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Sportbuzzer Diener Dauerfinalist bei der Kurzbahn-WM
Sportbuzzer Diener Dauerfinalist bei der Kurzbahn-WM
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19:35 18.12.2018
Der Potsdamer Christian Diener hatte bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in China starke Auftritte.
Der Potsdamer Christian Diener hatte bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in China starke Auftritte. Quelle: Foto: Ng Han Guan/DPA
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Potsdam

Christian Diener ist wieder aufgetaucht. Erschöpft zwar, aber auch zufrieden kehrte der Schwimmer vom Potsdamer SV von den Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Hangzhou/China zurück. In sieben Wettbewerben ging er in fünf Tagen an den Start, sieben Mal qualifizierte er sich für das Finale.

Was sein Trainer Jörg Hoffmann gewohnt sachlich mit „eine gute Quote“ kommentierte, war für seinen Schützling ein Mammutprogramm. „Das hatte ich auch noch nicht“, gestand Diener.

Seine Bilanz: 50 Meter Rücken Platz acht. 100 Meter Rücken Platz sieben. Über 200 Meter Rücken, seine Spezialstrecke, qualifizierte er sich am Schlusstag als Fünfter für das Finale, verzichtete aber dann zugunsten des Staffeleinsatzes über viermal 100 Meter Lagen. Dort reichte es zu Platz fünf. Außerdem wurde Diener über viermal 50 Meter Lagen Fünfter, über viermal 50 Meter Freistil Siebter und über viermal 50 Meter Lagen Mixed Sechster.

Am Limit

Am Ende sprang zwar keine Medaille heraus, aber die Erkenntnis, er könne mit der Weltspitze mithalten. Unterm Strich hatte der „Kachelzähler vom Dienst“ inklusive Vorläufen 14 Starts und kam auf 1050 Wettkampfmeter. „Ich habe dann schon gemerkt, dass es ans Limit geht. Das Gute war aber, dass ich gleich beim ersten Start über 50 Meter Rücken gespürt habe, dass die Form da ist. Ich hatte keine Probleme mit dem Jetlag trotz sieben Stunden Zeitunterschied“, berichtete der Olympia-Siebte von Rio 2016.

Jagd nach dem Rekord

Dabei jagte Diener, der mit beiden Lagen-Staffeln deutschen Rekord schwamm, auch als Solist die nationalen Rekorde. Über 50 Meter Rücken kam er als Startschwimmer der Lagen-Mixed-Staffel auf 22,91 Sekunden und verfehlte den neun Jahre alten deutschen Rekord von Thomas Rupprath nur um sechs Hundertstelsekunden. Über 100 Meter Rücken, wo die Bestmarke ebenfalls seit 2009 von Helge Meeuw bei 49,94 Sekunden steht, scheiterte Diener knapp an der 50-Sekunden-Grenze. Waren es im Einzel-Halbfinale 50,04 Sekunden (50,24s im Finale), so schwamm der Sportsoldat zum WM-Abschluss in der Lagen-Staffel mit 50,01 Sekunden noch einmal persönliche Bestzeit.

Ein Staffeltyp

Dass er als Startschwimmer der Staffeln jeweils noch einen Tick schneller war als im Einzel, findet er cool. „Ich bin wohl ein Staffeltyp. Das puscht mich noch mehr. Schon als wir einmarschiert sind und die Teamkollegen auf der Tribüne ein Höllenspektakel veranstaltet haben, war das grandios. So eine Stimmung habe ich beim Schwimmen selten erlebt. Das nimmt man dann mit ins Becken und ist noch mehr motiviert. Wir waren wirklich ein Klasse-Team. Das hat wohl allen Spaß gemacht.“

Der gebürtige Cottbuser musste viele Jahre darum kämpfen, sich für die deutschen Staffeln zu qualifizieren. Im Sommer dieses Jahres war der Gewinn der Bronzemedaille bei den Europameisterschaften in Glasgow mit der deutschen viermal 100 Meter Lagen-Staffel eine Art emotionaler Durchbruch. Diener will sich als nationale Nummer eins in der Rückenlage etablieren.

Die Orientierung verloren

Apropos Rückenlage. Wegen dieser orientieren sich die Schwimmer gewöhnlich an der Decke. Das war in China nicht so einfach, wo das 25-Meter-Becken in ein Tennisstadion gebaut worden war. „An der Decke gab es keine klaren Linien, sondern wuselige Spiralen- und Blumenmuster. Da fiel es schwer, eine Linie zu finden“, erzählte Diener, der prompt im Finale über 50 Meter Rücken mit seinem italienischen Nebenmann in Berührung kam. „Da haben wir ein bisschen gekuschelt. Ich war komplett raus aus dem Rennen“, gab er zu.

Den Jahreswechsel wird Diener wieder mit seiner Schwester sowie den Eltern und Großeltern in einem Ferienhaus in Dänemark verbringen. „Darauf freue ich mich schon“, sagte der 25-Jährige, der sich 2019 für die Weltmeisterschaften in Südkorea qualifizieren will und dort gern auch in der Staffel antreten möchte.

Von Peter Stein