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Gesundheit & Lebensfreude Mit Musik gegen Demenz
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16:20 12.01.2016
Marie Günther musiziert mit den Bewohnern einer der Demenz-WGs. Quelle: Volkmar Maloszyk
Brandenburg/H

In den Demenz-WGs der Jedermann-Gruppe wird seit diesem Jahr musiziert. Zweimal in der Woche kommt dazu die Potsdamerin Marie Günther in jede der vier Wohngemeinschaften. Mit dem Musikprojekt sollen die Lebensqualität sowie die soziale Teilhabe der Bewohner verbessert werden. Musikalische Eindrücke gehören zu den letzten Erinnerungen, die bei an Demenz erkrankten Menschen verblassen.

Diesen Ansatz der so genannten Musikgeragorik – die Wissenschaft von der Altenbildung durch das Medium der Musik – nutzt man nun auch in den Jedermann-WGs in der Bahnhofspassage und in der Potsdamer Straße. „Singen ist etwas, was Menschen verbindet und was alle können“, sagt Marie Günther. Die 27-Jährige hat Musikwissenschaften in Berlin studiert und dort einen Master-Abschluss gemacht. Ihre Motivation nach dem Studium mit Demenzerkrankten zu arbeiten: „Ich wollte etwas mit Menschen machen. Etwas, was sie erreicht und berührt.“

Mehr Selbstbewusstsein und Raum für eigene Handlungen

Eine konkrete Idee entwickelte sich, als Günther eine Reportage über Demenz und Musik gesehen hatte. Von der Wirkung der Tonkunst auf die Betroffenen war sie sofort fasziniert. Das Musizieren rufe Erinnerungen von früher hervor, etwa an Lieder, die man gesungen oder Instrumente, die man gespielt hat. Es kann passieren, dass längst verdrängte Erinnerungen zu Orten, Ereignissen oder Personen, die mit der Musik in Zusammenhang stehen, wieder ins Gedächtnis treten.

Die Musikwissenschaftlerin Marie Günther aus Potsdam. Quelle: Volkmar Maloszyk

„Es ist erstaunlich, was man mit Musik erreichen kann“, sagt auch Daniela Hiller, Pflegedienstleiterin in den Demenz-Wohngemeinschaften. Selbst Patienten, die sich sonst fast gar nicht mehr sprachlich artikulieren können, sängen bei ihnen bekannten Liedern mit. Durch das Musizieren werde den Bewohnern wieder Selbstbewusstsein und Raum für eigene Handlungen gegeben.

Musizieren stärkt das Gemeinschaftsgefühl

Gerade bei dementen Menschen sei dies besonders wichtig, da diese mit fortschreitendem Verlust ihrer Gedächtnis- und Orientierungsleistung vom Zerfall der Persönlichkeit und des Selbstbildes bedroht sind. Viele ziehen sich zurück und isolieren sich. Auch hier hilft das musikalische Projekt, denn das gemeinsame Musizieren stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Die Angehörigen der WG-Bewohner unterstützen das Vorhaben und haben sich zum Beispiel an der Anschaffung von Instrumenten beteiligt. Es wurden unter anderem ein Keyboard, eine Harfe, eine Rassel und Klanghölzer gekauft. „Das sind alles Instrumente, die auch mit Einschränkungen gehandhabt werden können“, sagt Daniela Hiller.

Erstes Kennenlernen im Dezember

Und so können seit Januar Marie Günther und die Bewohner der vier Demenz-WGs zusammen Musik machen. Schon im Dezember hatte die 27-Jährige die Menschen in ihren Wohngemeinschaften besucht, um sie kennenzulernen. In jeder WG ist die Musikwissenschaftlerin nun zweimal pro Woche zu Gast. 30 bis 45 Minuten dauert eine Sitzung, an der vier bis sechs Personen teilnehmen. Gemeinsam hören sie Musik, spielen Instrumente, singen Lieder oder bewegen sich zu den Tönen, zum Beispiel in Form eines Sitztanzes.

Günther ist dabei Musikerin, Geschichtenerzählerin und Moderatorin in einem. Jeder Sitzung gibt sie ein eigenes Thema, zu dem sie Lieder spielt und Geschichten erzählt. So singen die Teilnehmer unter dem Stichwort „Winter“ zusammen „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Mit gezielten Fragen eröffnet Marie Günther Gesprächsrunden und gibt den Bewohnern Raum für aufkommende Erinnerungen, etwa zu besonderen Wintererlebnissen.

Projekt soll langfristig laufen

Das alles passiert auf freiwilliger Basis. Wer nicht möchte, muss nicht mitmachen. Allerdings ist die Vorfreude auf die Musikstunde meist groß. „Die Bewohner freuen sich immer, wenn Marie kommt“, erzählt Daniela Hiller. Für Ende März plane man ein Reflektionsgespräch mit den Angehörigen, deren Rückmeldungen bisher positiv ausgefallen seien. „Danach soll das Projekt eigentlich fest in der Gruppe bleiben, wir wollen es langfristig machen.“

Von Norman Giese

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