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Gastrotest: Nachschlag Gesichtsgymnastik bei Gartensalat
Thema Specials Essen & Trinken Gastrotest: Nachschlag Gesichtsgymnastik bei Gartensalat
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Rast im Grünen: der Bürgershof. Quelle: Köster
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Potsdam/Babelsberg

Wo kann man einen Sommerabend mit Freunden entspannt ausklingen lassen? Einer der romantischsten Plätze in der Wasserstadt Potsdam war das Ristorante Villa Kellermann am Heiligen See. Leider ist die Lokalität seit Jahren geschlossen, die einstige Eleganz des Hauses nur noch zu ahnen. Wir entscheiden uns für die rustikale Alternative: den Bürgershof an der Glienicker Lake.

Der Biergarten ist am ersten Augustabend gut gefüllt. Auf bequemen weißen Plastiksesseln direkt am Wasser lassen sich bestens Boote beobachten. Kinder haben Auslauf auf dem Spielplatz, es gibt eine „Hundeschänke“. Vielleicht die Hälfte der 600 Sommergartenplätze ist besetzt. Trotzdem muss man sich anstellen, denn hier bedient sich der Gast selbst. Die erste Schlange hat sich für Getränke gebildet. Ein Bier kostet 3,20 Euro (0,4 Liter). Beim Warten kommt man ins Gespräch. Schade, dass man kein Picknick mitbringen darf wie in Münchner Biergärten, meint ein Familienvater. Ansonsten sei die Atmosphäre hier super und vor allem der Obazda zu empfehlen. Der wer? Hört sich nach bayerischer Brotzeit an. „Genau, aus Käse und Roggenbrot“, sagt der Kenner.

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Wir sind an der Reihe und entscheiden uns für Rhabarberschorle (0,4 für 3,30 Euro) und den hausgemachten Eistee (0,3 für 2,40 Euro). Beides wird prompt über den Tresen hinterm Fenster gereicht, rauf aufs Tablett und weiter zur Essenausgabe nebenan. Zuerst recherchieren wir die Zutaten der Tagessuppe: Kartoffeln. Man will ja nicht die Katze im Sack kaufen. Das Fazit des Mitarbeiters, gefragt nach dem täglichem Suppenwechsel: „Nicht wirklich.“ Kartoffelsuppe ist okay, wir sind schließlich in Preußen und im Friedrich-Jahr. Ein Schöpfer aus dem großen Topf in die Terrine, Petersilie drüber (3,70 Euro), fertig. Außerdem ordern wir gartenfrischen Blattsalat mit Hähnchenbruststreifen (7,50 Euro) und Bauernsülze mit Bratkartoffeln (7,90 Euro), pyramidale Scheiben schick dekoriert mit Zwiebelringen und einem extra Schälchen Remoulade. Sieht so aus, als durften die Bratkartoffeln noch ein kurzes Warmbad nehmen. Letztlich dauert es aber kaum fünf Minuten, ehe alles auf den Tellern drapiert ist. Nun kommt die vorletzte Station: Wir schieben mit den Tabletts zur Kasse. „EC-Karte? Nehm’ wa nich!“, sagt die junge Dame freundlich. Nur Bares ist Wahres, zumal im Biergarten. Hätten wir uns auch denken können. Darauf sollte der Pächter auf der Webseite hinweisen, finden wir. Am vierten und letzten Stand heißt es, Besteck fassen, das bis zur Kuchengabel idiotensicher beschriftet ist.

Wir finden noch ein abendsonniges Plätzchen an einer Biergartengarnitur, nehmen dafür die Krümel unserer Vorgänger in Kauf und einen kräftigen Schluck von den Getränken. Die Rhabarberschorle ist köstlich! Dito der Eistee, scheint tatsächlich wie versprochen hausgemacht zu sein, denn er ist nicht so klebrig süß wie der aus der Konserve. Die Suppe ist warm, schmeckt auch irgendwie nach Kartoffeln und Majoran, aber fad. Die großen Stücke von der Knolle darin sind nicht jedermanns Sache. Die Sülze ist mager. Die Bratkartoffeln verdienen den Namen nicht: lau und labbrig, statt heiß und knusprig. Der Gartensalat ist genießbar, das Hähnchenfleisch zart und warm. Allerdings kommen Rucola und Co. in ganzer Blattlänge daher, da braucht es schon ein bisschen Gesichtsgymnastik, um des Gemüses Herr zu werden. Dressing gibt’s gleich zweierlei, ein säuerliches zum Salat, ein liebliches zum Hahn.

Als wir uns gegen 21 Uhr noch eine Kirschwaffel als Dessert genehmigen wollen, ist das Eisen schon kalt – nach Sonnenuntergang ist Küchenschluss. (Von Carola Hein)

INFO: Bürgershof, Biergarten und Restaurant, Waldmüllerstraße 4-5, 14482 Potsdam, Klein-Glienicke, (03 31) 2 37 88 89, geöffnet täglich ab 11, Sa/So ab 12 Uhr.

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