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Potsdam Die Laufszene trauert um Jürgen Bruns
Sportbuzzer Lokalsport Potsdam Die Laufszene trauert um Jürgen Bruns
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02:15 18.01.2018
Jürgen Bruns auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion als Zuschauer bei der Leichtathletik.
Jürgen Bruns auf der Tribüne im Berliner Olympiastadion als Zuschauer bei der Leichtathletik. Quelle: Foto: privat
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Potsdam

Ganz plötzlich hatte er sein (Lebens-)Ziel erreicht. Am Samstagmorgen ist Jürgen Bruns nicht mehr aufgewacht. Nicht nur der Potsdamer Sport trauert um einen Vor- und Querdenker, der im Alter von 75 Jahren gestorben ist. In zwei Wochen wollte er mit einem Schützling ins Höhentrainingslager nach Kenia reisen. Kenia, immer wieder Kenia, das Land der Läufer hatte Bruns in sein Herz geschlossen.

Er war immer noch topfit. Ob mit dem Rennrad oder auf Langlaufskiern – Bruns war agil und sprühte vor Ideen und Innovationen. Er liebte das Reisen, war zuletzt auf Teneriffa und in Ägypten. Begeistert erzählte er von der Mountainbike-Tour auf den Berg Teide und vom Schwimmen im Roten Meer. „Ich lebe mein Leben, ich genieße es mit Freude“, lautete seine Lebensphilosophie.

Generationen von Läufern

Bruns, der aus dem Harz stammte und früher selbst Läufer war, brachte als Trainer Generationen von Läufern hervor. Zunächst in Cottbus und seit 1980 in Potsdam, wo er auch als Sportlehrer tätig war. Topläufer wie Gabriele Lehmann, Kerstin Thielemann, Jürgen Kneese, Rainer Kruk, Andreas Garack und Hans-Henning Bräutigam gehörten zu seinen Schützlingen. Seine Ehefrau Ulrike (64) war seine erfolgreichste Athletin. Sie gewann bereits 1976 Olympia-Bronze über 1500 Meter und holte 1987 noch einmal WM-Bronze über 3000 Meter, dazwischen erlief sie unzählige Rekorde und Medaillen.

Den Sportshop aufgebaut

Nach der Wende baute er mit seiner Frau „Ulrikes Sportshop“ in der Potsdamer City auf und trainierte mit einer großen Läufergruppe beim SC Charlottenburg. Katje Schmidt (früher Hoffmann), die heute die Geschäftsstelle beim von Bruns 1997 aus der Taufe gehobenen Potsdamer Laufclub leitet, gehörte damals zu seinen Schützlingen. „Er war damals wie ein Trainervater für mich. Und alles, was ich heute selbst als Trainerin weitergebe, verdanke ich ihm. Damals haben wir ihn manches Mal verflucht. Heute weiß ich, er hat Recht gehabt. Trainer müssen so sein, wenn sie was erreichen wollen.“

Fachliche Kompetenz als Trainer

Er habe detailversessen immer versucht, das Beste aus den Sportlern herauszuholen. „Ob von der ersten Einheit früh morgens um 6.30 Uhr, dem Sprung ins Wasser bis zum Frühstück mit viel Obst, er hat immer alles genau geplant. Selbst die Kultur stand bei uns auf dem Trainingsplan. Wir sind ins Theater gegangen oder ins Museum. Auch Tradition war ihm immer wichtig“, sagt sie über die engagierte Arbeit ihres früheren Trainers und Mentors. Einer wie Bruns eckte auch immer wieder an, weil er mit seinen Ideen nicht so konnte, wie er wollte. Er war streitbar. Am Ende ging es ihm immer um die fachliche Kompetenz und war dabei kaum zu schlagen. „Fachlich war er als Trainer einer der Besten und hinterlässt eine riesige Lücke“, trauert Katje Schmidt um einen verdienstvollen Streiter für den Leistungssport.

Preußenmeile als Denkmal

Bruns hat nicht nur den PLC aus der Taufe gehoben und war dessen erster Vorsitzender. Mit großer Freude feierte er noch im Dezember dessen 20-jähriges Bestehen. Er initiierte auch den Internationalen Sparkassenlauf „Preußische Meile“, der im vergangenen Jahr mit großem Erfolg sein 25. Jubiläum hatte. Allein mit diesem populären City-Lauf hat sich Jürgen Bruns, der neben Ehefrau Ulrike, mit der er 42 Jahre verheiratet war, vier Kinder, sechs Enkel und ein Urenkel hinterlässt, ein Denkmal gesetzt.

Von Peter Stein

14.01.2018
14.01.2018