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Sportbuzzer Nationalspielerin mit 55 Jahren
Sportbuzzer Nationalspielerin mit 55 Jahren
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17:46 07.11.2017
Marlies Dreblow ist die Mutter von Bundesligaspielerin Sophie Dreblow. Quelle: foto: privat
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Potsdam

Volleyballerin Sophie Dreblow ist stolz auf ihre Mutter. Die Bundesligaspielerin vom SC Potsdam sagt: „Ich freue mich echt für sie, super, wie sie das alles gemeistert hat.“ Denn Marlies Dreblow startet in dieser Woche mit dem deutschen Nationalteam bei den Europameisterschaften im Sitzvolleyball im kroatischen Porec. Mit ihren 55 Jahren ist die Potsdamerin quasi die Mutter der Kompanie, Mitspielerinnen könnten ihre Tochter sein wie eben Sophie Dreblow.

Die nicht alltägliche Karriere von Marlies Dreblow hat ihren Wendepunkt in einer schweren seltenen Erkrankung vor zwei Jahren. In deren Folge mussten in beiden Unterschenkeln die Muskeln entfernt werden. Dank spezieller Orthesen, die Ende 2016 in die Unterschenkel eingepflanzt wurden, kann sie sich aber auf den Beinen halten und einigermaßen laufen. Die Lehrerin für Englisch, Mathematik und Deutsch ist seitdem zwar schwerbeschädigt und kann auch keinen Sport mehr wie früher unterrichten, aber ihr Hobby Volleyball weiter in einer anderen Form betreiben. Einst in Schwedt hatte sie auch ihren Töchtern Marie, spielt beim SC Potsdam II in der 3. Liga, und Sophie das Volleyball-Abc beigebracht. Vor ihrer Erkrankung spielte Marlies Dreblow, die mit der Familie nach Potsdam gezogen war, nachdem Sophie auf die hiesige Sportschule kam, noch beim Regionalligisten SF Brandenburg. „Nun habe ich mit dem Sitzvolleyball die Chance, weiter am Ball zu bleiben“, erzählt die resolute Frau, deren Mitspielerinnen auch teilweise oder gänzlich amputierte Beine haben. „Durch eine genaue Untersuchung inklusive MRT wird der Bewegungsgrad festgestellt und nach einem Klassifizierungssystem erfolgt die Einstufung in eine Schadensklasse“, berichtet Marlies Dreblow.

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Beim Sitzvolleyball ist das Netz nur halb so hoch

Wie der Name schon sagt, müssen die Spielerinnen beim Sitzvolleyball mit dem Po auf dem Boden bleiben. Das Netz ist nur 1,05 Meter statt 2,24 Meter hoch. „Dadurch kommen die Bälle viel schneller rüber“, sagt Marlies Dreblow, die im Nationalteam das Trikot mit der Nummer 1 trägt. Ansonsten seien die Grundregeln die gleichen wie beim Volleyball. Drei Ballkontakte sind erlaubt, sechs Spielerinnen pro Team befinden sich auf dem verkleinerten Feld. „Die größte Schwierigkeit ist, sich auf dem Feld zu bewegen. Das geschieht ja mit Hilfe der Arme, die ich aber gleichzeitig auch zum Spielen benötige. Daher muss ich sehr schnell reagieren können“, schildert Marlies Dreblow die Besonderheiten. Auch Sophie Dreblow, die schon öfter beim Sitzvolleyball-Training dabei war, merkt an: „Das strengt total an.“

Beim SCC Berlin hat Marlies Dreblow einen Verein gefunden, in dem sie regelmäßig in einer Sitzvolleyball-Mannschaft trainieren kann. Der Olympiastützpunkt in Potsdam unterstützte sie ebenso bei der EM-Vorbereitung. Beim SCC ist übrigens Michael Merten ihr Trainer. Der 48-Jährige war 2009 bis Februar 2011 Bundesliga-Trainer beim SC Potsdam und zeichnet nun für das männliche deutsche Sitzvolleyball-Nationalteam verantwortlich, das ebenfalls in Porec bei der EM antritt.

Die deutschen Frauen haben mit der Ukraine, Russland und den Niederlanden Europas Top 3-Teams in der Vorrundengruppe neben Italien erwischt. Trotzdem will die Mannschaft von Trainer Mats Bastian Gerhard zeigen, dass sie sich in den letzten Wochen trotz des Ausfalls dreier Stammspielerinnen gut vorbereitet hat – zuletzt in Duisburg. Debütantin Marlies Dreblow, deren Tochter Marie samt Freund zur Unterstützung mit nach Porec gereist sind, sagt jedenfalls: „Wir haben viel Spaß in der Gruppe. Ich bin glücklich, in dieser Gemeinschaft Sport treiben zu können.“ Großes Ziel sind die Paralympischen Sommerspiele 2020 in Tokio.

Von Peter Stein

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