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Potsdamer Konferenz Tag 9: Winston Churchills laute Rache
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10:15 29.08.2018
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Potsdam

An diesem Montag beginnt der Arbeitstag von US-Präsident Harry Truman mit dem Abzeichnen zahlreicher Akten, die das "Little White House" in Babelsberg aus dem großen Weißen Haus in Washington erreicht haben. Gegen 10 Uhr eine kurze Unterbrechung: Die Flagge, die der Präsident am vergangenen Freitag gehisst hat, wird ihm überreicht.

Der britische Premierminister Winston Churchill ist zur gleichen Zeit verärgert. Das heftige Unwetter am Vortag hatte eine Linde direkt vor dem Haus herausgerissen. Deren Wurzeln zerstörten beim Fallen die Hauptwasserleitung, die direkt unter dem Baum verläuft. Die Wasserversorgung ist kurzfristig gekappt. Churchill fühlt sich persönlich gekränkt und spricht von einem "höchst verantwortungslosen Eingreifen der Vorsehnung".

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In der 'Truman-Villa' trifft derweil weiterer Besuch ein: Wallace Harry Graham, der Leibarzt des Präsidenten, ist auf eine Stippvisite gekommen. Später taucht auch noch Kriegsminister Stimson auf. Ein Akten-Berg wird für eine Sendung nach Washington zusammengestellt und schon steht der nächste Tagungstermin für Truman, Stalin und Churchill an. Um kurz vor 17 Uhr erreicht Truman Cecilienhof und eröffnet um 17:10 Uhr die Konferenz. Keine zwei Stunden später wird das heutige entspannte Zusammentreffen wieder aufgelöst. Aber der Höhepunkt des Tages steht noch an: ein Staatsbankett in der Villa von Winston Churchill – und der britische Premierminister hat sich dafür etwas ganz besonders einfallen lassen.

Es ist angenehm warm und trocken. Und so machen sich Truman und einige Begleiter gegen 20:20 Uhr zu Fuß auf den Weg in die Ringstraße.

Der Premierminister plant Großes

Churchill, der jetzt immer mehr an seinem Wahlsieg zweifelt, hatte sich nach dem für ihn unerquicklichen Bankett bei Stalin geschworen, die Empfänge seiner beiden Amtskollegen zu übertreffen.

Schon während des ganzen Tages hat er persönlich die Speisenfolge für das abendliche Menü kontrolliert. Er hatte auch extra Schinken bestellt – jedoch ohne sich mit den Köchen abzusprechen.

Nachdem das Menü mit einer kalten Suppe eröffnet wurde, folgt eine Schildkrötensuppe, gebratener Fisch, geröstete Hühnchenfilets, gekochte junge Kartoffeln, Erbsen – und dann ein paar kalte Schinkenscheiben. Für eine raffiniertere Kreation war keine Zeit mehr gewesen. Dazu wird Salat gereicht. Zum Dessert folgen Wahlweise Eis, Obstsalat und/ oder Scotch Woodcook – ein schottischer Leckerbissen: Eier, Butter, Sahne auf Weißbrot, garniert mit Kapern und Anchovis.

Doch zum Essen kommt man nur selten. Ständig erhebt sich einer der Anwesenden und bringt einen Trinkspruch aus. Jeder wurde mit den besten Wünschen bedacht – und jeder revanchiert sich entsprechend. Es ist ein Auf und Ab und jeder muss seinen Toast schreiend hervorbringen, denn hinter der Abendgesellschaft lärmt Churchills Rache.

Der Premiere hat nicht einen Pianisten, nicht zwei Klavierspieler und Geiger, nein, er hat die vollzählige Royal-Air-Force-Band kommen lassen. In ungezügelter Lautstärke spielen die Musiker ihr Repertoire. Immer wieder interveniert Stalin bei Churchill, ob die Band nicht auch „leichtere Stücke“ habe, aber dieser denkt gar nicht daran, den Spielfluss zu unterbrechen. Schließlich wird es dem Generalissimus zu bunt. Er steht auf, geht auf die Band zu, erhebt sein Glas und trinkt auf das Wohl der Musiker. Dann wendet er sich an den Dirigenten und erbittet einige Lieblingsmelodien. Ein Wunsch, den man ihm kaum ausschlagen kann. Im Saal wird es nun etwas ruhiger.

Der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Immer noch erhebt sich ständig einer der  - bis auf Truman, die Außenminister und zwei Dolmetscher - uniformierten Tischgäste und lässt diesen oder jenen hochleben. Nahezu alle Armeeteile werden jetzt gelobt und die Gläser gereckt – und das für jede der drei Streitkräfte. Im Laufe des Abends tauft Churchill sogar seinen russischen Amtskollegen gar "Stalin den Großen".

Später, die Uhrzeiger gehen auf 23:30 Uhr zu, greift sich Stalin eine Menükarte und bitte die Anwesenden darauf zu unterschreiben. Eine Idee, der sich alsbald viele der Teilnehmer des Banketts anschließen. Die Karten kursieren nun untereinander und ein jeder setzt seine Unterschrift darauf. Kurz: der Abend ist ein voller Erfolg.

Wenig später verlässt Truman mit zwei Begleitern die Abendgesellschaft und geht in seine Villa zurück.

Von Hajo von Cölln

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