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Landtagswahl 2014 Die FDP verrät doch noch, wer sie braucht
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20:36 07.08.2014
Quelle: Peter Degener

Kommentar von Volkmar Krause: Die Sau ist tot

Für die FDP geht es ums Ganze. Während der Partei bundesweit das Sterbeglöckchen läutet, versuchen Brandenburgs Liberale das fast Unmögliche möglich zu machen. Sie wollen bei der Wahl am 14. September wieder in den Landtag einziehen und greifen nach ungewöhnlichen Werbemitteln. Tatsächlich: Mit dem Anti-Slogan „Keine Sau braucht die FDP“ haben Spitzenkandidat Andreas Büttner und Parteichef Gregor Beyer bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Selbstironie und  Lokalpatriotismus sollen über die Ziellinie helfen, die in weite Ferne gerückt ist. Auch in Thüringen und  Ende August in Sachsen. Dabei tun es die märkischen Freidemokraten den aufmüpfigen   Sachsen gleich und lehnen – was der Gipfel der Anti-Werbung ist –  Bundesprominenz als Wahlkampfhilfe ab. Das spricht freilich Bände. Wie muss es um eine Partei bestellt sein, deren Provinzfürsten nur dann einen Zipfel Hoffnung sehen, wenn die oberste Führung  zu Hause bleibt?

Brandenburgs liberale Frontmänner spielen das Spielchen ihrer Werbeagentur eifrig mit. Tagelang gingen sie nicht ans Telefon und ließen den „Sau-Slogan“ wirken, um gestern zu verkünden, dass auch Inhalte zählen. So benötige etwa jeder Autofahrer die FDP, damit Straßen saniert werden. Ob das Konzept aufgeht, ist zweifelhaft. Wer den Kasper gibt, kann nicht abrupt ins ernste Fach wechseln. Es sei denn, auch dahinter steckt ein Scherz.

Die Wählerschaft der FDP ist in Brandenburg auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Um zur Landtagswahl am 14. September doch noch über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen, starten die Liberalen mit einer ungewöhnlichen Kampagne in den Wahlkampf-Endspurt. Jetzt kam die Auflösung.

Keine Sau mehr auf FDP-Plakat

Jeder Autofahrer, Bürger, Schüler, Arbeitslose und explizit auch jede Lesbe braucht die FDP. So steht es seit Donnerstag zumindest auf 110 Großplakaten der Partei im Land Brandenburg. Vor wenigen Tagen hieß es auf der Internetseite und dem eigens geschalteten Anrufbeantworter der brandenburgischen Liberalen noch „Keine Sau braucht die FDP!“ Diese Anti-Werbung wurde nun überklebt. Wo vorher „Keine Sau“ stand, wird von der Partei nun der Bedarf eines „jeden“ Brandenburgers an FDP-Politik angemeldet – damit Straßen saniert und Jobs geschaffen werden, ohne dass dabei Steuern verschwendet werden, wie es zur Begründung auf den überarbeiteten Plakaten heißt.

„Wir wollen nicht unter die Aufmerksamkeitsschwelle geraten. Es geht uns darum, dass wir lieber ehrlich als beliebt sind“, erklärte Spitzenkandidat Andreas Büttner gestern bei der Vorstellung der 98.000 Euro teuren Kampagne. Immerhin muss die Partei um eine ganz andere Schwelle bangen und bei der Wahl am 14. September mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, um im Landtag zu bleiben. In Umfragen stehen die Liberalen derzeit bei drei Prozent oder werden gar nicht mehr genannt. Das Werbekonzept wurde von der Berliner Agentur Himmel & Jord entwickelt, die laut FDP-Landeschef Gregor Beyer für Niedersachsens FDP in schwieriger Zeit einen Wahlkampf erfolgreich unterstützt habe.
Der Bundesvorstand „musste sich etwas an unsere Idee gewöhnen“, sagte Beyer. Parteichef Christian Lindner bekannte gestern im ZDF-„Morgenmagazin“, er habe bei dem Slogan „erst einmal den Atem angehalten“, doch verstanden, dass die Kollegen mit der „ironischen, pointierten und provokanten Zuspitzung“ nach Möglichkeiten suchten, in die Öffentlichkeit zu kommen, um für ihre Argumente zu werben.

Die Aufmerksamkeit der Bundes-FDP suchen die Brandenburger Liberalen dagegen nicht. Bei Wahlkampfbesuchen Lindners, von denen laut Beyer mindestens zwei in den Kreisen Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin stattfinden, werde man nicht anwesend sein. Auf die Nachfrage, wieso gerade Lesben die FDP wählen sollten, merkte Büttner an, dass allein seine Landtagsfraktion einen Ansprechpartner für lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Menschen habe, „nämlich mich“.

Von Peter Degener

Das meinen die Facebook-Nutzer von MAZonline

  • Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung ...
  • Keine Sau braucht DIESE FDP. liberale Tugenden bleiben trotzdem wichtig, jedoch sollte der Mensch und nicht das Unternehmen im Vordergrund stehen.
  • Endlich sehen sie es ein! Die FDP in ihrer jetzigen Form braucht keine Sau! Eine echte, eine wirklich liberale FDP, das brauchen nicht nur die Säue, sondern auch die Menschen.
  • Ähnliche Slogans hatten wir schon in Schleswig Holstein mit "Wählen Sie doch, was Sie wollen" oder in Thüringen "Wir sind dann mal weg". Ist also nicht wirklich neu. Solange es zum denken anregt ist es gut.
  • Die FDP wird gebraucht, mehr denn je!
  • Wenn sich das mal nicht als "Selbsterfüllende Prophezeiung" erweist.
  • Man braucht auch so vieles anderes nicht, trotzdem ist es da und wir müssen damit Leben. Bspw. Dummheit
  • Liberalismus wird gebraucht, ob unbedingt diese FDP dafür steht, ... nun ja

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Auch Brandenburgs Grüne mit tierischem Wahlkampf

Die Brandenburger Grünen eifern den Liberalen („Keine Sau braucht die FDP“) im Wahlkampfstil nach: „Lasst die Sau raus“ ist ihr Slogan gegen Massentierhaltung. Auch mit „Zukunft statt Braunkohle“ kehren die Grünen ihren Öko-Ansatz hervor. „Wir wollen mit dem Erhalt eines naturnahen ländlichen Raums und dem Kampf für einen Stopp des Braunkohletagebaus in der Lausitz zwei wichtige eigene Themen setzen“, sagte Grünen-Spitzenkandidat Axel Vogel am Donnerstag. Mehr als 16.000 Plakate werden im ganzen Land aufgehängt, hinzu kommen 140 Großleinwände. Insgesamt wollen die Grünen für diesen Wahlkampf 175.000 Euro ausgeben.

Als Zielmarke gab Vogel „deutlich mehr als die sechs Prozent, die wir bei der Kommunal- und Europawahl im Mai geholt haben“ aus und damit den Wiedereinzug in den Landtag. 2009 war die Partei mit 5,7 Prozent der Zweitstimmen ins Parlament eingezogen. Hauptkonkurrenten seien bei den Zweitstimmen die SPD und bei Jungwählern die Linke. Die Fraktion wolle ihre Opposition im Landtag fortsetzen, sagte Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher, „wenn es das Wahlergebnis hergibt sind wir aber auch für Gespräche mit den anderen Parteien außer der AfD offen“.

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Es geht wieder los: Brandenburg wird in diesen Tagen mit Wahlplakaten der Parteien für die Landtagswahl am 14. September überhäuft. Auch wenn dies Tausende Euro kostet und der Erfolg ungewiss ist, will keine Partei auf die Großplakate verzichten. Die SPD setzt auf Dietmar Woidke, die Linke auf Idylle. Auch CDU, Grüne und FDP haben sich etwas einfallen lassen.

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