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SC Potsdam Kevin Kuske besiegelt sein Karriere-Ende
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18:42 01.03.2018
Kevin Kuske hängt zum Abschied seinen Schuh an den berühmten Nagel. Quelle: FotoS: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Märkische Allgemeine Zeitung war dabei, als Kevin Kuske am Donnerstag seine Spikes – oder besser den Bürstenschuh – im Potsdamer Luftschiffhafen endgültig an den Nagel hämmerte. Der 39-Jährige hat sich mit Silber in Pyeongchang zum erfolgreichsten Olympiastarter der Bobgeschichte gekrönt. Er blickt im MAZ-Interview noch einmal zurück auf den historischen Moment und seine einmalige Karriere.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie in Pyeongchang zum letzten und vierten Lauf am Start standen?

Kevin Kuske: Wir hatten uns vorher mit dem Team darauf eingeschworen, dass wir unsere Startzeit auf 4,88 Sekunden verbessern wollen. Da habe ich mich voll auf meinen Job konzentriert und noch mal alles gegeben. Dann während der Fahrt geht man wegen der Aerodynamik ja mit, macht sich richtig klein. Ich bin überzeugt, hätten wir diese 4,88 nicht geschafft, dann wäre es nur Bronze geworden und nicht Silber zeitgleich mit den Koreanern.

Haben Sie wirklich nicht daran gedacht, dass Sie ein letztes Mal die Eisbahn hinuntersausen?

Das kam mir nach all dem Trubel im Ziel erst in den Sinn, als wir uns nach der Dopingkontrolle auf die Siegerehrung vorbereitet haben.

Sie hatten vorher schon viermal Gold und einmal Silber gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieses Silber von 2018, diese sechste olympische Medaille?

Die Silbermedaille, die ich ausgesprochen schön finde, steht in meiner persönlichen Skala ganz weit oben. Denn diese Saison war die härteste für mich. Ich musste mich von Anfang bis Ende immer wieder beweisen. Schon beim ersten Anschubtest im September in Oberhof war ich Bester, aber das hat noch nicht gereicht. Bis zuletzt musste auch ich um meinen Platz im Bob kämpfen. Dass ich das mit 39 Jahren körperlich so gut weggesteckt habe, ist eine Genugtuung für mich. Außerdem hatte ich ein Déjà-vu. 2010 in Vancouver lagen wir vor dem vierten Lauf auch an dritter Stelle und haben uns dann im letzten Lauf noch mit einer Hundertstel Vorsprung Silber im Vierer geholt. Alexander Rödiger, der jetzt wieder mit mir im Schlitten saß, habe ich gleich daran erinnert.

Mit Ihrer Medaillenbilanz haben Sie Ihren früheren Piloten André Lange überflügelt.

„Bärchen“ (Spitzname für André Lange/d.A.) war in Südkorea dabei. Er hatte vor Freude Tränen in den Augen und mir gleich gratuliert.

Was hat Sie in Pyeongchang am meisten bewegt?

Dass mein Teamgefährte vom SC Potsdam, Christian Poser, keine Medaille gewonnen hat. Das hat mich ein bisschen traurig gemacht. Als Vierter war er im Zweier – zumal nach der Halbzeitführung – ganz dicht dran. Ich hätte es „Posi“ gewünscht, zumal er die ganze Saison zu unserem Team von Nico Walther gehörte und dann im Vierer aber bei Johannes Lochner fahren musste.

Über welchen Glückwunsch haben Sie sich am meisten gefreut?

Über die Nachricht von Raimund Bethge. Der frühere Bundestrainer, der einst wie meine Mutter Leichtathlet beim ASK in Potsdam war, ist mein wichtigster Mentor gewesen. Auch der im Vorjahr leider verstorbene Heinz Rieger als Athletik-Coach. Von ihm habe ich die Härte und die Bedingungslosigkeit gelernt.

Sie waren als Sprinter in der Leichtathletik auch nicht schlecht. Warum sind Sie vor 20 Jahren zum Bobsport gewechselt?

1988 haben mich die Olympischen Spiele in Seoul – damit schließt sich jetzt 30 Jahre später wieder in Südkorea für mich der Kreis – vor dem Fernseher fasziniert. Seitdem war es mein sportlicher Traum, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Mit meinen damals schon 96 Kilogramm war ich als Sprinter zu schwer, aber der Bobsport war wie für mich gemacht. Als ich im Dezember 1998 die ersten Anschubtests hatte, wusste ich sofort, das ist genau meine Sportart. Angefangen hatte ich bei den Piloten Tino Bonk und Harald Czudaj in Altenberg, ehe ich in der zweiten Saison zu André Lange gewechselt bin. Dort war auch der Potsdamer Carsten Embach. Er war als ehemaliger Weitspringer immer das Vorbild für mich. 2002 haben wir dann zusammen Olympia-Gold im Vierer gewonnen.

Gibt es eine Lieblingsbahn?

Ja, in Calgary, in Kanada. Da hat alles gepasst – vom Umfeld und vom Erfolg.

Hat es Sie nie gereizt, sich mal als Pilot zu versuchen?

Nein, da kann ich mich schon ganz gut einschätzen. Mir hat das gereicht, mich auf das Athletische vorzubereiten. Als Pilot musst du dich um das ganze Team kümmern. Außerdem hätte ich dann aus Potsdam wegziehen müssen nach Oberhof oder Altenberg.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich werde als Trainer am Stützpunkt in Potsdam arbeiten. Nebenher mache ich meinen Trainer-A-Schein und schließe das Studium für Sportwissenschaften an der Europäischen Sportakademie ab. Ich will Talente zum Bobsport führen. Mal schauen, ob ich den Kevin Kuske II entdecke und trainieren kann. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Dabei kann ich gleich gut abtrainieren. Die Gewichte werde ich künftig nicht mehr ganz so hoch schmeißen. Ansonsten will ich schon in Form bleiben, da bin ich eitel.

Von Peter Stein

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