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Sportmix Ex-Weltklasseläuferin Ulrike Bruns schließt ihren Sportshop
Sportbuzzer Sportmix Ex-Weltklasseläuferin Ulrike Bruns schließt ihren Sportshop
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17:43 19.07.2019
Jahrzehntelang eine fest Anlaufstelle: Ulrike Bruns in ihrem Sportshop in der Lindenstraße. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Ulrike Bruns hat die Ziellinie auf ihrem Berufsweg erreicht. Zum Monatsende wird der nach ihr benannte Laden „Ulrikes Sportshop“ in der Potsdamer City besenrein übergeben. „Diesen Ausstieg habe ich schon langfristig geplant“, sagt die ehemalige Weltklasseläuferin. „Die Verträge zum Beispiel mit den Lieferanten mussten ja schon ein Jahr vorher gekündigt werden“, sagt die 65-Jährige ohne Groll in der Stimme.

Als ihr Ehemann Jürgen, mit dem sie 42 Jahre lang verheiratet war, im Januar 2018 mit 75 Jahren plötzlich verstorben war, habe sie schwer mit diesem Schicksalsschlag zu kämpfen gehabt. „Ich habe mit Jürgen zusammen den Laden im August 1990 eröffnet. Nach der Wende haben wir einen Neuanfang und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt“, erinnert sie an den Beginn – damals noch in der Gutenbergstraße.

Erste Kontakte aus der Aktivenzeit

„Wir sind in jener Zeit mit Lauffreunden wie Olaf Beyer durch die Stadt gegangen und haben überlegt, wo so etwas sinnvoll wäre. In der Gutenbergstraße waren die Häuser damals verfallen. Einerseits bestimmten die Hausbesetzerszene und Polizeieinsätze den Alltag, andererseits drehten die Amis hier ihre Filme über den Zweiten Weltkrieg. Wir hatten am Anfang noch Ofenheizung und vor der Tür lief das Abwasser durch die Gosse.“ Aber als ehemalige Leistungssportlerin konnte sie das nicht abschrecken. „Ich habe gelernt, zu kämpfen. Als wir damals einen Kredit aufgenommen hatten, tat ich das zwar schweren Herzens. Aber uns blieb keine andere Wahl“, sagt Ulrike Bruns, die über ein Jahrzehnt lang zur Weltspitze gehörte, unter anderem 1976 Olympia-Bronze über 1500 Meter und 1987 WM-Bronze über 3000 Meter gewann.

Geholfen hätten ihr beim Start auch die Kontakte, die sie schon zu DDR-Zeiten hatte. Denn die Top-Leichtathleten trugen zwar Hammer, ­Sichel und Ährenkranz auf dem blauen Trikot, aber dieses zierte auch drei Streifen. Die Firma Adidas aus Herzogenaurach hatte im damaligen Westberlin ein großes Lager. „Jürgen hat dort die Verträge klar gemacht und weil die Leute so wild nach Westwaren waren, haben wir in den ersten Wochen die Sportklamotten aus der Kiste raus verkauft“, erinnert sich die Geschäftsfrau.

Diebe klauen kistenweise Sportsachen

Das hatten allerdings auch dreiste Diebe mitbekommen, die – kaum war die neue Lieferung eingegangen – kistenweise Diebesgut aus dem Shop entwendeten. „Mein Mann hat damals nächtelang im Auto vor dem Laden auf der Lauer gelegen. Denn wir hatten plötzlich keine Versicherung mehr“, berichtet sie über schwere Zeiten. Erst Jahre später wurden in einem Waldstück bei Ludwigsfelde eingegraben in einer Plane Teile des Diebesguts mit anderen geklauten Elektronikgeräten gefunden.

Im Laufe der Jahre wurde der Laden in der Lindenstraße zur ersten Adresse in Sachen Laufausrüstung. Das Ehepaar Bruns beriet mit Kompetenz. „Wir haben die Kunden vor dem Laden auf die Laufstrecke geschickt. Bei uns konnte man auch ein Paar neue Laufschuhe erstmal auf Probe tragen“, erzählt Ulrike Bruns, die beeindruckt ist von der Professionalisierung des Lauf-Equipments für Jedermann und -frau. „Vor allem für die Frauen hat sich in den letzten Jahren viel getan in Sachen Laufbekleidung. Das ist uns zugute gekommen. Überhaupt waren es unsere treuen Kunden, die uns über die Jahre getragen haben.“ Sie spricht von über 1000 Stammkunden, die regelmäßig in ihrem Sportshop einkauften. Online-Handel gab es bei ihr nicht, sie setzte mit ihrem Mann immer auf die persönliche Beratung. „Laufkleidung und noch mehr die Schuhe müssen einfach passen, das lässt sich kaum über das Internet regeln.“ Geholfen beim Bestehen im Geschäftsleben habe auch die wachsende Zahl von Läufern, jung und alt ohne Altersgrenze. „Die Laufszene hat sich sehr positiv entwickelt. Das hat uns immer wieder neue Kunden gebracht und Mut gemacht.“

Frauengruppe beim PLC läuft weiter

Nun hat die ehemalige Rekordläuferin – sie war 1976 die erste Deutsche unter vier Minuten über 1500 Meter und unter neun Minuten über 3000 Meter – also die Ziellinie in diesem beruflichen Marathonlauf über 29 Jahre erreicht. „Meine Ausdauer, die ich schon als Leistungssportlerin hatte, half mir das durchzustehen, auch so manchen Rückschlag wegzustecken. Es hat aber auch Spaß gemacht und unterm Strich muss ich sagen: Wir haben alles richtig gemacht. Im Nachhinein bleibt sowieso meist nur das Positive im Gedächtnis. Das ist auch gut so.“

Nun will Ulrike Bruns nach vorn schauen. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, bemüht sie einen Udo-Jürgens-Evergreen. „Ich starte jetzt in meinen nächsten Lebensabschnitt, will meine Zeit selbst bestimmen“, sagt die Oma, die sich mehr Freiraum für die Enkelkinder nehmen möchte. Eines werde aber bleiben, ihre Frauengruppe beim Potsdamer Laufclub, die sie vor 27 Jahren neben dem Geschäft aus der Taufe hob, wird sie weiter ehrenamtlich betreuen. „Bis 18.30 Uhr habe ich im Laden gestanden, dann ging es raus in den Luftschiffhafen, wo immer dienstags um 19 Uhr das Training begann.“ 15 bis 20 Frauen – einige sind seit Jahrzehnten dabei und haben auch jetzt beim Ausräumen des Geschäfts geholfen – halten da zur Stange und schätzen die Lauftipps von Ulrike Bruns weiterhin. Diese Gemeinschaft möchte sie nicht missen und sei dankbar dafür.

Von Peter Stein

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