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Havelland Ein Wegbegleiter und Förderer des Rudersports
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14:37 17.02.2020
Rolf Bauer Quelle: Heinz Walter Knackmuss
Rathenow

Über viele Jahre war Rolf Bauer das Gesicht des Ruderclubs Wiking. Über fünf Jahrzehnte prägte er das Vereinsleben. Wer vom Rudersport in Rathenow redete, der redete auch von Rolf Bauer. Die Sportwelt trauert nun um ihn, er ist am 27. Januar im Alter von 90 Jahren verstorben.

Beruflicher Werdegang

Geboren am 1. Januar 1930 in Sonneberg (Thüringen), wuchs er später in Berlin auf. Hier ging er auch zu Schule. Nach dem Krieg und Gefangenschaft, legte er das Abitur ab und studierte Zahnmedizin.Bauer promovierte im Jahr 1958 und zog nach Rathenow. Hier übernahm er die Leitung der Zahnärztlichen Abteilung des Stadtambulatoriums Rathenow-West.

Die Jugendzahnklinik

Gleichzeitig begann er die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Kinderzahnheilkunde, die er 1962 beendete. 1963 wurde Rolf Bauer zum Kreisjugendzahnarzt berufen. Im Jahr 1973 übernahm er die Leitung der Jugendzahnklinik Rathenow und wurde gleichzeitig als amtierender Kreiszahnarzt bestätigt. Im gleichen Jahr wurde ihm der Titel Medizinalrat verliehen.

Sportler des RC Wiking beim Abrudern . Quelle: privat

Im Jahr 1990 erfolgte die Abberufung, ein halbes Jahr danach wurde er Rentner. Seit Jugendzeiten war Bauer sportlich. Zunächst trainierte er als Leichtathlet. Trotzdem zog es Rolf Bauer aufs Wasser und ins Ruderboot. Zum 1. Juni 1959 wechselte er in die BSG Einheit Sektion Rudern in Rathenow über. Neben dem Rudern engagierte er sich für die Entwicklung in der Sektion.

Bald Sektionschef

Rolf Bauer wurde zunächst Schriftführer und bald darauf zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. In dieser Zeit erhielten die Rathenower Ruderer ein neues Domizil. Ein Getreidespeicher am Mühlendamm wurde zum neuen Bootshaus umgebaut. 1977 schließlich wurde Rolf Bauer Vorsitzender der Sektion.

Große Erfolge

Nun ging es mit dem Rudersport richtig bergauf. Die Sektion Rudern wurde zum Trainingszentrum und die Anzahl der Kinder im Verein stieg erheblich. 26 zur Kinder- und Jugendsportschule delegierte Sportler erreichten national und auch international große Erfolge. Zu ihnen gehören Bernd Niesecke, Kerstin Kosbab und Mario Streit als Weltmeister und Olympiasieger, sowie Almut Schultze als Juniorenweltmeisterin.

Olympiasieger Bernd Niesecke. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Rolf Bauer nahm mehrfach die Auszeichnung „Beste Sektion des Deutschen Rudersportverbandes” oder „Bestes Trainingszentrum im Bezirk” entgegen. Persönlich wurden ihm das „Goldene BSG-Abzeichen”, die „Goldene Ehrennadel des DRSV der DDR” und die Ehrennadel des Deutschen Ruderverbandes überreicht.

Der Neubeginn

Nach 1990 wurde aus der Sektion der Ruderclub Wiking. Der Mitgliederschwund musste gestoppt und neue Sponsoren gefunden werden. Nach und nach stiegen die Mitgliederzahlen wieder an. Stand zunächst das Wanderrudern im Mittelpunkt, schaffte es der Vorsitzende auch wieder, den Rennsport zu integrieren. 1995 wurde Rolf Bauer als Ehrenmitglied im Landesruderverband aufgenommen.

Die Chronik

Vor 19 Jahren gab Rolf Bauer den Vorsitz ab. Der neue Vorstand ernannte ihn zum Ehrenmitglied im Verein. Neben seinen sportlichen Aktivitäten im Boot war er Mitgestalter der Chronik „100 Jahre Rudersport in Rathenow”. Akribisch durchforstete er mit großem Aufwand Unterlagen und war mit vielen älteren Sportfreunden im Gespräch.

Noch viele weitere Jahre sah man Rolf Bauer im Boot. Nachdem es mit dem Skulls nicht mehr so gut klappte, wurde er Steuermann – da war er schon 79 Jahre alt.

Der Kreistag war eine Zeit lang das kommunalpolitische Parkett. auf dem sich Rolf Bauer bewegte. Quelle: Joachim Wilisch

Rolf Bauer engagierte sich neben dem Rudersport auch in der FDP. Seit 1994 war er FDP-Mitglied und wurde in den Kreistag gewählt. Später arbeitete er als berufener Bürger im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen der Stadtverordentenversammlung der Stadt Rathenow mit.

Besondere Erinnerung

Besondere Erinnerungen hatte Bauer an den Juni des Jahres 2009. Die Medizinische Fakultät der Charité-Universitätsmedizin verlieh aus Anlass der 50. Wiederkehr der Promotion zum Doktor der Zahnmedizin eine Goldene Promotionsurkunde.

Der Verstorbene engagierte sich auch für den Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. Quelle: Bernd Geske

Engagiert vertrat Rolf Bauer auch die Belange des Förderkreises zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche, dem er im Jahr 2000 beitrat.

Ein Vorbild

Die Ruderer verlieren ein Vorbild und Rathenow eine Persönlichkeit, die den Sport in der Kreisstadt mitgeprägt hat. Man wird sich an Rolf Bauer erinnern – an seinen Humor und seine Durchsetzungskraft. Er bleibt ein Vorbild.

Am 19. Februar wird Rolf Bauer auf dem Evangelischen Friedhof in Rathenow um 13 Uhr beigesetzt.

Von Joachim Wilisch