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BER Flughafen BER-Pannen jetzt auch als Kartenspiel
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21:01 31.07.2014
Quelle: Julia Fuchs
Potsdam

Brandschutzanlage sticht Lichtpanne – und der Wowi-Joker verdoppelt die Baukosten: Fans und Gegner des Pannenflughafens in Schönefeld (Dahme-Spreewald) können sich die Wartezeit bis zur Eröffnung des BER nun mit einem Kartenspiel verkürzen: Die Berlinerin Julia Fuchs (22) hat die 40 kuriosesten und peinlichsten Pannen rund um den Skandal-Airport gesammelt und daraus ein Quartett gemacht. "Wenn man in Berlin lebt, ist der BER ständig präsent", sagt die Erfinderin. "Irgendwann war ich so genervt, dass ich mich gefragt habe, wie man mit dem Thema am besten umgeht." Die Antwort: mit Humor. "Nur mit Satire wird der BER erträglich."

Spielefan und nun auch Spielmacherin: Julia Fuchs. Quelle: Privat

Mit folgenden Kategorien kann man bei dem Spiel punkten: Pannen-Datum, Stümperhaftigkeit, Steuerkosten und Shitstorm-Faktor. Eine Karte spießt zum Beispiel das Schallschutzdesaster auf. Per Gericht setzten die Anwohner ihr Recht auf guten Schallschutz durch, der Flughafen muss dafür 730 Millionen Euro in die Hand nehmen. Mit dieser Karte würde man in Punkto Steuerkosten deutlich gegen den Lichtschalter-Fauxpas gewinnen. Hintergrund: Ex-Technikchef Horst Amann beklagte im Februar 2013 zur Überraschung der Öffentlichkeit, dass man am BER noch nicht einmal das Licht ausschalten könne.

Brandschutzanlage sticht Lichtpanne – und der Wowi-Joker verdoppelt die Baukosten: Fans und Gegner des Pannenflughafens BER können sich die Wartezeit bis zur Eröffnung nun mit einem Kartenspiel verkürzen. Die MAZ zeigt eine Auswahl des Pannen-Quartetts von Julia Fuchs.

Julia Fuchs, die gerade ihr Journalistik-Studium abgeschlossen hat, besitzt ein Faible für ausgefallene Kartenspiele. "Das klassische Autoquartett kennt ja jeder", sagt sie. Dort vergleichen die Spieler Pferdestärken oder Höchstgeschwindigkeit verschiedener Boliden. Der Verlag, der das BER-Pannen-Quartett herausbrachte, hat sich dagegen auf skurrile bis abseitige Varianten spezialisiert: Es gibt dort ein Dirndl-Quartett, ein Folter-Quartett, ein Tyrannen-Quartett und sogar ein recht naturalistisches Scheiße-Quartett, bei dem verschiedene Varianten des Stuhlgangs miteinander konkurrieren.

Zu viele Pannen: 40 statt 32 Karten

"Ich kannte ein paar dieser Spiele und dachte mir, das wäre die richtige Art, mit den BER-Pannen umzugehen", erklärt Julia Fuchs. Also recherchierte sie, legte ein Pannenarchiv an und stand bald vor einem Problem: die Auswahl. "Es ist einfach zu viel schief gelaufen am BER", sagt sie. Außerdem kamen ständig neue Peinlichkeiten aus Schönefeld ans Licht, so wie unlängst die Korruptionsaffäre um Brandschutzguru Jochen Großmann. "Deswegen konnte auch ich meine Termine nicht immer einhalten", sagt Julia Fuchs. Und am Ende wurden es 40 statt den klassischen 32 Karten.

Wowi-Joker verdoppelt Baukosten

  • 32 Karten hat ein klassisches Quartett normalerweise. Das Flughafen-Pannen-Quartett hat 40. Es gab einfach zu viele Pannen, auf die man mit dem Spiel eingehen musste.
  • Beim BER-Pannenquartett konkurrieren nicht Hubraum und Pferdestärken miteinander, sondern Pannen-Datum, Baukosten und Stümperhaftigkeit.
  • Die Karten sind in verschiedene Kategorien eingeteilt, etwa "Selbst-Ironie", "Düstere Szenarien" oder "Technische Mängel".
  • Der Wowi-Joker ist eine Extrakarte. Er verdoppelt die Baukosten der darunter liegenden Karte. Geschickt eingesetzt, kann man damit manchen Stich machen.

Nun ist das Spiel auf dem Markt, und über die Nachfrage kann sich die Erfinderin nicht beschweren. Eine erweiterte Neuauflage ihres Kartenspiels will Julia Fuchs nicht ausschließen. "Es dauert ja noch, bis der BER eröffnet", erklärt sie. "Bis dahin kann noch einiges passieren."

Von Torsten Gellner

Info: 7,99 Euro kostet das Kartenspiel. Es ist im Internet erhältlich unter der Adresse www.quartett.net oder via Amazon

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