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Ostprignitz-Ruppin Wenn Brandenburger Vereine auf den Aufstieg verzichten
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18:29 06.05.2019
Beim SV Lindow-Gransee herrscht auch in der 2. Volleyball-Bundesliga Nord beste Stimmung in der Dreifelderhalle. Der Aufstieg ist derzeit kein Thema. Quelle: Foto: Marius Böttcher
Potsdam

Nach der rauschenden Meisterparty folgt mitunter der Kater. Vor allem dann, wenn es den Sportvereinen wirtschaftlich unmöglich ist, den Aufstieg zu stemmen. Beim SV Lindow-Gransee hat man sich mittlerweile an diese Situation gewöhnt. Gezwungenermaßen. Der Verein spielt seit Jahren an der Spitze der 2. Volleyball-Bundesliga der Herren, war 2015 sogar Meister. Auch diese Saison beendeten die SV-Herren gerade auf Rang zwei und hätten sogar aufsteigen können, weil Meister CV Mitteldeutschland ebenso das Aufstiegsrecht nicht wahrnimmt. Dirk Schmidt, Manager in Gransee, sagt: „Auf den Punkt gebracht: Die erste Bundesliga ist kein Thema, weil die Region das wirtschaftlich nicht hergibt.“ Aber er ergänzt auch: „Natürlich haben wir das immer im Kopf, aber dafür hätten wir zu viele offene Baustellen.“ Der Etat müsste auf mindestens eine halbe Million Euro aufgestockt werden, außerdem auf längere Sicht eine größere Halle zur Verfügung stehen. Allein das würde zehn bis zwölf Millionen Euro kosten. Erstligataugliche Spieler zu finden, wäre noch das geringere Problem, findet der Manager.

Hohe Anforderungen

Wie schwer es ist, den Anforderungen der ersten Liga gerecht zu werden, davon kann Arvid Kinder ein Lied singen. Der Manager der Netzhoppers aus Bestensee gesteht: „Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun, um den Anforderungen für die Lizensierung gerecht zu werden.“ Die Dahmeländer kämpfen jahraus jahrein darum, den Minimum-Etat von 500 000 Euro aufzubringen. 2013 mussten sie aus wirtschaftlichen Gründen sogar zwangsweise absteigen, haben sich nach einer überragenden Zweitliga-Saison sofort wieder nach oben gearbeitet. „Wir würden nie Spieler verpflichten, die wir uns nicht leisten können“, lautet sein Credo. Kinder will die Netzhoppers weiter in der ersten Bundesliga etablieren, sieht aber auch die wachsenden Anforderungen zum Beispiel in der Hallenfrage. Noch profitieren die Netzhoppers vom für 15 Jahre von der Volleyball-Bundesliga (VBL) bis 2022 gewährten Bestandsschutz für die Landkost-Arena, die eigentlich für die Beletage des deutschen Volleyballs zu klein ist. Laut VBL braucht es eine Arena mit einer Mindestkapazität von 2500 Zuschauern. Doch diese stehe im Landkreis Dahme-Spreewald nicht zur Verfügung, so Kinder.

Finanzielle Klimmzüge

Auch beim Volleyball-Drittligisten VSV Havel Oranienburg wurde das Thema Aufstieg – 2017 war man sogar Meister und dieser Saison durchaus aufstiegsberechtigter Zweiter – ad acta gelegt. Da waren schon 30 000 Euro zu viel Geld, die man für die Mission 2. Liga hätte aufbringen müssen. Nun droht schlimmstenfalls der komplette Rückzug, weil es noch keinen neuen Trainer für die nächste Saison gibt.

Die Basketballer vom RSV Eintracht 1949 wollen nach der Meisterschaft in der 1. Regionalliga gern wieder in die 2. Bundesliga Pro B zurückkehren und kämpfen darum, bis Ende der Woche das nötige „Kleingeld“ zusammen zu bekommen. Der Ausgang der finanziellen Klimmzüge ist völlig offen. Sicher ist hingegen laut Vereinschef Michael Grunwaldt, dass der Gesamtverein mit über 3000 Mitgliedern nicht gefährdet wird. Auch die Basketballer des USV Potsdam, Meister in der 2. Regionalliga, haben bereits auf den Aufstieg in die 1. Regionalliga verzichtet.

Keine Tendenz

„Natürlich tut das sportlich weh“, räumt Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Brandenburg ein. „Aber es ist unbedingt eine sinnvolle Entscheidung, aus wirtschaftlichen Gründen auf den Aufstieg zu verzichten. Denn viel schlimmer für die Vereine ist es doch, eine Insolvenz zu riskieren, weil sie sich finanziell übernommen haben.“ Eine Tendenz, dass immer mehr Vereine aus wirtschaftlichen Gründen vor dem Sprung in die höhere Klasse zurückschrecken, gebe es laut Gerlach aber nicht.

Nicht immer liegt es jedoch an der klammen Vereins-Kasse. Die Landesliga-Fußballerinnen des FSV Babelsberg 74 wurden gerade zum zweiten Mal in Folge Meister. „Im Vorjahr haben wir aus sportlichen Gründen auf den Aufstieg verzichtet“, sagt Trainer Ivo Ziemann, „weil der Unterschied zur Regionalliga einfach zu groß ist. In diesem Jahr ist unser Kader besser aufgestellt, da wollen wir es wagen.“ Davor steht aber noch eine Relegation, wenn sich genügend Aufstiegsaspiranten aus den anderen Staffeln finden.

Spaß auch in Liga zwei

Trotz des Aufstiegsverzichts will Dirk Schmidt das Produkt zweite Volleyball-Bundesliga Lindow-Gransee aber nicht kleinreden. „Wir haben für die Liga hochprofessionell, bieten attraktive Heimspieltage an. Das ist eine Qualität, die allen Beteiligten sehr viel Spaß macht.“ 300 bis 400 Zuschauer sorgen für beste Stimmung. Schmidt und Co. arbeiten daran, dass es so bleibt. „Natürlich versuchen wir, immer noch besser zu werden.“ Er sei froh über seine beiden Haupt- und die vielen Kleinsponsoren. Die Brandenburger Sportvereine bleiben unterm Strich also lieber solide als sich ins finanzielle Harakiri zu stürzen.

Von Peter Stein

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