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Potsdamer Konferenz Tag 8: 'Onkel Joe' und der große Sturm
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10:14 29.08.2018
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Potsdam

US-Präsident Harry Truman beginnt den Tag mit Gottesdiensten. Zunächst besucht er mit einer Handvoll Begleiter eine katholische Messe und kurze Zeit später, am selben Ort, einen protestantischen Gottesdienst. Beide finden in einem alten Kopierwerk.

Für 12:15 Uhr hatte sich Premierminister Winston Churchill zu einem Besuch im "Little White House" angekündigt. Bis 13:30 Uhr tauscht man sich aus, dann verlässt der Brite das amerikanische Domizil wieder. Eine Einladung zum Mittagessen schlägt er aus. Er habe selber Gäste, so Churchill.

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Nach dem Essen ist Truman vor allem mit Papierkram beschäftigt. Von 15 Uhr bis 16:45 Uhr bearbeitet er Akten, die nach Washington gesendet werden sollen. Dann verlässt Babelsberg und kommt um kurz vor 17 Uhr am Schloss Cecilienhof an. Zu der heutigen Sitzung wird eine polnische Delegation erwartet.

Die Luft ist jetzt unglaublich schwül geworden. In den letzten Stunden ist es immer heißer und drückender geworden. Stalin versucht vor dem Beginn der Konferenz noch etwas frische Luft im Park zuschnappen. Vorne, hinter und neben ihm haben sich russische Soldaten postiert. Als der britische stellvertretende Außenminister Alexander Cadogan von dem Arbeitstreffen mit seinem Kollegen aus dem Park raus fahren will, wird er von den Russen gestoppt. Kein Durchkommen. Der Spaziergang von Onkel Joe, wie Stalin scherzhaft bei den Alliierten heißt, hat absolute Priorität.

Um 17 Uhr eröffnet Truman die Konferenz der "Großen Drei". Während man drinnen bis 19:50 Uhr konferiert, bricht draußen ein Unwetter los. Ein Sturm tobt. Ästen brechen ab, Bäume stürzen um. Der Fahrer von Cadogan muss auf dem Weg nach Babelsberg den Zweigen auf den Straßen ausweichen.

Als die Konferenz der drei Staatenlenker vorbei ist, haben sich auch die dunklen Wolken wieder verzogen – zumindest die am Himmel, über den drei Delegationen braut sich dagegen etwas zusammen: so richtig findet man nicht (mehr) zusammen.

Truman lässt sich direkt nach Hause fahren. Am Abend gibt es um 20:30 Uhr ein Dinner mit einigen Armeeangehörigen. Zur musikalischen Untermalung spielte die "Headquarters Berlin District (US-Army) Band".

Von Hajo von Cölln

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