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BER Flughafen Leuchtperlen im Farbtopf
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18:00 05.10.2011
Reflexperlen verbessern die Sicht, betont Andreas Nagel.
Reflexperlen verbessern die Sicht, betont Andreas Nagel.
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SCHÖNEFELD

„In den vergangenen Monaten hatten wir intensiv zu tun“, versichert er. Weiße, gelbe und rote Rollweg-, Einroll- und Sicherheitslinien zogen seine Leute über die Start- und Landebahn, auf Vorfeldern und Bereitstellungsflächen. „Wegen des rauen Betons sind wir überall zweimal“, bemerkt er. So kommen die 100 Tonnen Farbe und 20 Tonnen Reflexperlen zusammen, die sie auf insgesamt 120 Kilometer Wegstrecke verteilen. „In 20 Minuten ist so ein Strich trocken, richtig abgehärtet ist er in zwei bis drei Tagen.“

Damit die Türen der riesigen Flugmaschinen da zum Stehen kommen, wo sie andocken sollen, werden Bugradbalken aufgetragen. Daneben finden sich die Bezeichnungen der Flugzeugtypen. „Den Dreamliner B 787 haben wir auch schon dabei“, freut sich Flughafen-Sprecher Leif Erichsen. „Air Berlin hat 15 davon geordert.“

Bauleiter Witzschel breitet eine Karte aus, die so kompliziert wie ein Strickmusterbogen wirkt, doch der Fachmann dechiffriert sie mit einem Blick. „Gestützt auf die Satellitenvermessung markieren wir einzelne Punkte“, beschreibt er sein Vorgehen. An ihnen richtet sich die Vormarkierungsschnur aus. Schließlich fährt gemächlich im Spaziertempo die Farbmaschine. „Sie ist Baujahr 1978, aber in unserer Firma immer wieder kreativ erweitert worden.“

Sind alle Linien da? Haben sie die richtige Farbe und die richtige Ausrichtung? Das sind Fragen, die am Ende die Tiefbau-Abteilung des Flughafens prüft. „Wir haben bislang keine Abweichungen festgestellt“, bescheinigt deren Leiter Jörn Aßmus. Wenn doch, wäre Not am Mann. 2800 Bar Wasserdruck sind nötig, um die Farbschichten zu entfernen.

In die abriebsbeständige und spannungsarme Zwei-Komponenten-Farbe werden Mikroglaskugeln gemischt. „Mit ihrem hoch auflösenden Brechungsindex tragen diese Perlen gerade bei Dunkelheit und auf leicht feuchtem Untergrund zu einer guten Orientierung bei“, hebt Andreas Nagel von der Limburger Lackfabrik hervor.

3500 Arbeiter sind jetzt, acht Monate vor Flughafen-Eröffnung, auf der Baustelle. „Das ist Rekord“, sagt Erichsen. Parkhäuser, Hotel, Mietwagen-Center sind bereits in die Höhe gewachsen, an den zweistöckigen Passagierbrücken werden schon die Scheiben geputzt.

Witzschels Markierungs-Firma „Hima“ aus Berlstedt bei Weimar gehört zu den letzten im Takt des Bauablaufs. „Wir können erst ran, wenn wir Baufreiheit haben“, stellt er fest. „Wenn sich andere vorher Zeit gelassen haben, müssen wir uns sputen. Damit sind wir die Prügelknaben.“ An einigen Stellen, räumt er ein, hätten sie gern weiter sein wollen. Beim Endspurt 2012 könnte es eng werden.

Trotzdem gefällt dem 33-Jährigen seine Arbeit. „An der Erstausstattung eines Airports mitzuwirken, ist faszinierend“, schwärmt er.“

Weniger schön wird es, wenn sich die Saison der Farbmaler im November dem Ende nähert. „Sobald es zu kalt wird, macht es keinen Spaß“, merkt ihr Chef an. „Da halten die Kollegen die Peilstange nur auf Kurs, weil sie halb eingefroren sind.“ Dann schon lieber etwas Sommersonne, die die Haut bräunt. (Von Klaus Bischoff)

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