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Garnisonkirche in Potsdam Neuer Gegenwind für die Garnisonkirche
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14:54 27.08.2014
Die Kapelle der Potsdamer Garnisonkirche (r.) und der Bogen mit dem Nagelkreuz (l.).
Die Kapelle der Potsdamer Garnisonkirche (r.) und der Bogen mit dem Nagelkreuz (l.). Quelle: Ralf Hirschberger
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Potsdam

Mit dem Aufruf „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ sprechen sich mehr als 70 Pfarrer und andere Kirchenmitglieder öffentlich gegen den geplanten Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche aus. „Wir wollen dem Eindruck entgegentreten, alle Christinnen und Christen würden dem Vorhaben einhellig zustimmen“, heißt es zur Begründung.
Der Aufruf soll zum Weltfriedenstag am 1. September auf einer eigenen Internetseite (www.christen-brauchen-keine-garnisonkirche.de) veröffentlicht werden, auf der sich weitere Unterzeichner eintragen können.

Erklärung zum geplanten Bau der Garnisonkirche (311 kB)

Prominente Erstunterzeichner

Erstunterzeichner des Aufrufs sind neben anderen Ex-Bundesjustiministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer und der frühere Benediktinermönch Fulbert Steffensky. Zu den Unterstützern gehören auch die Theologin und frühere brandenburgische Ausländerbeauftrage Almuth Berger, die Beiratsvorsitzende von Transparency International, Barbara Stolterfoth, sowie die Politikwissenschaftler Hajo Funke und Wolf-Dieter Narr. Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) gehört nicht zu den Erstunterzeichnern, er ist ein erklärter Befürworter des Garnisonkirchen-Aufbaus.

Eine Kirche, "die Demokratie verachtete"

Die Unterzeichner begründen ihre Ablehnung mit dem Signal, das von dem Wiederaufbau gerade dieser Kirche ausgehen würde. Die Garnisonkirche habe einst für eine Kirche gestanden, „die sich von Obrigkeit und Militär in Dienst nehmen ließ, Demokratie verachtete und auf politische Weisung Krieg  predigte“. Da Kriege, die Militarisierung der internationalen Beziehungen und der „Missbrauch von Religion zu kriegerischer Hetze“ bedrohlich aktuell seien, „brauchen wir heute ein anderes Zeichen als eine neue Garnisonkirche“, heißt es in dem Aufruf.

Zweifel an Versöhnungszentrum
Die Unterzeichner bezweifeln, dass der geplante Neubau dem Konzept eines Versöhnungszentrums entsprechen könne, „wenn schon die Zusage nicht mehr gilt, die Kirche unter das Nagelkreuz von Coventry zu stellen.“ Ursprünglich war von kirchlicher Seite geplant, den neuen Turm der Garnisonkirche mit dem Nagelkreuz als Friedens- und Versöhnungssymbol zu krönen statt mit einer Nachbildung der historischen Wetterfahne. Inzwischen ist jedoch vorgesehen, das Nagelkreuz neben der Kirche aufzustellen. Die Wetterfahne wurde bereits rekonstruiert und steht seit einigen  Wochen am früheren Standort der Kirche.

Die vergitterte, rekonstruierte Wetterfahne der ehemaligen Garnisonkirche. Quelle: Ralf Hirschberger

Die barocke Garnisonkirche in Potsdam war 1945 zerstört und 1968 durch die DDR-Behörden abgerissen worden. Vor einigen Jahren begann eine Initiative zum Wiederaufbau des Gotteshauses. Das Projekt
ist stark umstritten. 

Potsdam prüft weiter Auflösung der Stiftung Garnisonkirche

Mittwochabend sagt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) in einer Sitzung des Hauptausschusses, wie es weitergeht. Der Rathauschef muss erklären, ob und wie die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche, die die treibende Kraft hinter den Wiederaufbau-Plänen ist, angegangen werden kann. Dazu haben ihn die Stadtverordneten verpflichtet.
Ende Juli hatten sie in einer Sondersitzung das Bürgerbegehren Garnisonkirche mit acht zu drei Stimmen angenommen. Die restlichen der 39 anwesenden Abgeordneten und Rathauschef Jakobs enthielten sich. Mit dieser Taktik hatten sie einen Bürgerentscheid verhindert. Bislang bestehen erhebliche Zweifel, dass es der Stadt überhaupt möglich ist, eine private Stiftung aufzulösen.

MAZonline (mit epd)

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