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SC Potsdam Pole Lisek überspringt Traumhöhe von sechs Metern
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21:09 05.02.2017
Piotr Lisek katapultiert sich in die Höhe. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Erst ein Kampfschrei, dann ein Flug bis in den siebten Himmel. Der Pole Piotr Lisek übersprang beim 18. Internationalen Stabhochsprung-Meeting am Samstagabend im Potsdamer Stern-Center erstmals die Sechs-Meter-Marke. Danach gab es für den 24 Jahre alten Modellathleten kein Halten mehr. „Wahnsinn, ich kann das gar nicht fassen“, stammelte er von seinen Glücksgefühlen überwältigt und fasste sich mit den Händen immer wieder ungläubig an den Kopf. Aber die Latte blieb bei den magischen sechs Metern liegen. Damit ist der WM-Dritte von 2015 und Olympiavierte von 2016 erst der zehnte Springer weltweit, der in der Halle diese Höhe übertraf. Der Hallen-Weltrekord des Franzosen Renaud Lavillenie steht seit 2014 bei 6,16 Metern. Lisek verwies Ivan Horvat (Kroatien) und Karsten Dilla (Bayer Leverkusen), die jeweils 5,63 Meter schafften, auf die nächsten Plätze.

Willkommen im Club der Sechs-Meter-Springer: Piotr Lisek. Quelle: Bernd Gartenschläger

Lisek scheint das Brandenburger Pflaster zu liegen. Erst am 25. Januar hatte er in Cottbus mit 5,92 Metern für einen neuen polnischen Hallen-Rekord gesorgt. Nun steigerte er diesen und seine Jahresweltbestleistung noch einmal um acht Zentimeter. Bei 5,43 Metern war er in den Wettkampf eingestiegen. „Ich hatte zuletzt einen Salto Nullo, da war ich schon froh, den Wettkampf diesmal fortsetzen zu können“, sagte Lisek, der sich anschließend weiter über 5,63, 5,73, 5,83 und 5,93 steigerte. Bereits damit hatte er den seit fünf Jahren bestehenden Meeting-Rekord des inzwischen zurückgetretenen Björn Otto (Köln), Olympiazweiter von 2012, um einen Zentimeter übertroffen. Dann ließ Lisek die Latte auf sechs Meter legen und meisterte diese Höhe im zweiten Versuch. „Ich hätte das heute nicht für möglich gehalten. Aber die Atmosphäre war super, die Zuschauer haben mich gepusht. Das hat mir geholfen und den letzten Kick gegeben“, erklärte der Pole, der bereits vor zwei Jahren in Potsdam mit 5,80 Metern gewonnen hatte und im Vorjahr Dritter war. 2016 hatte Carlo Paech mit 5,77 Metern in Potsdam triumphiert. Aufgrund einer Verletzung lässt der Ex-Potsdamer, der für Bayer Leverkusen startet, die Hallen-Saison aus, stand aber Moderator Jens Herrmann (BB-Radio) als Experte zur Seite und staunte über Lisek: „Das sieht man nicht alle Tage. Sechs Meter sind wirklich für jeden Stabhochspringer ein Traum“, bestätigte Paech.

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Lisek: „Da will ich Gold holen“

Zu den ersten Gratulanten zählten Liseks Ehefrau Alexandra, die Stabhochspringerin hatte er im Oktober geheiratet, und seine Mutter Beata sowie weitere Verwandte. „Ich bin einfach so glücklich. Von den sechs Metern träumt jeder Stabhochspringer. Das ich jetzt dazu gehöre, ist unglaublich für mich“, erklärte Lisek, dessen Name Füchschen bedeutet.

Der schlaue Fuchs hatte vorher offenbar maßlos untertrieben. Als riesiges Talent galt er schon immer, deshalb wurde er einst aus einem kleinen Ort nahe Poznan in das polnische Stabhochsprung-Zentrum nach Szczecin geholt. Dort hatte er sich vor zwei Jahren allerdings mit dem Trainer zerstritten und wird nun vom Ex-Stabhochspringer Marcin Szczepanski betreut, der von Lisek sagt: „Er hat so viel Potenzial.“ Bereits am Sonntagmorgen ging es für den Überflieger weiter, zunächst mit dem Flugzeug nach Paris und dann mit dem Auto zum nächsten Wettkampf nach Clermont-Ferrand/Frankreich zum Duell mit Weltrekordmann Lavillenie, dem Olympiasieger von 2012 und Olympia-Zweiten von 2016. Am kommenden Freitag wird Lisek auch beim Istaf-Indoor in Berlin starten.

Schon jetzt gilt der Hallen-WM-Dritte von 2016 als Top-Favorit für die Hallen-EM im März in Belgrad. Sein großes Saisonziel sei aber die Weltmeisterschaft im August in London. „Da will ich Gold holen“, sagte Lisek und grinste dabei. Das Füchschen hat Hunger auf mehr. Am Samstagabend konnte er seinen Appetit auch mit der obligatorischen Siegertorte stillen.

Von Peter Stein