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SC Potsdam Stabhochspringerinnen wollen aufs DM-Podium
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18:41 13.02.2018
Anjuli Knäsche steigerte sich bei den norddeutschen Leichtathletik-Hallen-Meisterschaften in Hamburg auf 4,50 Meter.
Anjuli Knäsche steigerte sich bei den norddeutschen Leichtathletik-Hallen-Meisterschaften in Hamburg auf 4,50 Meter. Quelle: Foto: imago
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Potsdam

Anjuli Knäsche dehnt sich wie ein Flitzebogen. Wenig später katapultiert sie sich selbst in die Höhe. Die Stabhochspringerin probt in der Leichtathletikhalle im Potsdamer Luftschiffhafen für den Ernstfall. Der tritt am Samstag bei den Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Dortmund ein. Dort zählt die 24-Jährige genauso zum Kreis der Medaillenanwärterinnen wie Friedelinde Petershofen.

Beide sind vor gut drei Jahren wegen des Sports und des nunmehrigen Bundestrainers für den Frauen-Stabhochsprung, Stefan Ritter, nach Potsdam gekommen. Während Anjuli Knäsche weiter für ihren Heimatverein Kieler TB startet, trägt die aus Oldenburg stammende Friedelinde Petershofen das Trikot des SC Potsdam. Im Trainingsalltag beschreiten sie jeweils eigene Wege. Das Ziel bleibt für beide, möglichst hoch zu springen.

Arbeit mit einer Mentaltrainerin

Anjuli Knäsche hat ihre Hallenbestleistung Anfang Februar bei den norddeutschen Meisterschaften in Hamburg auf 4,50 Meter gesteigert. Ihre Freiluftbestmarke liegt noch fünf Zentimeter höher. Dass es für die Vierte der U20-WM von 2012 seit ein paar Wochen wieder aufwärts geht, schreibt sie zum einen ihrem Technikberater Toralf Neumann zu und zum anderen der erst im Oktober begonnenen Zusammenarbeit mit Mentaltrainerin Katja Seyffardt. „Im Endeffekt kommt es darauf an, sich auf seine Sache zu konzentrieren“, sagt Anjuli Knäsche. „Ich mache mir nicht mehr so einen großen Druck. Ich versuche, auch Spaß zu haben.“

Knäsche nimmt nur 13 Schritte Anlauf

Deshalb will sie in Dortmund trotz Platz drei in der aktuellen deutschen Bestenliste ohne Vorgabe an den Start gehen. „Ich möchte einen ordentlichen Wettkampf machen und mein Bestes geben. Das ist das Einzige, was zählt. Am Ende wird man sehen, was dabei herauskommt.“ Sie nimmt derzeit nur 13 Schritte Anlauf, im Sommer sollen es dann wieder 17 sein. „So kann ich mich besser auf die technischen Dinge beim Absprung konzentrieren. Daran arbeiten wir. Ich baue mir jetzt etwas auf, was im Sommer funktionieren soll“, sagt die Studentin, die an der Fern-Uni Hagen Wirtschaftswissenschaften belegt und ihre Bachelorarbeit zum Thema „Spieltheorie bezogen auf Fußball“ im Dezember abgegeben hat.

Petershofen hat ein gutes Gefühl

Im August locken die Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion. Da will auch Friedelinde Petershofen hin. Die 22-Jährige hat im Januar im Potsdamer Stern-Center bei ihrem Lieblingsmeeting ihren persönlichen Hallen-Rekord auf 4,51 Meter geschraubt. Mit Blick auf die Meisterschaft am Wochenende in Dortmund meint sie: „Ich habe ein gutes Gefühl, bin positiv gestimmt.“ Dass sie erstmalig mit einer realistischen Medaillenchance bei den Frauen antritt, mache ihr keinen zusätzlichen Druck. „Ich bin ja die Jüngste im Kreis der Medaillenkandidatinnen. Ich freue mich einfach auf den Wettkampf. Und wenn ich da gut reinkomme, ist alles möglich.“

Der Trainer traut ihr eine Menge zu. „Sie ist athletisch und von der Schnelligkeit her richtig gut drauf. Das Gesamtpaket scheint zu stimmen. Nun muss sie es nur noch umsetzen“, erklärt Ritter. Auf jeden Fall werde Friedelinde Petershofen diesmal die passenden Stäbe dabei haben. Zuletzt in Zweibrücken sei sie einfach zu schnell gewesen, da habe die Härte der Stäbe nicht gepasst. Mit acht Stäben will sie nach Dortmund reisen. Ritter traut ihr Höhen von 4,60 Meter und mehr zu.

Jahres-Höhepunkt ist die EM im August in Berlin

Friedelinde Petershofen hatte im vorigen Sommer nach ihrem sensationellen Bronze-Sprung auf 4,55 Meter bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt die Qualifikation für die WM in London geschafft. Deshalb möchte sie 2018 gern das Kunststück wiederholen und sich erneut für den Jahres-Höhepunkt, also die Heim-EM in Berlin, qualifizieren. „Das ist ganz klar mein Ziel“, sagt die Lehramtsstudentin für Sport und Biologie an der Uni Potsdam, die sich derzeit von den olympischen Erfolgen der deutschen Wintersportler in Pyeongchang inspirieren lässt. „Biathlon gucke ich sehr gern. Besonders gespannt bin ich aber, wenn die Potsdamer Bobsportler am Start sind. Da fiebere ich richtig mit“, berichtet Friedelinde Petershofen.

Wenn ihr in Dortmund nach 15 Schritten Anlauf der optimale Sprung gelingt, dann könnte sogar noch die Qualifikation für die Hallen-Weltmeisterschaften Anfang März in Birmingham möglich sein. Die Potsdamerinnen sind bereit zum Höhenflug auf das Podest.

Von Peter Stein