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Ostprignitz-Ruppin Der Mann mit der Feuerwehr-Sirene wird 60
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00:02 16.02.2019
Immer mit Engagement bei der Sache: Frank Seeger.
Immer mit Engagement bei der Sache: Frank Seeger. Quelle: Möller
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Lindow

Auf den ersten Blick scheinen der ehemalige amerikanische Tennisstar John McEnroe und Frank Seeger, Vereinschef des Lindower SV Grün-Weiß, nicht viel gemeinsam zu haben. Und doch sind bei genauerer Recherche einige Verbindungen festzustellen.

Beide sind einerseits absolute Sportsmänner – McEnroe war in der ersten Hälfte der 1980er Jahre der dominierende Star im Tennissport, Frank Seeger ist seit mehr als einer Dekade der führende Kopf der Volleyball-Sektion des SV Lindow-Gransee. Andererseits gab und gibt es Momente, in denen man aneckt. Während der in Wiesbaden geborene McEnroe wegen seiner wütenden Schmipftiraden gefürchtet war, regiert auch der gebürtige Granseer hin und wieder mit Zuckerbrot und Peitsche – hat sein Herz dabei aber immer am rechten Fleck.

Mit Fußballspielen bei Grün-Weiß begonnen

Auch deswegen darf er am 16. Februar 2019 mal alle Fünfe gerade sein und sich gebührend feiern lassen, denn Frank Seeger wird heute – genauso wie John McEnroe – 60 Jahre alt. „Dass der runde Geburtstag auf einen Sonnabend fällt, ist ideal, so muss ich nicht fünfmal feiern“, scherzt der Jubilar, der es sich im Lindower Vereinshaus gemütlich machen wird: „Dort kommen neben Familie und Freunde auch langjährige Weggefährten und alte Volleyballer zusammen.“

Auf den Tag genau vor sechs Jahrzehnten erblickt Frank Seeger in Gransee das Licht der Welt: „Dort habe ich auch die ersten Jahre meines Lebens verbracht, ehe es uns nach dem Tod meines Vaters 1966 nach Lindow zog.“ In der Drei-Seen-Stadt ging er bis zur 8. Klasse in die Schule, das Abitur erlangte er ein paar Kilometer weiter in Rheinsberg. Fehlen durfte bei Frank Seeger vor allem eines nicht: der Sport. „Bei Grün-Weiß habe ich als junger Bub mit dem Fußballspielen begonnen und habe bis zum 16. Lebensjahr alle Altersklassen durchlaufen“, erinnert sich der heimatverbundene Seeger, den es nach dem absolvierten Abitur an die Humboldt-Universität nach Berlin zog.

Die Zweitliga-Volleyballer des SV Lindow-Gransee liegen aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz. 2015 konnte Vereinschef Frank Seeger (r.) die Meisterschaft bejubeln. Quelle: Marius Böttcher

„Ich habe viel an der Charité zu tun gehabt, das war ein tolle und sehr lehrreiche Zeit“, schwelgt Seeger gern in alten Studienzeiten, in der er sich mit der Stomatologie, besser bekannt als Zahnmedizin, befasste. Für die Facharztausbildung an der Poliklinik in Neuruppin wechselte Frank Seeger auch seinen Wohnsitz in die Fontanestadt, blieb Lindow, was für ihn trotz der ersten Lebensjahre in Gransee die „wirkliche Heimat“ ist, aber dennoch immer treu.

„Ich habe nach dem Studium den Volleyballsport für mich entdeckt, mit Grün-Weiß in der Kreisklasse angefangen“, verrät Seeger, der 1988 in Alt Ruppin eine Zahnarztpraxis übernahm und sich drei Jahre später Selbstständig machte. Nicht nur beruflich und sportlich, wo er es mit den Lindowern in einem Jahr sogar bis in die Landesliga, der damals höchsten Spielklasse des Landes, schaffte, lief es für Seeger blendend. Auch privat fand er mit Lebensgefährtin Ingelore, mit welcher er seit über 20 Jahren zusammen ist, sein Glück. „1998 habe ich dann in Lindow ein Haus gekauft. Hier bin ich aufgewachsen und hier will ich auch nicht mehr weg“, lautet seine heimliche Liebeserklärung an die Drei-Seen-Stadt.

Feuerwehr-Sirene darf in der Dreifelderhalle nicht fehlen

Seine Antwort auf die Frage, welcher denn sein schönster Moment in der Zeit als Abteilungsleiter der Volleyballer des SV Lindow-Gransee war, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Die Meisterschaft 2015 war einmalig, das bleibt unvergessen. Wir konnten aber auch andere Erfolge feiern, die Aufstiege der zweiten und dritten Mannschaft sind auch beachtlich. Wir haben aktuell eine Zweitliga- und eine Regionalliga-Mannschaft, das ist doch toll.“

Auch für die Zukunft wünscht sich der Tausendsassa, dass seine Lindower SV Grün-Weiß stets in Bewegung bleibt und nie still steht: „Mit Torsten Spiller haben wir jetzt wieder einen Mann, der sich um den Nachwuchs kümmert. Lindow-Gransee ist jetzt schon eine Adresse, wir wollen aber auch ein Leistungszentrum im Norden entwickeln, befinden uns dafür auf einem guten Weg. Es kann aber nicht immer an Seeger liegen, nach mir muss es auch weitergehen.“

Bis es soweit ist, wird Frank Seeger die meist rappelvolle Granseer Dreifelderhalle aber immer wieder selbst mit seiner Feuerwehr-Sirene zum Tollhaus verwandeln. „Das ist eine alte Sirene vom Verein, die hab ich irgendwann mit in die Halle gebracht. Die erste habe ich durchgedreht, da wollten die Zahnräder irgendwann nicht mehr. Ich kann mit dem Teil meine Aufregung dosieren“, schmunzelt das Geburtstagskind, welches am Abend auf frohe Kunde hofft: „Es wäre ein tolles Geschenk, wenn die Jungs drei Punkte aus Braunschweig mitbringen.“

Von Marius Böttcher