine bewegte Laufbahn als Fußball-Schiedsrichter zurück. Einst aus der Not heraus in Zehdenick zum Schiedsrichter erkoren, führte ihn sein Weg sogar Ende der Neunziger in den bezahlten Fußball und bis in die 2. Fußball-Bundesliga.

Seinen Fünfzigsten feiert der inzwischen in Pausin wohnhafte Wendorf im polnischen Stettin. „Wir feiern im engsten Familienkreis, ich habe dort einige Zimmer in einem netten Hotel angemietet“, so der Jubilar. Mit vierzehn startete Wendorf in seiner Heimatstadt Zehdenick seine Schiedsrichterkarriere, die eher dem Zufall entsprang. „Wir hatten damals bei der BSG Aufbau Zehdenick ein akutes Schiedsrichterdefizit und ich war zur damaligen Zeit Nachwuchsfußballer und wurde angesprochen, ob ich nicht Lust hätte. Kurze Zeit später machte ich beim leider vor zwei Wochen verstorbenen Heinz Mohr meinen ersten Schein“, erinnert sich Wendorf. Große Ambitionen hegte er laut eigener Aussage damals nicht, doch sein Weg als Unparteiischer sollte schnell nach oben führen. Noch zu DDR-Zeiten pfiff der junge Michael Wendorf in der Bezirksliga Potsdam, dann kam die politische Wende in Deutschland und für Wendorf begann ein spannendes Kapitel.

„Ich war zur Wendezeit bei der NVA, wurde dann dort entlassen. Es begannen aber total spannende Jahre, vieles war neu, für mich als junger Mensch extrem verrückt und aufregend“, erinnert er sich. 1991 wurde Wendorf, der heute für Fortuna Grüneberg pfeift, in die neu geschaffene Verbandsliga eingestuft, ein Jahr später leitete er bereits Oberligaspiele. Seit 1992 agierte Wendorf auch als Assistent von Frank Fleske in der 2. Fußball-Bundesliga. „Ich war damals in Kaiserau zum ersten DFB-Lehrgang mit Leuten wie Bernd Heynemann, Markus Merk und Lutz-Michael Fröhlich. Alleine schon unsere damalige Ausstattung war ein Quantensprung.“

Und der Weg ging für Wendorf weiter nach oben. 1994 wurde er in die neugegründete Regionalliga eingestuft, zwei Jahre später schaffte er auch als Hauptschiedsrichter den Sprung in die 2. Bundesliga. Sein Premierenspiel war die Partie Mainz 05 mit dem heutigen Startrainer Jürgen Klopp noch als Spieler gegen Bayer Uerdingen. „Aufgeregt war ich nicht wirklich. Ich hatte vor allem große Unterstützung von meiner Dienststelle bei der Polizei, wo ich frisch anfing. Die hat mir oft den Rücken frei gehalten.“ Als sein Highlightspiel sieht Wendorf die Partie SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt im Jahr 1997. „Das war damals eine Topbegegnung und die bekam ich trotz wenig Erfahrung. Es war toll.“ Zwei Jahre später dann aber der überraschende Rücktritt von Wendorf. „Ich war auch angefressen, dass ich trotz super Bewertungen nie die Chance auf die Bundesliga erhielt. Demnach zog ich dann meine Konsequenzen, denn der Aufwand war riesengroß und es war schwer Familie, Beruf und das Schiedsrichterwesen unter einen Hut zu bekommen. Ein Hobby war das nicht mehr und Geld ist nicht alles. Leider haben das damals nicht alle verstanden“, so Wendorf.

Inzwischen pfeift der nun 50-Jährige in der Landesliga und hat immer noch großen Spaß. „Bis 55 darf ich noch Landesliga pfeifen und freue mich total darauf. Ich fühle mich fit und das Schiedsrichterwesen ist einfach meine Passion, ohne geht es nicht“, so Wendorf abschließend.

Von Knut Hagedorn