Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
BER Flughafen Dialogforum lädt zu Schallschutztagen
Thema Specials F BER Flughafen Dialogforum lädt zu Schallschutztagen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:50 15.06.2016
Umlandbeauftragter Ralf Kunkel und Schallschutz-Chef Ralf Wagner sind Ansprechpartner bei den ersten Schallschutztagen am BER. Quelle: Uta Schmidt
Schönefeld

„Ihr Weg zum schallgeschützten Haus“ ist der Titel der ersten Schallschutztage am BER, die am Freitag im Gebäude des Dialogforums in Schönfeld beginnen. Der Umlandbeauftragte der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH, Ralf Kunkel, und Ralf Wagner, der Leiter der Schallschutz-Abteilung, informieren über die zweitägige Veranstaltung.

Herr Wagner, eigentlich sollten bereits seit fünf Jahren Flugzeuge am BER starten und die Anwohner über den nötigen Schallschutz ihrer Häuser verfügen. Warum veranstalten Sie jetzt erstmals spezielle Schallschutztage für die Öffentlichkeit?

Ralf Wagner: Weil wir der Meinung sind, dass die Umsetzung des durch den Planfeststellungsbeschluss auferlegten Schallschutzes deutlich an Fahrt zulegen muss, sollen die Haushalte im Flughafenumfeld optimal vor Fluglärm geschützt werden. Die Flughafengesellschaft hat dabei ihre Hausaufgaben nahezu vollständig erledigt. 85 Prozent der bisher rund 20000 gestellten Anträge der Hauseigentümer wurden von uns abgearbeitet, im Nachtschutzgebiet sind es 96 Prozent. Und an rund 17000 Haushalte wurden die Anspruchsermittlungen verschickt. Trotzdem haben bisher nur knapp 2500 Antragsteller aus dem Tag- und dem Nachtschutzgebiet die bewilligten Maßnahmen komplett oder teilweise umgesetzt. Hinzu kommen etwa 3700 Antragsteller, an die eine Entschädigung ausgezahlt wurde. Wir möchten jetzt darauf aufmerksam machen, wie das Schallschutzprogramm rund um den BER zügiger umgesetzt werden kann. Und wie vor allem auch die Bürger dazu beitragen können, den Prozess zu beschleunigen. Denn letztlich muss jeder Eigentümer selbst die Maßnahmen zur Umsetzung beauftragen.

Welche Beschwerden in Sachen Schallschutz gehen derzeit bei Ihnen ein?

Wagner: Wir haben ein umfassendes Beschwerdemanagement aufgebaut. Die eingehenden Beschwerden reichen von der Kritik über die Vollständigkeit der Anspruchsermittlungen, weil etwa die Folgekosten der Lüfter vermisst werden, über Fragen der Verkehrswertermittlung von Immobilien bis hin zu detaillierten Beschwerden zu den ingenieurtechnischen Bewertungen. Schwerpunkte sind zudem die Bewertung von Räumhöhen nach Bauordnung, die Ablehnung der Innendämmungen oder zu lange Bearbeitungszeiten. So gingen im Mai 90 Beschwerden über ingenieurtechnische Bewertungen ein, 53 zu Verfahrensfragen. An den Schallschutztagen soll jeder Anwohner individuell seine Fragen stellen und möglichst die Punkte mit uns klären können, die bisher noch nicht geklärt wurden.

Herr Kunkel, als neuer Umlandbeauftragter sind Sie an einer guten Kommunikation zwischen Flughafengesellschaft und Betroffenen im BER-Umfeld interessiert. Wie bringen Sie sich in die Vorbereitung der Schallschutztage ein?

Ralf Kunkel: Wichtig ist mir, dass wir die teils komplexen Inhalte des Schallschutzprogramms möglichst bürgernah rüberbringen. Dazu haben wir eine neue Schallschutz-Broschüre erstellt, in der wir die wesentlichen Themen in möglichst einfacher Sprache vorstellen. Ein Beispiel: Sie sind als Anwohner im Tagschutzgebiet oftmals mit weitreichenden Eingriffen in die Bausubstanz konfrontiert, wenn das hohe Schutzziel erreicht werden soll. Wir stellen in der Broschüre acht Module vor, mit denen individuelle Vorstellungen besser berücksichtigt und die baulichen Eingriffe minimiert werden können. Da geht es etwa um den Umgang mit niedrigen Raumhöhen und Essküchen oder um die schrittweise Umsetzung von Baumaßnahmen. In diesem Zusammenhang will ich mich beim regionalen Dialogforum Airport Berlin Brandenburg bedanken. Die Arbeitsgruppe Fluglärm hat mit der im November vergangenen Jahres verabschiedeten Schallschutzmatrix eine wichtige Grundlage für den Umgang mit diesen Themen geschaffen.

Welche Innovationen im Schallschutzbereich werden auf der Messe vorgestellt?

Kunkel: Im Mittelpunkt der Schallschutztage stehen natürlich die Module, die der Flughafen anbietet. Dann haben wir auch Baufirmen vor Ort, die über alle Themen rund um den Bau Auskunft geben können. Eine der Firmen arbeitet derzeit zum Beispiel an der schallschutztechnischen Zertifizierung einer Außenwanddämmung. Es ist sicher interessant, sich darüber zu informieren.

Welche Ansprechpartner findet der Besucher, welches Programm ist geplant?

Wagner: Ansprechpartner auf der Messe sind am Freitag und Samstag die Mitarbeiter unseres Schallschutzteams, also die Ingenieure, Verkehrswertermittler und Beschwerdemanager. Die Vertreter der bei der Auftragsberatungsstelle gelisteten Baufirmen stellen – im Rahmen einer Art Schallschutz-Baumesse – ihre Angebote vor. Und dann gibt es natürlich Vorträge zum ganz praktischen Ablauf vom Antrag bis zum schallgeschützten Haus. Wichtig ist uns immer wieder, darauf hinzuweisen, dass auch Antragsteller, die eine Entschädigungsleistung erhalten, den Einbau von Schallschutz an ihren Häusern zügig ausführen lassen sollten. Und dass sie dabei auf einige Dinge achten sollten, um auch effektiven Schallschutz zu erhalten.

Kunkel: Wir sehen ja anhand des Zuzugs in die Flughafengemeinden, wie attraktiv die Region geworden ist. In allen Gemeinden rund um den Flughafen wird gebaut. Wir haben das Schallschutzprogramm mittlerweile auf eine verlässliche Basis gestellt. Seit 2015 erweitern wir die Möglichkeit von Zusatzregelungen. Die Spielräume sind größer geworden, etwa beim Einbau von Schallschutzfenstern. Wir wollen die Anwohner bestmöglich unterstützen, dass sie sich Schallschutz einbauen lassen können.


Von Uta Schmidt

Für den neuen Hauptstadtflughafen will der staatliche Betreiber weitere Kredite aufnehmen. Trotz der Probleme gilt das Unternehmen als sichere Geldanlage – denn es gibt einen verlässlichen Bürgen – den Steuerzahler. Doch solange die EU die weiteren Finanzbeihilfen nicht absegnet, steht das Projekt auf tönernen Füßen.

Eigentlich ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg ein großer Erfolg für die Anwohner des BER: Die Flughafengesellschaft muss beim Lärmschutz für die Haushalte deutlich nachbessern. So richtig freuen will sich in der Region aber niemand, zu groß ist inzwischen der Frust über das Gebaren der FBB.

04.05.2016
Brandenburg Urteil des Oberverwaltungsgerichts - BER muss beim Schallschutz nachbessern

In der Einflugschneise des neuen Hauptstadtflughafens kann man nicht mit gekipptem Fenster schlafen, deshalb erhalten die Häuser Lüfter. Nötig ist nach einem Urteil aber auch ein Lüftungskonzept. Das dürfte den Lärmschutz weiter verteuern.

03.05.2016