Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Landtagswahl 2014 Glücklicher Minister, achtbarer Neuling und abgestrafter Linker
Thema Specials L Landtagswahl 2014 Glücklicher Minister, achtbarer Neuling und abgestrafter Linker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:40 16.09.2014
Quelle: V. Maloszyk
Anzeige
Brandenburg an der Havel

Ralf Holzschuher hat seit Sonntag zwar schon drei Landtagswahlen hintereinander im Brandenburger Wahlkreis gewonnen. Ein so gutes Ergebnis wie Sonntag hat er dabei aber noch nie erzielt. Offenbar profitierte der Sozialdemokrat diesmal vom Ministerbonus und der Schwäche des Linken René Kretzschmar, der ebenfalls zum dritten Mal als Direktkandidat angetreten ist und mehr als zehn Prozent hinter seinen früheren Wahlergebnissen zurückblieb.

Bei einer Wahlbeteiligung von nur 38,6 Prozent im Wahlkreis 17, der die Stadt Brandenburg ohne Plaue und den Görden umfasst, erreichte Innenminister Holzschuher als SPD-Direktkandidat fast 39 Prozent (7428 Erststimmen) und ist damit klarer Wahlkreissieger.

Anzeige

Jean Schaffer (CDU) holte bei seinem Debüt als Direktkandidat mehr als 27 Prozent (5167 Erststimmen) und zog damit an dem Linken-Bewerber vorbei auf den zweiten Platz im Wahlkreis 17. Schaffers Ergebnis ist um rund drei bis vier Prozent besser als die Resultate, die sein Vorgänger Walter Paaschen für die CDU 2004 und 2009 erzielt hat.

Brandenburg hat gewählt. Im neuen Landtag sitzen die Fraktionen der CDU, SPD, Linke, Grüne und AfD sowie drei Einzelabgeordnete der Freien Wähler. Die MAZ stellt alle neuen Abgeordneten vor.

Für René Kretzschmar hingegen war die Wahl am Sonntag ein Desaster. Im Unterschied zu Holzschuher und Schaffer blieb der Linken-Kandidat mit seinen 3166 Erststimmen sogar noch unter dem niedrigen Wert, den seine Partei an Zweitstimmen erreichte. Nur etwa jeder sechste Brandenburger Wähler (16,6 Prozent) entschied sich mit der Erststimme für Kretzschmar. Bei den vorangegangenen Wahlen war er noch auf jeweils rund 27 Prozent gekommen.

Den vierten Platz der Direktkandidaten im Wahlkreis 17 belegt Klaus-Peter Fischer (AfD) mit 9,9 Prozent (1891 Erststimmen), gefolgt von Yvonne Plaul (Bündnisgrüne) mit 6,1 Prozent (1160 Stimmen) und Botho Deregoski (Freie Wähler/Gartenfreunde) mit 1,4 Prozent (269 Stimmen).

Die MAZ hat genauer hingeschaut, wo die einzelnen Kandidaten besonders stark und wo sie eher schwach abgeschnitten haben. Wie zu erwarten hat SPD-Mann Holzschuher in den allermeisten der gut 60 Wahllokale des Wahlkreises 17 die meisten Erststimmen gewonnen. René Kretschmar (Linke) nahm ihm diesmal kein einziges Wahllokal ab.

Jean Schaffer (CDU) ist das in sieben Wahllokalen gelungen: im Evangelischen Gymnasium, in Klein Kreutz, in je einem der Wahllokale der Nicolaischule, der Luckenberger Schule und der Curie-Schule, in einem der Von-Saldern-Gymnasium-Wahllokalen und in der Wredowschen Zeichenschule. In Wust sind Holzschuher und Schaffer stimmenmäßig gleichauf. Der SPD-Kandidat erzielt sein Top-Ergebnis von 60 Prozent im kleinen Ortsteil Mahlenzien. In Gollwitz sind es glatte 50 Prozent. Weitere Holzschuher-Hochburgen sind Kirchmöser mit Stimmenanteilen zwischen 45 und 50 Prozent, Nord mit bis zu 48 Prozent und Hohenstücken mit gut 40 Prozent. Das schwächste Ergebnis fährt Holzschuher in der Nicolaischule mit 28,2 Prozent ein.

Jean Schaffer ist top in Klein Kreutz (40 Prozent) und im Evangelischen Gymnasium (37,9 Prozent). Wenig Freude bereiten ihm seine Ergebnisse in Hohenstücken (zwischen 16 und 18 Prozent), in der Klingenbergsiedlung (gut 20 Prozent) und in Gollwitz (22,4 Prozent).

Klar über dem Schnitt seiner übrigen Erststimmen-Resultate liegt René Kretzschmar in Hohenstücken mit Anteilen jenseits der 25 Prozent. An der Otto-Tschirch-Schule schrammt er die 30-Prozent-Marke, sein bestes Ergebnis. Dagegen steht der Tiefpunkt im Evangelischen Gymnasium, wo der Linke seine 15 Wähler (7,7 Prozent) fast mit Handschlag begrüßen kann.

AfD unter Landesschnitt

Die Zweitstimmen bei der Landtagswahl im Wahlkreis 17: Die SPD holt 36,3 Prozent, die CDU 24,9 Prozent, die Linke 17,4 Prozent, die AdF 10,3 Prozent, die Bündnisgrünen 6,1 Prozent, die Piraten 1,6 Prozent, die NPD 1,4 Prozent und die FDP 1,0 Prozent.
Die AfD liegt sowohl im Brandenburger Wahlkreis 17 als auch in der Gesamtstadt Brandenburg (inklusive Görden und Plaue) mit ihrem Ergebnis von 10,3 Prozent deutlich unter ihrem landesweiten Resultat von 12,2 Prozent. Gleichwohl: 1973 Wähler im Wahlkreis 17 gaben der „Alternative für Deutschland“ ihre Stimme. Hinzu kommen noch 405 AfD-Wähler aus Plaue und dem Görden, die im Wahlkreis 16 abgestimmt haben.
Relative Hochburgen der AfD waren am Sonntag der Ortsteil Gollwitz, wo die neue Partei wie in einem der drei Nicolaischul-Wahllokale auf 16,7 Prozent kam. Deutlich über ihrem Stadt-Durchschnitt liegt sie auch in je einem der beiden Klingenberg-Wahllokale, des Bürgerhauses Hohenstücken, des Von-Saldern-Gymnasiums und der Curie-Schule sowie in Kirchmöser-Ost (je rund 15 Prozent).
Die Bündnisgrünen erzielen ihr bestes Wahlergebnis mit 21 Prozent im Evangelischen Gymnasium, dort wo die AfD nur auf 5,1 Prozent kommt. In Mahlenzien hat keiner der 60 Wähler den Bündnisgrünen seine Zweitstimme gegeben.

Von Jürgen Lauterbach, (Mitarbeit: Paul Bluhm)

Landtagswahl 2014 Was aus den Direktkandidaten im Wahlkreis 17 demnächst wird - Politikverzicht oder Ministeramt
16.09.2014
Landtagswahl 2014 Andreas Kuhnert (SPD) und Andreas Bernig (Die Linke) ziehen ins Parlament - Zwei Sitze im Landtag für Kloster Lehnin
15.09.2014
Landtagswahl 2014 Wähleranalyse zur Landtagswahl Brandenburg - AfD punktet bei der Mittelschicht
15.09.2014