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SC Potsdam Speerwerferin Annika Marie Fuchs startet bei den Europaspielen
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19:24 20.06.2019
Nicht ohne lange Hose: Annika Marie Fuchs.
Potsdam

So einen Wurf hatte sich Annika Marie Fuchs in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können. Dabei hat die Hobbykünstlerin durchaus viel Fantasie, wenn sie mit Kohle, Bleistift oder Pinsel hantiert. Aber diesmal ging es um den 600 Gramm schweren Speer, den sie Ende Mai in Offenburg auf 62,36 Meter katapultierte. Am vergangenen Wochenende bestätigte das die 22-jährige Leichtathletin vom SC Potsdam mit der Verteidigung ihres deutschen Meistertitels in der U23 in Wetzlar mit 60,38 Meter. Es war der zweite Wettkampf mit einem Resultat jenseits der 60 Meter. Noch im Vorjahr hatte sie den U23-Titel mit 56,59 Meter gewonnen. Nun hat sie nicht nur die Norm für die U23-EM im Juli in Gävle/Schweden, sondern auch für die Weltmeisterschaften Ende September in Doha/Katar erfüllt. Die derzeit zweitbeste deutsche Speerwerferin hinter Europameisterin Christin Hussong (Zweibrücken) startet am Sonntag bei den 2. Europaspielen in Minsk/Weißrussland, ihrer ersten internationalen Meisterschaft bei den Erwachsenen.

Endlich die richtige Technik gefunden

Plötzlich hat es Klick gemacht. Annika Fuchs, die mit der früheren Weltrekordlerin und Olympiasiegerin von 1972 sowie 1976, Ruth Fuchs aus

Selbstporträt von Annika Marie Fuchs Quelle: privat

Jena, nicht verwandt ist, hat wie beim Zeichnen eine Idee, woran das liegt: „Ich bringe die Technik endlich auf die Reihe.“ Allerdings ist das noch längst kein Selbstlauf. In Wetzlar war ihr Trainer Burkhard Looks anfangs ganz schön sauer und wurde laut, weil sie wieder in alte, falsche Handlungsmuster zurückgefallen war. „Mich hat in den letzten Jahren schon manchmal der Glauben fast verlassen, dass sie jemals den Speer richtig treffen wird. Ihre Technik war einfach grottenschlecht. Trotzdem habe ich immer ihr Potenzial gesehen“, sagt Looks, bei den Annika Marie Fuchs sein drei Jahren trainiert.

Vor drei Jahren aus Cottbus nach Potsdam

Die Psychologie-Studentin stammt aus Cottbus, genauer dem Ortsteil Branitz mit dem berühmten Barockschloss und dem Park. Zunächst war sie

Zeichnung von Annika Marie Fuchs nach einem Fotomotiv. Quelle: privat

Turnerin. „Dann wurde es mir zu gefährlich und ich bin zur Leichtathletik gewechselt“, erinnert sie sich. Innerhalb des Mehrkampftrainings zeigte sich bald ihre besondere Stärke im Speerwurf. Aber es häuften sich Verletzungen. Weil sie beim Abwurf immer extrem ins Hohlkreuz fiel, zog sie sich sogar einen Wirbelbogenanbruch in der Lendenwirbelsäule zu, durfte mehr als ein halbes Jahr keinen Speer mehr anfassen.

„Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht“, bestätigt sie eisernen Willen. Nach dem Abitur an der Cottbuser Sportschule wechselte sie 2016 zu Looks nach Potsdam. Aber die Leidenszeit wollte einfach nicht aufhören. Da auch ihr Trainingspartner Bernhard Seifert – hat sich ebenfalls in Offenburg auf 89,06 Meter gesteigert und 2019 ebenso zweitbester Deutscher – ständig mit Verletzungen zu kämpfen hatte, bildeten beide eine Schicksalsgemeinschaft. „Aber wir haben uns nicht gegenseitig runtergezogen. Im Gegenteil, Burkhard hat mich immer wieder aufgemuntert“, erzählt Annika Fuchs, die noch nebenbei in einem Potsdamer Galerie-Café jobbt.

Immer wieder krank

Auch als es an die Vorbereitung dieser Saison ging, deutete wenig auf Besserung. Im Oktober litt sie unter einem aggressiven Husten, musste einen ganzen Monat pausieren. Im Trainingslager in Südafrika zerrte sie sich die Rippenzwischenmuskulatur. Wieder einen Monat später folgte eine Nierenbeckenentzündung, sie hatte über 41 Grad Fieber und lag ein paar Tage im Krankenhaus. Erst im März ging es bei einem weiteren Trainingslager in Südafrika voran. „Wer denkt bei so einer Vorbereitung an eine gute Saison“, gibt sie zu.

Gleich furios gestartet

Doch gleich beim ersten Wettkampf in Schönebeck übertraf sie mit 59,63 Meter ihre Bestleistung deutlich. Mit nur 1,76 Meter Größe und 67 Kilo

Quelle: privat

Gewicht ist Annika Fuchs, zu deren Marotten es zählt, mit langer Hose und Werfergurt um die Hüfte bei Wettkämpfen anzutreten, eher ein Leichtgewicht unter den Speerwerferinnen. Die fast zierlich wirkende Frau weiß, dass sie in punkto Krafttraining noch viele Reserven hat, aber große Weiten angesichts dieser körperlichen Voraussetzungen ohnehin nur mit fast perfekter Technik wird erzielen können. Geholfen habe ihr aber auch die wöchentliche Übungseinheit bei Neuroathletiktrainer Marc Uhlmann in Teltow.

Vor Wettkämpfen immer sehr aufgeregt

Ein weiteres Problem sind die flatternden Nerven. „Ich bin vor Wettkämpfen immer sehr aufgeregt. Da kriege ich kaum was zum Frühstück runter, maximal ein halbes Brötchen und einen Becher Joghurt möglichst von meiner Lieblingssorte Erdbeere“, berichtet Annika Fuchs, deren Bruder Jannis in der U17 beim FC Energie Cottbus Fußball spielt. Das Bild für den perfekten Wurf hat sie zwar im Kopf, aber in den realen Himmel gemalt sei es noch lange nicht. Das Zeichnen gehe ihr halt leichter von der Hand. Da könne sie ganz spontan zum Beispiel im Flugzeug zum Bleistift greifen und drauflosmalen. Auf dem Weg nach Minsk ist dazu vielleicht wieder Gelegenheit.

Von Peter Stein

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