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Turbine Potsdam Turbine trotzt dem Asien-Meister
Sportbuzzer Turbine Potsdam Turbine trotzt dem Asien-Meister
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22:20 26.08.2013
Choe Un Ju (l., Nordorea) und Lisa Evans (r., Potsdam). Quelle: Jan Kuppert
Deetz

Auf dem Fußballplatz von Deetz feiern sie Kim. Eine Schülerin trägt die nordkoreanische Flagge auf den Rasenplatz zwischen Obstplantagen und Kiesgrube. Im schmucken „Parkstadion“ des FC Deetz im Havelland erklingt die Hymne des stalinistischen Staates, Botschafter Si Hong Ri, mit Parteiabzeichen am Revers, und seine 20-köpfige Entourage erheben sich von den Sitzschalen. Sie sind mit einer Flotte von schwarzen Mercedes-Diplomatenlimousinen über die Holperstraße ins Dorf gekommen.

Dann stimmt das ganze Stadion „Happy Birthday“ an. 1000 Leute singen an einem sonnigen Au gustabend für Kim. Doch gemeint ist nicht Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, sondern die Fußballspielerin Kim Un Hyang. Sie feierte gestern ihren 20. Geburtstag und spielte mit ihrer Frauen-Nationalmannschaft gegen die Bundesliga-Stars von Turbine Potsdam.

Deetz, 26.08.2013 - Seltener Besuch in Brandenburg: Frauenfußball-Vizemeister Turbine Potsdam konnte in einem Testspiel am Montagabend in Deetz (Potsdam-Mittelmark) dem Asien-Cup-Sieger Nordkorea ein 2:2 (1:1)-Unentschieden abtrotzen.

Kim ist eine von 15 jungen Frauen zwischen 18 und 25, die Pjöngjangs Diktator als Botschafterinnen seines hermetisch abgeschlossenen Staates durch die Welt schickt. Kürzlich haben sie die Ostasien-Meisterschaft gewonnen und dabei in Seoul den verhassten Süden besiegt. Sie fahren mit einem riesigen schwarzen Mercedes-Bus durch Deutschland und sehen mit ihrem schwarzen Kurzhaar so aus, als hätten sie alle denselben Friseur. Sechs von ihnen heißen Kim, was die Sache auch nicht einfacher macht. Lächelnd verschwinden sie in der Deetzer Klubheim-Baracke.

Nordkoreas Fußball-Frauen sind auf zweiwöchiger Deutschland-Tournee, gesponsert „von einer deutschen Firma, die mit Nordkorea zusammenarbeitet“. Konkreter will Organisator Thomas Huber nicht werden. Die Tour im Namen der Völkerverständigung führte Kims Kickerinnen gestern ins Brandenburgische – schuld daran ist Bernd Schröder. Der ist bekanntlich seit 1971 Turbine-Trainer und kennt sich also bestens mit politisch aufgeladenen Ost-West-Duellen aus. „Auf dem Dorf ist der Rahmen wesentlich unkomplizierter, da passen nicht so viele auf“, sagt der Trainerfuchs. Ansonsten gelte für solche Aufeinandertreffen: immer vorbereitet sein, Grenzen respektieren, die Regeln der Fußball-Diplomatie einhalten.

Turbine Potsdam mit 2:2 gegen Nordkorea

Die Fußballerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam haben sich gestern Abend in einem Vorbereitungsspiel in Deetz von der Nationalmannschaft Nordkorea 2:2 (1:1) getrennt.

Nach elf Minuten die Turbine-Führung: Die norwegische Nationalspielerin Maren Mjelde bediente vor 980 Zuschauern Jennifer Cramer, die trocken an Torfrau Hong Myong Hui das Leder zum 1:0 vorbeischob.
Turbine-Neuzugang Julia Simic war in der ersten Halbzeit um einen geordneten Spielaufbau bemüht.

Der 1:1-Ausgleich fiel in der 22. Minute. Turbine-Torfrau Ann-Katrin Berger ließ den Schuss von Choe Mi Gyong nur prallen, Kapitän Ra Un Sim schob ohne Probleme zum Ausgleich ein.
Potsdam kam wie die Feuerwehr aus der Kabine. Genoveva Anonma hatte drei Chancen, bevor Antonia Göransson die Latte traf (52.).

Umso überraschender die Führung für Nordkorea. Ra Un Sim lief nach einem langen Ball auf und davon und lupfte den Ball nach 59 Minuten über Anna Sarholz ins Potsdamer Tor zum 2:1.

Die schwedische Nationalspielerin Antonia Göransson sorgte mit einem Gewaltschuss aus 20 Metern für den erneuten Ausgleich (82.).
Turbine Potsdam spielte mit: Berger (46. Sarholz) – Singer, Draws, Kemme (78. Wesely) – Wälti, Mjelde (67. Elsig), Zietz, CramerSimic (46. Göransson) – Anonma, Evans (46. Nagasato).

„Glücklicherweise“, sagen die Verantwortlichen, seien die Südkoreaner nicht gekommen. In Seouls Berliner Botschaft hatte man lange einen Ausflug erwogen. Das hätte der Szenerie weitere Würze verliehen. So kocht die Stimmung nur bei Pjöngjangs Diplomatenkindern hoch. Die Jungs in Basecaps und Polohemden bequietschen jede gelungene Aktion der kickenden Kims – ihre Eltern ebenfalls. Während die Brandenburger das ausgeglichene Spiel mit ausgeglichenen Mienen verfolgen, sind die Botschaft-Fans ganz undiplomatisch laut.

„Vielleicht dachten die, wir sind noch DDR“, hatte Bernd Schröder vor zweieinhalb Jahren gescherzt, als die ersten Nordkoreanerinnen nach Potsdam kamen. Zwei U-17-Weltmeisterinnen, darunter das Geburtstagskind Kim, spielten eine Woche bei Turbine vor. Währenddessen standen sie ständig unter Kontrolle ihrer Aufpasser. Nach einer Woche waren sie wieder weg. Auch bei der WM 2011 in Deutschland fielen Kims Kickerinnen dadurch auf, dass sie abgeschottet wurden, und dass das Team wegen Dopingvergehen für die WM 2015 gesperrt ist.

Heute sei Doping kein Thema mehr, sagt Organisator Huber. Abgeschottet würden die Spielerinnen auch nicht. In Potsdam sind sie am Luisenplatz direkt in der Innenstadt untergebracht, im Tiroler Trainingslager der Frauen vom VfL Wolfsburg waren sie auf Rafting-Tour. Heute gehen sie auf Stadtrundfahrt durch Berlin, vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen am Freitag ist ein Besuch im Freizeitpark Phantasialand geplant. Diese ganze Offenheit sei für die Frauen zwar noch ungewohnt, aber es entwickelt sich. „Ich habe selten eine so lustige Truppe erlebt“, erzählt Huber.

„Vielleicht fliegen wir da auch mal hin“, denkt Schröder über eine Potsdam-Pjöngjang-Verbindung nach. „Aber wir werden uns da nicht draufstürzen“, wiegelt der Fußball-Botschafter sogleich wieder ab. Nach dem Spiel setzten sich die Kickerinnen zusammen, kleine Feier auf dem Dorfe. Schließlich ist Kims Geburtstag.

Von Jan Sternberg

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