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Ausbildung & Beruf Porträt einer Beraterin
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21:09 18.04.2016
Irina Nekrasow kümmert sich um 12-bis 17-jährige Zuwanderer und sitzt im Bürgerzentrum. Quelle: ENRICO KUGLER
Oranienburg

Rückläufig ist die Zahl der Flüchtlinge in Oberhavel, „doch bei mir ist die Welle jetzt erst angekommen“, sagt Irina Nekrasow. Die 29-jährige Sozialpädagogin berät zwölf- bis 17-jährige Geflüchtete, deren Asylverfahren abgeschlossen ist. Diese haben eine Bleibeperspektive oder einen Aufenthaltsstatus. Irina Nekrasow unterstützt sie bei ihrer sprachlichen, schulischen und beruflichen Integration. Sie ist beim Jugendmigrationsdienst angestellt, dessen Träger die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist. Am Hauptstandort des Dienstes im Bürgerzentrum in Oranienburg bietet sie ebenso Sprechstunden an wie in Hennigsdorf bei der gemeinnützigen Pur GmbH. Beide Standorte sind bewusst gewählt, denn hier sind weitere Organisationen ansässig, die Hilfeleistungen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Problemlagen anbieten. So muss niemand weggeschickt werden.

Vernetzung ist ohnehin das Wichtigste in dieser Arbeit. Denn Irina Nekrasow kann sich nicht um alle Belange kümmern. Zum Beispiel kommt sie nicht dazu, für die jungen Ausländer auf Wohnungssuche zu gehen. Sie erklärt ihnen, auf welchen Internetportalen sie suchen müssen. Doch bei Wohnungsgesellschaften oder privaten Vermietern anzurufen, das überlässt sie den vielen ehrenamtlichen Helfern der Oranienburger Willkommensinitiative. Denn wer kaum deutsch sprechen kann und bei Vermietern anruft, habe überhaupt keine Chance, eine Wohnung zu kriegen.

Viel Zeit braucht Irina Nekrasow derzeit, um mit den Jugendlichen Lebensläufe zu erstellen. „Diese jungen Leute haben so viel erlebt, es fällt ihnen schwer, Zeiträume zu datieren für Schulbesuch oder Berufsausbildung.“ Manchmal müsse sie auch erst zeigen, wie man einen Briefumschlag beschriftet.

Momentan berät Irina Nekrasow 87 junge Geflüchtete, davon sind 39 im Case Management. Das bedeutet, sie werden längere Zeit begleitet und gemeinsam mit ihnen Ziele vereinbart. Zum Beispiel vom Deutschkurs bis zum Ausbildungsbeginn. Solch eine intensive Begleitung kann mehrere Jahre dauern.

Meist hat sie mit jungen Männern zu tun, doch dass sie als weibliche Beraterin abgelehnt werde, das hat sie noch nicht erlebt. „Die Arbeit macht mir Spaß, es wird auch viel gewitzelt.“ Und geflirtet. Sie wird ganz direkt gefragt, ob sie schon verheiratet sei. Sie erklärt, dass sie vergeben ist. „Das wird dann auch akzeptiert.“

Irina Nekrasow wollte gerne mit Ausländern arbeiten, weil sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen kann. Die gebürtige Russin kam als 14-Jährige aus Tscheljabinsk im Ural mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Vorteil: Sie konnte schon deutsch lesen und schreiben. In der 8. Klasse besuchte sie einen Deutsch-Förderkurs. „Diese zusätzliche Förderung half mir sehr“, berichtet Nekrasow. Nach der Realschule machte sie das Abitur am Oberstufenzentrum in Oranienburg und studierte Sozialpädagogik/Sozialarbeit.

Viele junge Flüchtlinge kommen mit Abitur und hervorragenden Englischkenntnissen nach Deutschland. Sie haben klare Vorstellungen und wollen studieren. „Doch es hilft nichts, sie müssen Deutsch lernen und die Sprachkundigenprüfung C1 bestehen, um zum Beispiel Medizin studieren zu konnen“, erklärt die Beraterin. Sie kennt fünf junge Frauen und Männer, die das geschafft haben und bereits studieren.

Doch der Jugendmigrationsdienst kümmert sich auch um Zwölf- bis 27-Jährige, die hier nur geduldet sind oder deren Asylverfahren noch läuft, „jmd2start“ heißt das Projekt für diesen Personenkreis. Die Beratung erfolgt in Hennigsdorf. „Duldung heißt nicht, nichts zu machen. Die Jugendlichen sollen die Wartezeit nutzen, die Sprache lernen und die Schule besuchen.“ Mangelware sind derzeit Plätze an Oberschulen. Dass der Landkreis deshalb zusätzliche Klassen eingerichtet hat, in denen schulpflichtige Asylbewerber Deutsch lernen können, findet Nekrasow gut.

Von Marion Bergsdorf

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