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Newtopia Conny aus Potsdam wohnt in Newtopia
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21:39 23.02.2015
Conny aus Potsdam ist Bewohnerin von Newtopia.
Conny aus Potsdam ist Bewohnerin von Newtopia. Quelle: SAT.1/Jens Koch
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Potsdam, Zeesen

Conny aus Potsdam ist Architektin. Sie schaut besonnen, fast vergrübelt. Doch irgendwo da hinten sieht sie Licht, das sagt ihr Blick, der optimistisch wirkt, bei aller Skepsis, die in ihren Zügen liegt. Mitunter bricht sie auf, zu „schamanischen Visionsreisen“, sie praktiziert das „Holotrope Atmen“. Dadurch erreicht sie einen Level, für den man in der Regel LSD benötigt. Solche sinnsuchenden Menschen leben, wenn sie überhaupt das Fernsehen besuchen, gegen Mitternacht bei Arte. Conny aber, 45 Jahre alt, zieht zu Sat1 in den Vorabend. Das muss Gründe haben, die mit dem LSD beziehungsweise mit dem Atmen in Verbindung stehen und hier nicht weiter ausgeleuchtet werden können. Denn Conny lässt sich nicht mehr fragen, sie wohnt ab heute in Zeesen (Dahme-Spreewald, Ortsteil von Königs Wusterhausen), im Camp von Newtopia, wo 15 Pioniere, wie der Sender sie nennt, ein Jahr lang zusammen leben, ohne Strom, Wasser und Toilette. 105 Kameras beobachten sie dabei.

5000 Euro stehen den Kandidaten in der Summe zur Verfügung, sie müssen sich einigen, wie sie die Mittel investieren, um zu überleben, oder gar das Geld zu mehren. Das Camp dürfen sie nicht verlassen, doch ihre Handelspartner am Tor empfangen. Auch könnten sie die Stadtwerke beauftragen, den Wasseranschluss freizuschalten oder Strom ins Netz zu speisen. Das kostet Geld, von dem sie nicht viel haben. Ein Jahr lang soll das Experiment währen, Sat1 zeigt montags bis freitags ab 19 Uhr, wie der Tag lief.

Wenn er gut lief, liegt das vielleicht an Conny. Conny ist vorgesehen als Mutter Courage. Als Architektin kennt sie sich mit der Statik aus, die so ein Tag benötigt, der wieder nichts als Regen brachte, keinen Cent, vielleicht nicht mal ein wärmendes Gespräch. Denn Conny kennt auch die mentale Statik, sie arbeitet ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge und im Kinderhospiz. Sie ist gesetzt als guter Geist des TV-Spektakels. Als stets gefasste Merkel, die einschreitet, mit ruhiger Stimme, wenn das Haus die Nerven verliert und eine sehr private Eurokrise sich in Zeesen anbahnt. Sie kann Newtopia, rein psychologisch und von der Stimmung her, vor einer Insolvenz bewahren. „Nichts Menschliches ist mir fremd“, sagt sie.

Da der Sender nicht aufs Holotrope Atmen setzt, sondern sie als Freak-Faktor benötigt, und lieber das einfach strukturierte Drama will, den Herzschmerz oder ein wenig Liebe für die Quote, steht in Connys Steckbrief: Single. Vielleicht passiert was in dem Camp, von Mensch zu Mensch, von Frau zu Mann, von Frau zu Frau, so eine Hoffnung hört man raus im Unterton des Senders. Das wäre ein Glück für die Macher von Newtopia, denn Flirten und Verlieben sind das Schmieröl, mit dem der Laden läuft. Wenn die ungebundene Weltenretterin in dieser kargen Scheune so etwas wie Nähe oder das private Glück findet – nicht auszudenken, diese Schlagzeilen!

Connys Traum ist es, in Newtopia einen Meditationsraum nach James Turelle, einem ihrer Lieblingsarchitekten, zu schaffen. Ausgerechnet James Turelle! Den kennt nicht mal das Publikum von Arte. Was ist das für ein schöner Wahnwitz, dass Sat1, dieser Marktschreier im Dienst von mehr Kosmetik, falschen Wimpern und inszenierten Gefühlen, plötzlich so eine Frau aus Potsdam holt, die „einen würdevollen Umgang“ in dem Camp erschaffen will. Und die dazu noch die alten Mystiker liebt. Conny will ihre handwerk lichen Fähigkeiten mit dem spirituellen Geist in Zeesen versöhnen. Sie möchte die „traditionell heid nischen Strukturen des Zusammenlebens“ im Camp verwurzeln. Aha!

Die Potsdamerin mag kei ne Kunststoff-Fenster. Vielleicht entsorgt sie auch gleich den ganzen Kunststoff, mit dem Sat1 seine Programme zwischen den Werbepausen füllt. Zurück zu den Wurzeln, sagt Conny. Sie zeigt dem Sender, was das heißt: Erleuchtung.

„Newtopia“, ab 23.02.2015, täglich 19.00 Uhr in Sat1

Von Lars Grote

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