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Landtagswahl 2014 FDP nimmt Abschied vom Landtag
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15:58 28.09.2014
Ziehen aus dem Landtag aus: Die ehemaligen FDP-Frontmänner Andreas Büttner (links) und Gregor Beyer (rechts) mit Referent Martin Hoek.
Ziehen aus dem Landtag aus: Die ehemaligen FDP-Frontmänner Andreas Büttner (links) und Gregor Beyer (rechts) mit Referent Martin Hoek. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wenigstens ihre Frauen haben die FDP-Frontmänner Gregor Beyer und Andreas Büttner am 14. September glücklich gemacht. Als die  FDP im Winter in einer Umfrage noch einmal bei vier Prozent lag, habe seine Gattin gesagt: „Oh Gott, geht das jetzt doch noch weiter“, erzählt Andreas Büttner, gescheiterter Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl, in seinem inzwischen recht kahlen Büro im Potsdamer Stadtschloss. Nicht, dass seine Frau den Liberalen den Wiedereinzug ins Parlament nicht gegönnt hätte, aber nun, sagt Büttner, sei endlich mehr Zeit für die Familie.

Er sei die Tage mit seinem Sohn im Kino gewesen, erzählt der 41-Jährige und strahlt dabei mindestens so, als hätte die FDP sieben und nicht 1,5 Prozent geholt. Die ersten Gehversuche, die ersten Wörter – er habe zu Hause in der Uckermark viel verpasst in den vergangenen fünf Jahren. Vier, sechs, acht und zehn sind seine Kinder heute. Drei Jungs, ein Mädchen. „Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man im Landtag sitzt“, sagt der scheidende Fraktionschef  und blickt auf die Umzugskartons, die den vorläufigen Abschluss seiner Politikerkarriere markieren. An der Wand lehnt ein Schild. „Ich gehe zwar, aber ich verschwinde nicht“, steht darauf. Eine Mitarbeiterin, die schon vor zwei Jahren ausschied, hatte es hinterlassen.

An einigen Türen auf dem Fraktionsflur sind schon die Namensschilder verschwunden. Es ist still. Viele haben ihren Resturlaub genommen. Bis morgen wollen sie komplett raus sein aus ihren Büros. Platz machen für die Neuen. Büttner hofft, dass die Grünen umziehen in ihren Flur, damit  nicht jemand von der eurokritischen AfD künftig auf seinem Bürostuhl  sitzt. Aber den Nachmieter kann sich die FDP nicht aussuchen.

Die Büromöbel, Stühle und Tische, bleiben hier. Sie gehören zum Inventar des neuen Stadtschlosses.  Sonstige Anschaffungen mit einem Wert über 410 Euro müssen zugunsten der Landeskasse verhökert werden. Liquidation einer Fraktion. Sechs Monate haben sie dafür Zeit, aber die Liberalen wollen schon bis Jahresende frei sein von materiellen Gütern.

Martin Hoek hilft dabei, die Fraktionsschätze unter den Hammer zu bringen. Privatleute, Institutionen oder Mitarbeiter selbst können sich melden. Wenn gar nichts mehr geht, können die Überbleibsel von fünf Jahren Landtagsarbeit auch bei Ebay angeboten werden, erklärt Hoek, bislang Büttner persönlicher Referent. Rund 60 Gegenstände sind es. Computer, Monitore, ein Rednerpult und, schon jetzt heiß begehrt: Die legendäre gelb-blaue Hüpfburg der FDP, die ihr trotz Einsatzes bei Parteipräsentationen leider  nicht den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde beschert hat.

Raus mit 1,5 Prozent

  • Kommunalpolitisch sind die 1300 Mitglieder starken Liberalen in Brandenburg gut verwurzelt. Sie stellen neun haupt- und zwei ehrenamtliche Bürgermeister.
  • Auf Landesebene hatte es die FDP aber immer schwer. 1990 zog sie mit 6,6 Prozent noch in den Landtag ein und war Teil der Ampelkoalition mit SPD und Bündnis 90.
  • 15 Jahre lang, von 1994 bis 2009, war die FDP nicht im Landtag vertreten. Bei den drei Wahlen in diesem Zeitraum holte sie nur 2,2 dann 1,9 und schließlich 3,3 Prozent der Stimmen.
  • Erst im Herbst 2009 gelang der Wiedereinzug in das Potsdamer Parlament. Die FDP holte 7,2 Prozent und errang sieben Mandate.
  • Bei der Landtagswahl am 14. September kamen die Liberalen nur auf 1,5 Prozent. 

Hoek schaut nach Post, klickt  sich durch die Mails. „Nicht mal mehr zweistellig. Viele haben uns schon aus ihrem Verteiler genommen“, sagt der 29-Jährige und trinkt einen Schluck Cola. Auch das gehört zur Liquidation. Getränke und Besucher-Kekse müssen verzehrt werden. Sie habe noch an der Wahlschlappe zu knabbern. Aus seinem Büro mitnehmen will Hoek nur ein Bild. Ein Brunnen in Jerusalem, Geschenk einer israelischen Gruppe.

Insgesamt sieben Abgeordnete und 13 Mitarbeiter hatte die Fraktion. Die Hälfte habe schon einen neuen Job, sagt Büttner. Er selbst ist Hauptkommissar bei der Landespolizei Berlin, Beamter mit Rückkehrrecht. Er habe mehrere Angebote, sagt der frühere Oppositionspolitiker, der vor allem als scharfer Kritiker von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) im Landtag Furore machte.

Der zurückgetretene FDP- Landes chef Gregor Beyer könnte wieder zum Naturschutzbund. Er habe aber noch nicht entschieden, wie es  weitergehen soll. Beyer läuft über den verwaisten Fraktionsflur, zerreißt ein Stück Papier. Am 30. November soll bei einem Sonderparteitag die neue Parteispitze bestimmt werden. „Dort werde ich die Geschäfte übergeben,  meine abschließende Rede halten“, sagt der 46-Jährige. „Dann“, fährt er lächelnd fort und greift sich einen Karton, „fahre ich nach Hause zu meiner Frau.“

Von Marion Kaufmann

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