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10:13 14.07.2017
Hannes Lindt, lange Zeit Handballprofi, hat die Seiten gewechselt: Er soll nun als Geschäftsführer Grün-Weiß Werder voranbringen.
Hannes Lindt, lange Zeit Handballprofi, hat die Seiten gewechselt: Er soll nun als Geschäftsführer Grün-Weiß Werder voranbringen. Quelle: foto: dpa
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Werder

Natürlich kam sie, die Frage nach einem sportlichen Comeback im Trikot des Handball-Vereins Grün-Weiß, als der Werderaner Club den prominenten Neuzugang präsentierte: Eine Rückkehr auf das Parkett aber schloss Hannes Lindt aus: „Ich werde nicht als Spieler dabei sein“, stellte der 30-Jährige klar, der in seiner Laufbahn unter anderem für Tusem Essen und den SC Magdeburg gespielt hatte.

Lindt, gelernter Rückraumspieler, dekoriert mit rund 400 Partien in Deutschlands beiden Bundesligen und bis zum Sommer 2016 noch beim ambitionierten HC Elbflorenz unter Vertrag, ist die namhafteste Verstärkung des Drittliga-Absteigers aus der Blütenstadt in diesem Sommer – aber er soll den Club als Geschäftsführer und Sportdirektor voranbringen. „Ich war immer Spieler, mich reizt nun auch“, sagt Lindt, „auf der anderen Seite zu stehen. Das ist absolutes Neuland.“

Der Aufgabenbereich im neu geschaffenen Amt beim Ostsee-Spree-Oberligisten – einem 30-Stunden-Job – ist klar umrissen: „Als erfahrener Unternehmer und Athlet“, heißt es in einer Mitteilung der Grün-Weißen, „will er nicht nur sportlich für Weiterentwicklung und Professionalisierung sorgen, sondern sich ebenfalls für eine verbesserte Struktur aller Bereiche des Vereins einsetzen.“

Über die ersten Tage in neuer Funktion für den „HV“ mit den Sektionen Handball und Cheerleading sagt Lindt: „Es war natürlich sehr viel neu für mich, beispielsweise, viele Entscheidungen zu treffen und mich mit den Mitgliedern abzustimmen. Auch Cheerleading ist Neuland – die Abteilung macht mit 80 Mitgliedern rund ein Drittel des gesamten Vereins aus. Ich habe viel mit den Mitgliedern gesprochen und viel zugehört. Es gilt jetzt, sich schnell einzufuchsen.“

Die Installation eines hauptberuflichen Geschäftsführers ist ein fast schon ungewöhnlicher Vorgang für einen Absteiger in die Oberliga Ostsee-Spree – die meist kurzen Abenteuer in die dritte Liga endeten für manch einen Club in einem Stimmungstief. Nach der vergangenen Saison verzichteten mit dem Lausitzer HC Cottbus und dem Stralsunder HV die beiden aufstiegsberechtigten Clubs der Oberliga Ostsee-Spree (OOS) freiwillig auf den Sprung in die dritthöchste Spielklasse – beide hatten in der Vergangenheit sogar in der ersten und zweiten Bundesliga gespielt.

In der Blütenstadt versucht man sich nun an einer Art Schubumkehr, der Fahrstuhl soll aus der Oberliga perspektivisch wieder eine Spielklasse weiter oben stoppen. Helfen könnte dabei, den Schwung aus der Drittliga-Spielzeit, die trotz des vorzeitigen Abstiegs mit einer erfrischenden Abschiedstour geendet war, in die vierte Liga mitzunehmen. Und: Das Werderaner Frauenteam hatte in der vergangenen Saison als Zweitplatzierter den Aufstieg von der Brandenburgliga in die OOS geschafft und den beachtlichen, seit längerem anhaltenden Aufwärtstrend der Grün-Weißen fortgesetzt. „Wir wollen den Verein stabil aufstellen, unser langfristiges Ziel ist es natürlich, irgendwann mit der ersten Männermannschaft wieder aufzusteigen. Wichtig ist aber auch, dass der öffentliche Focus auch mehr auf die Frauenmannschaft und unsere Chearleader gerückt wird“, sagt Lindt.

Der Ex-Profi soll nun an der Nachhaltigkeit des Aufschwunges arbeiten, an einem Fundament, das den Verein dauerhaft in der dritten Liga etablieren könnte. Der 1,98-Mann hatte seine Laufbahn beim Lausitzer HC in seiner Heimatstadt Cottbus begonnen, 2003 öffnete er mit seinem Wechsel zum 1. SV Concordia Delitzsch die Tür in Regionen, wo Handballspielen der Beruf ist: Beim sächsischen Verein debütierte er in der 2. Bundesliga und stieg 2005 in die deutsche Handball-Beletage auf, 2006 allerdings sofort wieder ab. 2007 wechselte er zu den SC Magdeburg Gladiators, spielte aber meistens für Magdeburgs zweite Mannschaft, die SC-Youngsters. 2009 ging er zur HSG FrankfurtRheinMain, im November 2010 unterschrieb Lindt dann beim DHC Rheinland.

Ab 2011 dann verlegte er den Lebensmittelpunkt ins Herz des Ruhrgebietes – Lindt trug das Trikot des TUSEM Essen, mit dem er 2012 in die Bundesliga aufstieg. Nachdem der TUSEM 2013 wieder abstieg, wechselte er zur SG BBM Bietigheim. Im Januar 2015 kehrte er nach Essen zurück. In der Saison 2015/16 stand er beim HC Elbflorenz unter Vertrag. Nach einer erneuten Knieverletzung beendete er seine Karriere in diesem Sommer.

2013 gründete Lindt zusammen mit seiner Familie und einem Freund ein Öko-Textillabel mit Biobaumwoll-Produkten samt Stiftung, die derzeit drei Projekte in Afrika unterstützt. Mit Entwicklungshilfe kennt sich der gebürtige Cottbuser also aus und auch wie Aufstieg geht, weiß Lindt: Mit seinen Ex-Vereinen Essen, Bietigheim und Delitzsch stieg er in die erste Bundesliga auf.

Auch in Sachen Kaderplanung gibt es noch Arbeit für den neuen Mann im Hintergrund: „Ganz aktuell müssen wir den Kader der ersten Männermannschaft analysieren und besprechen. Sollte es noch Baustellen geben, können wir sicher noch schnell den einen oder anderen Spieler davon überzeugen, für uns aufzulaufen“, sagt Lindt.

Von Lars Sittig