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Havelland Seesportclub Rathenow bereitet Mega-Event vor
Sportbuzzer Sportmix Havelland Seesportclub Rathenow bereitet Mega-Event vor
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15:03 16.08.2019
Das Männerteam des Seesportclubs beim Training. Quelle: Rebecca Kral
Rathenow

Zuhause ist es doch am Schönsten. Nachdem im Jahr 2004 die Deutsche Meisterschaft im Kutterrudern in Wassersuppe ausgetragen wurde, holen die Titelverteidiger das Sport-Event in die Kreisstadt. Am Stadtfestwochenende kämpfen die Besten aus ganz Deutschland um den Titel Deutscher Meister.

In drei Wochen treffen sich in Rathenow die besten Kutterruderer aus Deutschland, um ihre Meister zu ermitteln. Ein Riesenspektakel, das der Seesportclub Rathenow zurzeit vorbereitet. Zurzeit wird zweimal in der Woche trainiert.

Ich war bei der Vorbereitung dabei und durfte beim Mittwochstraining auf dem Wasser die Frauen begleiten. Im Sommer treffen sich die Sportler immer mittwochs und sonntags auf dem Gelände des Seesportvereins zum gemeinsamen Schwitzen. „Wir haben versucht, andere Termine zu finden, aber das hat nie funktioniert“, sagt Trainer Jens Zuther. In manchen Fällen ist Altbewährtes eben doch gut.

Am Mittwoch 1000 Meter

Ich hopse auf den Kutter und darf neben dem Steuer Platz nehmen. Dass ich während des Trainings meine eigene Beweglichkeit testen würde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Für die Aufwärmrunde gleiten wir in den Sonnenuntergang am Gelände des WSV Kanu vorbei bis zur Biegung an der Hauptschleuse und zurück. Am diesem Mittwoch steht die 1000-Meter-Strecke gleich dreimal auf dem Plan. Die Langstrecke von 5000 Meter wird sonntags trainiert.

Der Wachrüttler

Im letzten Jahr machten die Kutterruderer den Medaillentisch wahrhaftig leer. Und auch in den Jahren davor hatten sie Erfolg. Sie brachten mit dem Männer- und dem Frauen-Team über beide Wettkampfstrecken die Goldmedaille nach Hause. Zusätzlich freute sich das gemischte Team über eine goldene Medaille über 1000 Meter. Dafür lief vor acht Wochen das Ruder nicht ganz rund. „Aber das war noch mal ein Wachrüttler und spornt uns zu noch mehr Training an”, erklärt der Trainer. Die elf Damen nicken zustimmend, der Kampfgeist steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Mit ganzer Kraft – der Kutter ist schwer und saust mit neun Stundenkilometer über die Havel. Quelle: Rebecca Kral

Nachdem wir die letzten beiden Sportlerinnen für die 1000-Meter-Strecke und eine Boje eingesammelt hatten, ging es in Richtung Alter Hafen. Dort wird die Start- und Zielmarke für die Meisterschaft sein. Beim Wenden vor der Stadtschleuse wurde dann meine Beweglichkeit das erste Mal getestet. Das Steuer rumreißen kommt nicht von ungefähr, denn irgendwie muss auch so ein tonnenschwerer Kutter wenden können. Das geschieht nur mit Muskelkraft und einem bis zum Anschlag gedrückten Steuer. Wer da in der Bootsecke sitzt, hat schlechte Karten.

Fliegender Start

Vor dem Start machen sich die Damen fertig, die Riemen fest in den Händen. Wir nehmen Fahrt auf für einen fliegenden Start. Bereits vor dem Startpunkt erreichen die Damen eine Geschwindigkeit von etwas über sieben Kilometer pro Stunde.

Zu Wasser und zu Land

Auf Höhe der Startlinie brüllt der Trainer „Race“ und die Frauen reißen buchstäblich am Riemen. Man wird sich bewusst, wie viel Kraft es braucht, so einen Kutter vorwärts zu bringen. „Viele der Kutterruderer sind Läufer, nehmen teilweise an Marathons teil”, erzählt mir Heike Wilisch nach dem Training.

Während des Trainings bleibt keine Zeit, um die Idylle zu genießen. Quelle: Rebecca Kral

Mit etwas über neun Km/h fliegen wir zur Wendeboje, die für mich zur erneuten Beweglichkeitsprobe wird. Ich liege im Kutter, über mir das Steuer am Anschlag. Der Rückweg wird noch einmal besonders schwer. Es gilt keine Zeit zu verlieren, selbst die Biegung kann wichtige Sekunden kosten.

In der Zeit

Mit einer Zeit von unter sieben Minuten erreichen wir die Ziellinie. Das ist eine gute Zeit, die Frauen liegen meist im Rahmen von sieben Minuten auf der Strecke von tausend Metern. Im Team herrscht eine gute Stimmung. Bevor es in die zweite Runde geht, gibt es Probleme mit einem abtreibenden Hausboot. Das Team hat es schwer, den Kanal zu passieren. Das Hausbootfahren will eben gelernt sein.

Ein bisschen Glück

Nach insgesamt drei Läufen sind die Damen sichtlich erschöpft, die Herzen pumpen und die Blicke sprechen Bände. Dennoch kann ich Zufriedenheit und ein bisschen Glück auf allen Gesichtern lesen. Für die Meisterschaft scheinen sie gut in Form zu sein. Der Teamgeist ist greifbar. Auf den letzten 250 Metern darf auch ich mal an den Riemen und mit der Mannschaft nach Hause rudern, die Sonne im Gesicht.

Der Kutter wiegt gut eine Tonne. Quelle: Rebecca Kral

In diesem Jahr werden 20 Boote zum Wettkampf erwartet. Von Grimma bis Greifswald und aus der ganzen Republik reisen die Teilnehmer an. Wer teilnimmt, muss natürlich auch mal den Austragungsort beisteuern. „Es ist aber auch eine Ehre für die Sportler, zuhause vor der Familie, den Freunden und Kollegen den Sport auszuüben”, sagt Jens Zuther. Nicht immer kann die Familie zu den Wettkämpfen mitreisen.

Buntes Programm

Für die Teilnehmer und Besucher wird es nach den Durchläufen am Alten Hafen ein Zelt und eine Bühne mit buntem Programm für die ganze Familie geben. Die Siegerehrungen finden gleich im Anschluss an jeden einzelnen Lauf statt.

Auf zum Alten Hafen

Während der Wettkämpfe berichtet eine durchgehende Moderation über den Stand der Dinge. Aufgrund der logistischen Engpässe auf dem Wasser starten die Boote nacheinander mit einer Minute Abstand. „Für einen spannenden Zieleinlauf ist leider kein Platz“, so Zuther. Einen Besuch wert ist das Spektakel alle Mal. Wenn es also im September durch die Stadt brüllt „zieht”, “zieht”, “zieht” – dann wagen Sie ruhig einen Blick zum Alten Hafen und feuern sie unsere Rathenower Kutter-Sportler an.

Von Rebecca Kral