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Auto & Mobiles Kleinmachnow hofft auf Stammbahn-Belebung
Thema Specials Auto & Mobiles Kleinmachnow hofft auf Stammbahn-Belebung
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08:46 24.11.2015
In Kleinmachnow hoffen viele Anwohner auf einen S-Bahn-Anschluss. Quelle: dpa
Potsdam

Aufatmen in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark)? Das täte Not, findet Gemeindesprecherin Martina Bellack. Immer mehr Autos wälzen sich im tagtäglichen Berufsverkehr durch die Straßen der prosperierenden Speckgürtelkommune zwischen Berlin und Potsdam. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Einwohnerzahl auf 21.000 nahezu verdoppelt. Die vielen Pendlerautos lassen sich unter Wachstumsschmerzen verbuchen – der Gemeinde geht es darum, die Ströme auch auf andere Verkehrsmittel zu lenken, eben auf die Bahn oder das Fahrrad. Bellacks vorweihnachtliche Botschaft: „Eine bessere Anbindung des Ortes steht auf der Wunschliste ganz oben.“

Die Stammbahn ist seit Jahrzehnten stillgelegt – jetzt wird über eine Wiederbelebung diskutiert Quelle: Scheerbarth

Region wächst seit mehreren Jahren dynamisch

Auch wenn es mit der Erfüllung etwas dauern kann, ist der Wunsch doch gar nicht so abwegig. Denn das Projekt Stammbahn-Wiederbelebung hat Fahrt aufgenommen: Berlin will prüfen, ob sich der Zugverkehr auf der ältesten Strecke Preußens (Jungfernfahrt anno 1838) rechnet, wie die Senatsverkehrsverwaltung der MAZ bestätigte. 2008 hatte eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) noch ergeben, dass pro investiertem Euro lediglich 70 Cent an Einnahmen zu erwarten seien. Aber seither haben sich die Vorzeichen geändert: Die Region wächst dynamisch, jüngst bescheinigte eine Studie Berlin ein Wachstum von derzeit 3,5 auf vier Millionen Einwohner bis 2030. Auch in Potsdam und den Vorortgemeinden wird der Platz immer knapper.

„Eine wachsende Region braucht auch ein wachsendes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Frank Böhnke, Landeschef des Bahnkundenverbands Berlin-Brandenburg. „Die Stammbahn könnte den Verkehr auf der überlasteten Berliner Stadtbahn stabilisieren und auch Autofahrer zum Umsteigen bewegen.“ An der Wirtschaftlichkeit hat Böhnke keine Zweifel. Er beruft sich auf eine Studie der Deutsche-Bahn-Tochter DB International aus dem Jahr 2009, wonach die Wiederbelebung 35 Millionen Euro kosten würde.

CDU will Fahrrad-Highway, Grüne plädieren für S-Bahn

In Kleinmachnow und auch in Berlin ist die gute alte Stammbahn seit Wochen in vieler Munde – als Protagonistin mitunter konkurrierender Konzepte. So plädiert die CDU Steglitz-Zehlendorf dafür, die seit Jahrzehnten stillgelegte Trasse in einen „Fahrrad-Highway“ umzuwandeln, um sich dafür prompt von den Bahn-Befürwortern den Vorwurf einzuhandeln, damit jede Chance auf eine Wiederinbetriebnahme des Zugverkehrs zu verbauen.

Erst am Montag bekräftigt Anita Tack, verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag: „Wir wollen, dass die Stammbahntrasse in ihrer gesamten Länge für eine Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs verfügbar bleibt.“ Doch wenn es nach der Kleinmachnower Grünen-Chefin Irina Bothmann geht, müssten sich Bahn- und Radtrasse keineswegs ausschließen. Die Bahnanbindung habe Priorität, sagt Bothmann. Es müsse geprüft werden, inwieweit der Radschnellweg auf parallelen Straßen oder auf dem Bahngelände neben der Trasse geführt werden kann.

Verkehrsministerium zeigt sich offen gegenüber S-Bahn-Anschluss

In Brandenburgs Verkehrsministerium wird derzeit viel gerechnet. Im ersten Halbjahr 2016 sollen Daten vorliegen, auf deren Grundlage der neue Landesnahverkehrsplan entsteht. „Wir prüfen, welche Angebote verbessert oder zurückgefahren werden müssen“, sagt Ministeriumssprecher Steffen Streu. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Jörg Vogelsänger hatte sich Ressortchefin Kathrin Schneider (beide SPD) in den vergangene Monaten offen für neue Verbindungen gezeigt. Auch der SPD-Landesvorstand hatte ein Konzept beschlossen, um den Anschluss von Berlin und Brandenburg zu verbessern.

Doch auch in Kleinmachnow gibt es kritische Stimmen, wie die des MAZ-Lesers Jürgen Lemke. „Nicht jeder kann vor seiner Haustür einen Bahnsteig haben", schrieb er an Verkehrsministerin Schneider. „Wir möchten nicht, dass weitere Dörfer in Zukunft keinen ÖPNV mehr angeboten bekommen und damit ,entvölkert’ werden.“

Von Bastian Pauly

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