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Gastrotest: Nachschlag Unfassbar satt
Thema Specials Essen & Trinken Gastrotest: Nachschlag Unfassbar satt
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Restaurant „Brau- und Brennhaus” im Krongut Bornstedt. Quelle: MAZ/Köster
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Vor zehn Jahren wurde mit viel Pomp und Politprominenz das Krongut Bornstedt eröffnet, jenes sachte italienisch anmutende Dörfchen im Potsdamer Norden, wenige Fußminuten vom Park Sanssouci entfernt. Seither stromern jährlich Zigtausende übers historische Gelände, auf dem einst der spätere 99-Tage-Kaiser Friedrich III. (1831–1888) mit seiner englischen Gemahlin Victoria (1840–1901) lebte.

Sicher gibt es geheimere Tipps in Potsdam als das touristengeschwängerte Krongut, dennoch wählen wir das dortige RestaurantBrauhaus“ als Ziel unseres Mittagsmahls. Nachdem der Berliner Gastronom Josef Laggner das Ausflugsziel 2009 in sein Imperium übernommen hat, war ich im Krongut nicht mehr essen. Also wird’s Zeit.

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Angenehm leer ist es an diesem Tag (imposante 350 Plätze bietet das „Brauhaus“). Die Sanssouci-Besucher sind wohl noch beflissen auf Schlosstour. Und da es regnet und kühl ist (wie kann es in diesem Sommer anders sein?), liebäugeln meine Begleitung und ich nur kurz mit der Terrasse, sondern nehmen innen an einem der schweren Holztische Platz. Das Ambiente lässt sich am ehesten als bayerisch-österreichisch-rustikal beschreiben, Geweihschädel inklusive. Die Blicke wandern vom Wandschmuck in die schön übersichtliche Speisenkarte, auf der sich gleichfalls bayerisch-österreichische Einflüsse finden und die um ein saisonales Blatt ergänzt wurde. Schließlich ist ja Pfifferlings- und Matjeszeit! Damit ist die Pfifferlingscremesuppe mit Schnittlauch fast schon gesetzt, denn Pfifferlinge hatte ich in diesem Jahr noch nicht. Der schnell erscheinende Kellner nimmt erstmal die Getränkewünsche auf: Ein „Haferl Kaffee“ (2,90 Euro, ein Haferl ist übrigens eine große Tasse, kein Getreidekaffee) sowie einen halben Liter Cola (vier Euro).

Beide Getränke werden fix gebracht. Gut, dass wir uns schon für den Hauptgang entschieden haben: Meine Begleitung nimmt Allgäuer Käsespätzle mit Röstzwiebeln und gemischtem Salat (10,50 Euro). Matjes-Gerichte bündeln zunächst meine Aufmerksamkeit, doch ich entscheide mich für die Blutwurst-Kartoffelgröstel (10,50 Euro). Außerdem soll es die Pfifferlingssuppe (6,50 Euro) sein. Das Süppchen kommt bald auf den Tisch – der Kellner witzelt: „Sie hatten doch eine Tomatensuppe?!“ Haha. Dafür serviert er die Vorspeise hellseherisch mit zwei Löffeln – wir wollten tatsächlich teilen. Die Pfifferlingscremesuppe macht ihrem Namen Ehre: Die Konsistenz fein-cremig, frisch-würzig dank Schnittlauch und Mini-Speckstückchen. Und die Pilzlein schmecken! Sie kommen klein, zart, zahlreich daher – kein Vergleich zu den in Supermärkten oft angebotenen Pfifferlingsmutanten. Die Suppe – ein erster Genuss.

Nicht lange warten müssen wir auf unsere Hauptgerichte. Während die Käsespätzle und der mit Kräuterdressing angemachte Frisee-Salat nach schaffbaren Portionen aussehen (und auch schmecken, wie meine Begleitung versichert), bin ich über die Ausmaße meines Gerichts erstaunt. Ich mache mich über eine Mega-Portion her: In Scheiben wurden Blutwurst und Kartoffeln in der Pfanne angeröstet (deshalb Gröstl), und unter dem Berg versteckt sich das Sauerkraut, obenauf liegen Streiflein von Röstzwiebeln. Das Essen hat eine filigrane Note und ist gehaltvoll: Bis in die Abendstunden bin ich unfassbar satt, obwohl ich nur eine halbe Portion geschafft habe. Ein Nachtisch kommt nicht infrage. Nur noch ein kleines „Bornstedter Büffelbier“ (2,90 Euro) schafft es zum Abschluss in meinen Magen: Malzig und erfrischend ist die flüssige Hausspezialität. Der Ausflug ins Touristengebiet hat gelohnt. (Von Ricarda Nowak)

INFO: RestaurantBrauhaus“, Krongut Bornstedt, Ribbeckstr. 6/7, 14469 Potsdam, Tel.: (03 31) 55 06 50, täglich ab 11 Uhr geöffnet.

Leserpost aus der MAZ: "Brauhaus immer leer"
Die Lektüre Ihres Artikels über das Brauhaus im Krongut Bornstedt hat mich erstaunt. Ich kann Ihren Eindruck nicht bestätigen. Ich bin Neubürger und regelmäßig mit dem Rad unterwegs. Dabei habe ich 2011 das Brauhaus mehrmals aufgesucht, nicht zuletzt deshalb, weil ich Brauereiartikel sammele. Bei meinem ersten wie auch späteren Besuchen fand ich jeweils gähnende Leere vor. Der für den Straßenverkauf erhältliche Biersiffon war überteuert, die Bierqualität mehr als schlecht. Regelmäßig habe ich sodann das Krongut besucht und dabei festgestellt, dass die Lokalität kaum frequentiert war. Die Ausstattung wirkt dumpf, erdrückend, ein Bahnhofssaal strahlt mehr Charme aus. Da das Lokal stets leer war, ermutigte mich dies weder zum Verweilen noch zum Essen. Auch stelle ich fest, dass das Brauhaus im Krongut im Verzeichnis „Brandenburger Brauereiführer“ keine Erwähnung findet."  G. Wind, St. Wendel und Potsdam

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