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Sportbuzzer Hightech im Ruderbecken
Sportbuzzer Hightech im Ruderbecken
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18:32 19.02.2019
Alles unter Kontrolle dank moderner Technik im Ruderbecken am Bundesstützpunkt in Potsdam. Quelle: foto: Wolfgang Lux
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Potsdam

Es hat schon was vom Raumschiff Enterprise, wenn die Ruderinnen am Bundesstützpunkt in Potsdam in ihrem Ruderbecken der Trainingsarbeit nachgehen. Denn der Kasten wurde von Mitarbeitern des Berliner Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) mit modernster Messtechnik ausgestattet.

„Jetzt sind wir auf dem neuesten Stand“, sagt Harry Nolte. Der Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt hat über die Monitore den kompletten Überblick. Bis zu acht Aktive können gleichzeitig trainieren. Fünf Sensoren nehmen ständig die Werte Backbord und Steuerbord, am Stemmbrett und an der Dolle ab. „Die registrierten Werte sind mit der neuen Technik viel realistischer, weil wir genau dort messen, wo die Kräfte wirken. Das kommt dem Rudern im Freiwasser schon sehr, sehr nahe.“ Neben der Schlagfrequenz und der Schlagweite, also den Weg, den das Ruderblatt im Wasser zurücklegt, geht es vor allem um die Kraftwerte, die möglichst optimal abgestimmt für den Vortrieb sorgen sollen.

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Auf die richtige Technik kommt es an

Die Ruderinnen sitzen wie im Boot auf Rollsitzen. Die Bewegungsmuster sind also denen auf dem Freiwasser identisch. Einziger sichtbarer Unterschied: Das Ruderblatt besteht nur aus einem Rahmen, ist kein Vollblatt. Dadurch werden aber unter den Laborbedingungen im Kasten identische Wasserwiderstandswerte erreicht. Die Ruderinnen ziehen mit etwa 600 Nanometern pro Sekunde die Riemen durch das Wasser. „Doch nicht allein die Kraft entscheidet. Es kommt beim Rudern vor allem auf die richtige Technik an“, bemerkt Nolte. Und genau da setzen die Sensoren an, zeigen in bunten Linien auf dem Monitor die Krafteinsätze bei Vorder-, Mittel- und Endzug auf. Diese Kurven sehen auch die Sportlerinnen auf dem Bildschirm.

Sportler und Trainer sind begeistert

„Dadurch kann ich mich ständig kontrollieren und notfalls korrigieren“, erzählt Isabelle Hübener. Die Riemenruderin gehört zum Kader des deutschen Frauen-Achters unter Trainer Sven Ueck. „Die neue Technik ist sehr viel besser“, weiß die 20-Jährige. „Das hilft mir, den perfekten Schlag zu finden. Auf dem Stemmbrett lassen sich viel besser die negativen Werte messen, die im Boot den Vortrieb schwächen. Dadurch kann ich meine gesamte Rudertechnik optimieren.“

Trainerin Uta Salomon ist gleichfalls begeistert: „Die neue Technik ist einfach super, auch die Bedienung ist leichter. Die Rückschlüsse aus den Kraftkurven lassen sich viel besser auf das Rudern auf dem Wasser übertragen. Wir können effektiver arbeiten.“ Hübscher Nebeneffekt des Hightech-Schiffs: War die „Galeere“ früher im Winter eher als notwendiges Übel bei den Sportlern verpönt, so liefern ihnen nun die Bildschirme sofort wichtige Hinweise. Da macht auch das „Trocken- Training“ wieder mehr Spaß.

Von Peter Stein