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Potsdamer Konferenz Tag 7: Rachepläne für eine miese Party
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10:10 29.08.2018
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Potsdam

Henry Stimson, der amerikanische Kriegsminister, ist an diesem Samstag aufgeregt. Um 11:30 Uhr hat ihm ein Kurier einen ausführlichen Bericht über die Explosion der Atombombe in New Mexiko überbracht. Doch er kann damit nicht zum Präsidenten. Truman shoppt. Aus dem offiziellen Einkaufsladen der US-Armee wurden mehrere ausgewählte Artikel ins "Little White House" gebracht.

Premiereminister Winston Churchill weilt zur gleichen Zeit in Berlin. Zusammen mit Feldmarschall Bernard Montgomery nimmt er die Siegesparade einer Panzerdivision auf der mit Flaggen geschmückten Charlottenburger Chaussee ab. Es ist ein gewaltiger Aufmarsch, der bei bestem Sommerwetter vor Churchills Tribüne vorbeizieht. Am Straßenrand stehen auch viele Berliner. Sie applaudieren heftig und jubeln, als Churchill strahlend das Viktory-Zeichen mit seinem Zeige- und Mittelfinger formt. Die Militärpolizei hat alle Hände voll zu tun, damit der Premiereminister unbeschadet in seinen Wagen steigen und zurück nach Babelsberg fahren kann.

Truman hat jetzt auch seinen ersten Tagesordnungspunkt erfolgreich absolviert: die Souvenirs für die Familienangehörigen zuhause in Washington sind eingetütet, jetzt steht wieder die Weltpolitik auf dem Programm.

Um 15 Uhr wird Stimson zum Präsidenten vorgelassen. Der Kriegsminister liest ihm und dem ebenfalls anwesenden Außenminister James Byrnes den 15-seitigen Sonderbericht vor. Euphorie bricht nicht aus, aber Stimson meint einen „außerordentlich befriedigten“ Truman vor sich zu haben. Der US-Präsident dankt Stimson – und gibt ihm mehr oder weniger zu verstehen, dass seine Dienste in Potsdam nun nicht mehr gebraucht würden. Truman und Byrnes ziehen sich für kurze Zeit zurück. Um 16:35 Uhr bricht die amerikanische Delegation auf und erreicht zehn Minuten später das Schloss Cecilienhof. Um 17 Uhr beginnt das fünfte Meeting mit Truman, Churchill und Stalin im Konferenzsaal des letzten Hohenzollern-Schlosses.

Der Bericht zur Bombe setzt bei dem Präsidenten neue Kräfte frei. Vorschläge Stalins werden jetzt rigoros zurückgewiesen und ältere Zusagen werden zurückgenommen. Truman drängt den Generalissimus sogar Zugeständnisse zu machen. Vor allem die Gebietsansprüche für Polen werden harsch diskutiert. Der Ton ist rauer als die Tage zuvor. Um 19:25 Uhr fragt Stalin schließlich in die Runde, ob man für heute fertig sei. Ist man. Die Konferenzteilnehmer ziehen sich nach und nach zurück. Schnell geht es in die jeweiligen Villen. Es gilt sich frisch zu machen, denn trotz aller Differenzen, ist ein großes gemeinsames Essen am Abend angesetzt. Stalin lädt ein.

Truman macht sich um 20:15 Uhr auf den Weg – und bereut seinen Besuch nicht. Der Generalissimus lässt sich nicht lumpen. Es gibt reichlich Kaviar und Wodka, "geräucherten Fisch, Wild, Huhn, Ente und Gemüse in allen Variationen".  Das Ganze wird abgerundet durch Wassermelone und Champagner. Stalins Staatsbankett ist "eine Wucht". Etwa 25 Mal erheben sich die Teilnehmer, stoßen einen Trinkspruch aus und trinken sich gegenseitig zu." Truman selbst hält sich jedoch zurück. Er trinkt nicht sonderlich viel und schaufelt sich die Teller auch nicht allzu voll.

Churchill dagegen trinkt, isst und raucht – und schmollt. Es ist einfach nicht sein Abend. Die musikalische Darbietung ist ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. Spielten beim Empfang von Truman noch zwei Musiker, müssen es jetzt vier sein. Aus Moskau sind zwei Pianisten und zwei Geigerinnen eingeflogen worden. Sie spielen Werke von Chopin, Liszt und Tschaikowski.

Das größere Ensemble beeindruckt den US-Präsidenten übrigens nur musikalisch. Optisch sind sie keine Augenweide: "sie haben schmutzige Gesichter und die Damen", so Truman, „sind eher fett“. Sie geben Anlass zu ein paar anzüglichen Witzen, die er mit Admiral William Daniel Leahy austauscht. Gegenüber Stalin betont er verständlicherweise nur das herausragende Talent der Musiker und beglückwünscht ihn zu solchen Künstlern.

Als Churchill missgelaunt zum Präsidenten kommt, der aber ganz und gar nicht auf die Schlechte Laune des Premierministers eingehen will, schmiedet dieser einen Plan: bei seinem eigenen Staatsbankett für Stalin und Truman wird er sich furchtbar rächen. Noch am Abend gibt er Befehle, um seinen Plan umzusetzen.

Von Hajo von Cölln

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