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VfL Potsdam Präsident Holger Rupprecht blickt zurück
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18:49 30.06.2014
Holger Rupprecht Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

MAZ: Warum treten Sie nicht mehr an?
Holger Rupprecht: Ich glaube, nach über 18 Jahren Vorsitz ist es an der Zeit, diesen Posten einem Jüngeren zu überlassen. Außerdem will ich die Verantwortung für meinen Anteil an der problematischen wirtschaftlichen Entwicklung des VfL in den letzten Jahren übernehmen.

Wie sieht Ihre Verantwortung aus?
Rupprecht: Dem Vorstand sind unter meiner Leitung Fehler unterlaufen, die sich summierten und schließlich zur Insolvenz führten.

Was waren das für Fehler?
Rupprecht: Wir waren spätestens seit dem ersten Aufstieg in die zweite Liga nicht konsequent genug, die sportlichen Ansprüche an die wirtschaftlichen anzupassen. Weder die Vereinsstruktur, noch die finanzielle Basis waren bundesligatauglich.

Warum hat diese Konsequenz gefehlt?
Rupprecht: Einer Mannschaft und ihrem Trainer, die sich sportlich qualifiziert haben, zu sagen: Wir müssen auf den Aufstieg verzichten, ist so ziemlich das Schlimmste, was man Sportlern antuen kann. Hier hat das Herz über die Vernunft gesiegt.

Warum sind Sie dann 2009 erneut in die zweite Bundesliga aufgestiegen?
Rupprecht: An dieser Stelle hätte ich konsequent sagen müssen, wir können es uns nicht leisten.

Der Schuldenberg ist bis zum Insolvenzantrag vor einem Jahr auf etwa 550.000 Euro angestiegen. Haben Sie zu spät reagiert?
Rupprecht: Im Rückblick kam der Schlussstrich vielleicht zu spät. Die erschreckende Zahl ist unter anderem den Besonderheiten eines Insolvenzverfahrens geschuldet. Aber auch die realistische Schuldenhöhe ist völlig inakzeptabel.

Welche Gründe für die hohen Schulden gibt es?
Rupprecht: Primär sind wir natürlich selbst schuld. Wir haben zu oft mündlichen Zusagen von potenziellen Sponsoren vertraut, die sich dann in Luft aufgelöst haben. Im Jahr 2012 waren das allein mehr als 120.000 Euro.

Das erklärt aber noch nicht die hohe Summe.
Rupprecht: Hinzu kamen zum Beispiel deutlich erhöhte Kosten für die Berufsgenossenschaft und die verspätete Fertigstellung der MBS-Arena, wodurch sich geplante Zuschauereinnahmen als völlig unrealistisch erwiesen.

Im Frühjahr 2012 hat der Verein von der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro gebraucht. Hätte das nicht ein Schuss vor den Bug sein müssen?
Rupprecht: Dieses Geld war notwendig, um die Saison 2011/2012 zu Ende spielen zu können, was auch gelungen ist. Dafür möchte ich mich bei den Stadtverordneten bedanken. Hätten wir die Mannschaft während der Saison zurückgezogen, wäre ein Zwangsabstieg in die vierte Liga erfolgt und der Verein nachhaltig geschädigt worden.

Wenig später haben sie einen österreichischen Torhüter verpflichtet. War das nötig?
Rupprecht: Ein großer Fehler! Wir sind dem dringenden Wunsch des damaligen Trainers gefolgt und haben damit die Lage erneut verschlimmert.

Sie haben bereits 2012 einen Insolvenzexperten in den Vorstand geholt. Warum haben Sie damals die Reißleine noch nicht gezogen?
Rupprecht: Es gab zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, die Kurve zu kriegen. Der genannte Experte hat uns dann aber 2013 überzeugt, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Gab es vorher keine mahnenden Stimmen im Verein?
Rupprecht: Wenn es mahnende Stimmen gab, haben wir sie entweder überhört, oder, was ich heute bedauere, nicht genügend ernst genommen. Der Vorstand wurde aber auf Mitgliederversammlungen stets mit großer Mehrheit entlastet.

Das Insolvenzverfahren hat mit einem Jahr extrem lange gedauert. Wie groß ist der Schaden für den Verein?
Rupprecht: Leider hat das Insolvenzverfahren in der Tat viel zu lange gedauert, aber wir waren im Verlauf nicht untätig. Wir haben die Strukturen des Vereins weiter optimiert und radikal gespart. Gott sei Dank sind keine Sponsoren abgesprungen. Das zeigt das Vertrauen in die Zukunft des VfL.

Wie sieht der Weg aus, den Ihr Nachfolger gehen muss?
Rupprecht: Wir fahren einen radikalen Sparkurs. Das Personalbudget der ersten Männermannschaft wurde in der abgelaufenen Saison halbiert und wird in der neuen Spielzeit nicht erhöht. Trotzdem wollen wir das mittelfristige Ziel zweite Bundesliga nicht aus den Augen verlieren. Die Erfolge im Nachwuchsbereich lassen erwarten, dass es dazu zukünftig keiner teuren Verpflichtungen bedarf.

Bleiben Sie dem Verein erhalten?
Rupprecht: Wenn vom Verein gewünscht, werde ich mich weiter für den VfL engagieren.

Wie fällt Ihr Fazit nach 18 Jahren aus?
Rupprecht: Es war eine tolle Zeit, auch wenn die letzten Jahre nicht vergnügungssteuerpflichtig waren.

Lehrer und Politiker

  • Holger Rupprecht wurde in Gadebusch (Nordwestmecklenburg) geboren und studierte später Sportwissenschaft und Geografie an der Pädagogischen Hochschule Potsdam.
  • Als Lehrer arbeitete Rupprecht unter anderem am Humboldt-Gymnasium und war dort Direktor.
  • Im Oktober 2004 wechselte der damals parteilose Rupprecht in die Politik und wurde Brandenburgischer Minister für Bildung, Jugend und Sport. Seit 2005 ist er Mitglied der SPD. 2011 trat er als Minister wegen einer Dienstwagenaffäre zurück. In den Brandenburger Landtag zog Rupprecht erstmals 2009 ein, sein Wahlkreis liegt in der Prignitz.
  • Seit 1996 ist Rupprecht Vorsitzender der VfL Potsdam.
  • Der VfL Potsdam spielte von 2006 bis 2007 und 2009 bis 2012 in der 2.Bundesliga. Die vergangene Spielzeit beendete das neuformierte Team auf dem siebenten Platz der 3. Liga.

Interview: Ronny Müller

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