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Landtagswahl 2014 Jüngste Abgeordnete protestiert gegen AfD
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08:55 09.10.2014
Protest mit Flüchtlingsshirt: Isabelle Vandre ist die jüngste Abgeordnete im Landtag. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Es ist zehn Uhr am Mittwochmorgen, als der neue Landtag erstmals zusammenkommt. In der letzten Reihe, neben Umweltministerin Anita Tack (Linke) bleibt ein Platz frei. Isabelle Vandre, die jüngste der 88 Abgeordneten, verpasst ihre erste Sitzung. Es soll ein Zeichen sein.

Die 25-jährige Studentin aus der Uckermark ist als Jugendkandidatin der Linken in den Landtag eingezogen und nutzt die erste Sitzung, um gegen die Polit-Neulinge von der AfD zu protestieren. Deren Fraktionschef Alexander Gauland (73) darf als Alterspräsident die Sitzung eröffnen und eine Rede halten. Vandre will das nicht hören, sondern gegen die aus ihrer Sicht ressentimentgeladene Politik der Partei protestieren. "Im Plenarsaal ist das nicht möglich. Deswegen sind wir hier", sagt sie.

Hier, das ist vor dem Seitenflügel des Landtags. 30, 40 junge Leute haben sich vor einem Lautsprecherwagen versammelt. Die Gegenöffentlichkeit bleibt unter sich: Es sind Mitglieder von Solid, der Jugendabteilung der Linken, Freunde von Isabelle Vandre und Unterstützer der Flüchtlinge im Erstaufnahmelager Eisenhüttenstadt. "Der Landtag darf kein Podium für Rechtspopulisten sein", sagt Isabelle Vandre.

Sie trägt ein Piercing in der Unterlippe, Turnschuhe, schwarze Jeans und ein T-Shirt mit der Aufschrift "Refugees Welcome" – Flüchtlinge Willkommen. Sie ist empört darüber, dass die AfD im Landtagswahlkampf Stimmung gegen den Bau neu er Flüchtlingsheime gemacht hat. "Wenn wieder offen gegen Flüchtlinge gehetzt wird, darf man nicht einfach zusehen", sagt sie.

Brandenburg hat gewählt. Im neuen Landtag sitzen die Fraktionen der CDU, SPD, Linke, Grüne und AfD sowie drei Einzelabgeordnete der Freien Wähler. Die MAZ stellt alle neuen Abgeordneten vor.

Die AfD war nach ihrem fulminanten Wahlergebnis von knapp zwölf Prozent vor allem mit sich selbst beschäftigt. Mit Indiskretionen, Ausschlussverfahren, Mandatsverzichten, einem antisemitischen Nachrücker, der dann doch nicht nachrücken durfte. Die Partei hat sich ganz ohne Zutun des politischen Gegners in Teilen selbst demontiert. Kommt da Schadenfreude auf? Isabelle Vandre schüttelt den Kopf. "Wenn ein Antisemit fast in den Landtag einzieht, ist das nicht zum Lachen."

"AfD, shut up", wörtlich: "Halt den Mund, AfD!", so hat Vandre ihre Aktion genannt. Auf Facebook hagelte es von AfD-Sympathisanten deswegen Kritik und Beschimpfungen. Sie sei eine Göre, die noch nie gearbeitet habe und anderen Leuten den Mund verbieten wolle. "Herr Gauland hat das Recht zu reden, aber ich habe auch das Recht, mir das nicht anhören zu müssen", kontert sie die Kritik.

Eine halbe Stunde später, nachdem Vandre sichergehen kann, dass Alexander Gauland zu Ende geredet hat, betritt sie dann den Plenarsaal. Gauland hat keine hetzerische Rede gehalten, sondern eine staatsmännische, nachdenkliche. Und Isabelle Vandre hat ihr Flüchtlings-T-Shirt gegen eine dezente graue Bluse eingetauscht.

Von Torsten Gellner

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