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Sportbuzzer Ein Jahr Sperre für Bobpilot Machata
Sportbuzzer Ein Jahr Sperre für Bobpilot Machata
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19:57 03.03.2014
Auf scharfen Kufen unterwegs: Der Potsdamer Pilot Manuel Machata (vorne) mit seiner Crew. Quelle: dpa
Potsdam

Pius Meyerhans ist außer sich. Der frühere Bobpilot aus der Schweiz redet sich in Schwung, als würde er einen Schlitten auf Tempo bringen. "Das ist armselig, das ist unglaublich", schimpft der 46-Jährige auf Schweizerdeutsch. Pius "Billi" Meyerhans ist Ausgangspunkt der "Kufen-Affäre" bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Endpunkt ist der für den SC Potsdam startende Pilot Manuel Machata. Der 29-Jährige ist am Montag vom Bob- und Schlitten-Verband für Deutschland (BSD) ein Jahr gesperrt worden und muss 5000 Euro Strafe zahlen.

Machata hatte sich nicht für Sotschi qualifiziert und seine Kufen an den russischen Vierer-Olympiasieger Alexander Subkow weitergereicht. Die Kufen waren eine Leihgabe von Meyerhans, der das Geschäft so erklärt: "Wir haben ausgemacht, dass Manuel die Kufen fahren kann, wenn er in Sotschi dabei ist. Ohne diese Klausel wären sie direkt an Subkow gegangen." Für Meyerhans ist der Handel mit Kufen eine international gängige Praxis.

Für den BSD ist es jedoch eine Art Landesverrat. Die "relativ harte Strafe" gegen Machata sei "ein erster Schritt, um nationale Interessen zu wahren”, sagt BSD-Präsident Andreas Trautvetter. "Natürlich ist uns bekannt, dass auch in der Vergangenheit Kufen international verliehen und gehandelt wurden", räumt Trautvetter ein. Ein Punkt, den Machata nun aufgreift: "Eine Verwarnung oder gar Bestrafung gab es noch nie für einen Athleten. Weder national noch international. Warum jetzt?", fragt der Sportsoldat in einer gestern verbreiteten Stellungnahme. Selbst der heutige Bundestrainer Christoph Langen hat 2010 in Vancouver Kufen an die Konkurrenz verscherbelt. "Ich hatte aber erst den Verband gefragt, ob er mein Material kaufen möchte, dann kam es auf den internationalen Markt”, sagt Langen. BSD-Boss Trautvetter kündigt derweil Einschnitte an: "Wir werden die Winterspiele zum Anlass nehmen, um klare Regelungen für deutsche Athleten festzulegen.”

Es geht um diese Kufen: Der russische Doppel-Olympiasieger Subkow hat bei den olympischen Bob-Rennen Hilfe von der deutschen Konkurrenz bekommen. Quelle: dpa

Gegen bestehende Normen hat Machata vor Sotschi offenbar nicht verstoßen. "Weder die Athletenvereinbarung noch die Satzung des BSD geben eine Strafe her", betont Peter Rieger, Geschäftsführer des SC Potsdam. Daher sei das Urteil haltlos. Rieger: "Manuel wird Recht kriegen. Der Verband sucht nur ein Bauernopfer." Denn das deutsche Bobteam war in Sotschi erstmals seit 50 Jahren ohne olympische Medaille geblieben. Sollte Machatas Sperre Bestand haben, droht Rieger mit Konsequenzen: "Es würde keinen Potsdamer Bob mehr geben. Mit einem anderen Piloten werden wir es nicht machen." Der ehemalige Viererbob-Weltmeister Machata hat sich für die nächste Saison viel vorgenommen. Bei der Heim-WM 2015 in Winterberg will er den Titel gewinnen. Klar, dass sein Anwalt nun Rechtsmittel einlegt.

Machata hätte lediglich einen Verstoß gegen die Athletenvereinbarung begangen, wenn er Material des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin weitergegeben hätte. Die Kufen gehören aber Meyerhans. "Die sind etwa vier Jahre alt", erzählt der Landwirt und Bauunternehmer, der den Satz auch Maximilian Arndt angeboten hatte, der als bester Deutscher auf Platz sechs der Vierer-Konkurrenz gefahren war. Die Sperre für Machata kann Meyerhans nicht nachvollziehen: "Der Verband sucht einen Sündenbock, um Unzulänglichkeiten zu verdecken." Der Ex-Pilot fürchtet um Machatas Karriere, selbst wenn die Sperre aufgehoben wird: "Wenn es im Verband keinen personellen Wechsel gibt, wird Manuel es schwer haben." Neues Material braucht Machata auch. Möglich, dass der Russe Subkow die Gold-Kufen von Meyerhans kauft.

Von Ronny Müller

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