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Turbine Potsdam Ein Sonnenschein aus Bayern
Sportbuzzer Turbine Potsdam Ein Sonnenschein aus Bayern
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16:23 22.08.2013
Turbine-Neuzugang Julia Simic. Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Julia Simic hat sich auf die Unterarme gestützt und absolviert konzentriert ihre Übung. Es ist die letzte Aufgabe auf dem Zettel. Der Blick geht starr an die Wand. Der 24 Jahre alte Neuzugang des Frauen-Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam muss auf die Zähne beißen. Ehrgeizig hebt Simic ihren Körper auf und ab. Der Sonnenschein aus Bayern zieht die 30 Sekunden durch. Ohne Pause, ohne Tempoverlust. Dann hat die Ex-Münchnerin die erste von drei Einheiten an diesem Donnerstag geschafft. „Das Training bei Turbine war eine Riesenumstellung. Wenn man bislang ein bis zwei Einheiten am Tag hatte und nun dreimal täglich ran muss, ist das schon ein gewaltiger Unterschied“, sagt Simic. Mittlerweile habe sie sich aber an den Umfang gewöhnt. „Zwei Wochen hat es gedauert. Am Abend komme ich heim und bin total kaputt. Morgens schaue ich, was alles wehtut. Da muss man, wie Herr Schröder immer sagt, willens- und leidensfähig sein.“

Doch das Energiebündel lässt sich von den Wehwehchen nicht beirren. Der Wechsel nach Potsdam war der erste große Schritt weg aus der Heimat. „Ich möchte was Neues ausprobieren. Gerade nach meiner langen Reha-Zeit. Ich will jetzt mit Turbine ganz oben angreifen“, nennt die Blondine die Gründe für ihren Wechsel nach Brandenburg. Zuletzt war die Spielerin mit dem zauberhaften Lächeln vom Verletzungspech geplagt. Innerhalb von sieben Monaten riss sie sich zweimal das Kreuzband im linken Knie. „2011 im September habe ich mich bei der A-Nationalmannschaft verletzt“, erinnert sich die Offensiv-Akteurin. „Im April 2012 habe ich dann wieder ein Spiel für den FC Bayern gemacht und mich kurz darauf im Training erneut schwer verletzt.“ Ein kurzweiliges Comeback. „Seitdem bin ich in der Reha gewesen.“

Dabei verlief die Karriere von Simic bis dahin wie im Bilderbuch. Die gebürtige Nürnbergerin begann mit sechs Jahren im Verein. Der ältere Bruder Christopher (26) habe ihr damals den Einstieg erleichtert. „Erst in Fürth, später in Nürnberger Teams.“ Gemeinsam mit Jungs jagte Simic nach Toren. Mit 16 Jahren der Wechsel zum FC Bayern. Unterstützung gab es von Mutter Melita und Vater Günther. „Das Wochenende haben wir alle auf dem Fußballplatz verbracht. Meine Mama ist mit dem Bruder mitgefahren, mein Papa mit mir. Und am nächsten Wochenende andersherum. Sonnabend und Sonntag haben den Kindern und dem Fußball gehört.“ Der Aufwand hat sich gelohnt. Mit dem FC Bayern wurde Julia Simic 2009 Vize-Meister – mit einem Tor weniger als Turbine. 2012 holte die leidenschaftliche Bergsteigerin mit den Münchnerinnen den DFB-Pokal.

Doch nun der Wechsel zum Champions-League-Sieger 2010. Turbine-Coach Bernd Schröder habe zur richtigen Zeit die Nummer gewählt. „Zum ersten Mal habe ich mir Gedanken über einen Wechsel gemacht. Und dann ging es relativ schnell.“ Der Umzugswagen war schon in Potsdam. Simic, die in der Nähe vom Schloss Sanssouci lebt und dort oft mit ihrem Beagle „Coco“ spazieren geht, hat sich schon ein wenig eingelebt. „Die Stadt ist wunderschön, ich bin überrascht“, sagt Simic, die beim deutschen Vize-Meister einen Vertrag bis 2015 erhalten hat. Auch die Vorfreude auf den ersten Spieltag ist groß. „Erst einmal möchte ich gesund bleiben. Ich will wieder Spiele machen. In den letzten anderthalb Jahren stand ich 17 Minuten auf dem Platz“, fügt die neue Spielmacherin an. „Dann möchte ich eine Rolle in der Mannschaft spielen und oft von Anfang an dabei sein. Mein Ziel ist es, mit Turbine oben anzugreifen. In der Champions League, der Meisterschaft und dem Pokal“, so die neue Nummer 10. „Natürlich ist die Nummer zehn was besonderes. Ich spüre aber keinen Druck“, so der Fan vom 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth, der gern Mesut Özil und Mario Götze zuschaut.

Derzeit schreibt die U-19-Europameisterin von 2007 ihre Bachelorarbeit mit dem Thema „Talentförderung im bayrischen Fußballverband bei den Juniorinnen“. Ihr Studium der Sportwissenschaften steht kurz vor dem Abschluss. „Dann möchte ich mich voll auf Fußball konzentrieren“, sagt der Neuzugang, der sich vor der Weltmeisterschaft der Frauen 2011 im Playboy-Magazin ablichten ließ. „Die Anfrage kam schon ein Jahr vorher. Da hatte ich noch dankend abgelehnt“, erzählt der Gute-Laune-Typ, der gern zum Asiaten und zum Italiener essen geht. „Als ich aber immer mehr den Hintergrund erfahren habe, fand ich die Geschichte gut.“ Die Bilder sollten den Frauenfußball von der schönen Seite zeigen. Die Spielerinnen seien ganz normale Mädels, die Fußball spielen wollen. „Die Aktion war relativ polarisierend. Wir haben große Aufmerksamkeit erhalten und viele Leute abgeholt, die mit dem Frauenfußball nichts zu tun hatten. Das war keine Aktion, die ich bereue.“

Von Sebastian Morgner

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