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Potsdamer Konferenz Tag 2: Warten auf den Generalissimus
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10:04 29.08.2018
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Potsdam

Wochenbeginn, aber noch kein offizieller Arbeitsbeginn für die "Großen Drei". Noch sind nicht alle Konferenzteilnehmer in Potsdam eingetroffen. Lediglich Präsident Harry Truman und Premierminister Winston Churchill weilen bereits am Tagungsort. Das sowjetische Staatsoberhaupt, Josef Stalin, tuckert derweil noch in seinem Luxuszug durch die neu eroberten Gebiete in Richtung Potsdam.

Truman erwacht an diesem schönen Sommertag relativ früh in seinem Zimmer in der zweiten Etage – auf der Nordseite in diesem „schönen Haus am See in Potsdam“, wie er seiner Mutter schreibt. Er macht sich frisch, zieht sich an und bricht zu einem ausgedehnten Morgenspaziergang durch Babelsberg auf. Nach seiner Rückkehr frühstückt er gegen 8 Uhr und zieht sich anschließend zu einer Besprechung mit zwei Beratern zurück.

Churchill hat an diesem sehr heißen und sonnigen Morgen länger geschlafen. Doch gegen 11 Uhr stehen er und zwei seiner Berater vor dem "Kleinen Weißen Hauses" (mit gelbem Verputz) in der Kaiserstraße 2. Das erste Treffen zwischen dem britischen Premierminister Churchill und dem US-Präsidenten Truman. Die beiden treffen sich hier auf Potsdamer Boden zum ersten Mal in ihrer jeweiligen Funktion als Regierungschef. Zuvor waren sie sich nur kurz begegnet und da war Truman noch Vizepräsident.

Churchill bleibt zwei Stunden in diesem "fürchterlich hässlichen Haus", wie sich seine Tochter Mary erinnert. Nachdem die beiden Staatsmänner sich vor allem über die Fortführung des Krieges gegen Japan ausgetauscht haben, verlassen Vater und Tochter zusammen die – gar nicht so hässliche – Villa und gehen zu Fuß die wenigen Meter in Richtung Ringstraße. Churchill ist schwer beeindruckt von Truman. Sichtlich zufrieden und zuversichtlich berichtet er Mary, dass der Präsident eine unglaubliche "Kraft zur Entscheidung" ausstrahlt. Er hofft, dass man "gut miteinander arbeiten" könne.

Auch Präsident Truman hegt diese Hoffnung. Er empfindet "sofort Sympathie" für sein Gegenüber. Was er seinem britischen Kollegen jedoch (noch) nicht anvertraut: Im gleichen Moment ihres Treffen laufen auf einer Testanlage in Neu-Mexiko die letzten Vorbereitungen für die Zündung der ersten Atombombe.

Von Stalin noch keine Spur. Präsident Truman ergreift daher die Gelegenheit, bricht um kurz vor 16 Uhr mit einem Gefolge auf nach Berlin. Über die Avus erreichen sie in einem Cabriolet bald die Ruinen der Stadt. Dort trifft auch wenig später Churchill ein. Auch er besichtigt die Trümmerlandschaft – in seinem Schlepptau Heerscharen von Reportern, Soldaten und Schaulustigen. Eine Begegnung der beiden Staatsmänner gibt es jedoch nicht.

Derweil wird aus Potsdam vermeldet, dass Stalin angeblich jetzt doch eingetroffen sei.

Präsident Truman erhält bei seiner Rückkehr in sein Domizil in Babelsberg jedoch noch eine viel bedeutsamere Nachricht: die Zündung der Atombombe sei "befriedigend" gelaufen. Die Erwartungen übertroffen. Weitere Einzelheiten würden folgen.

Von Hajo von Cölln