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Studium & Wissenschaft 2016 ist ein Jahr der Stechmücken
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20:53 03.08.2016
Ein gefährlicher Eindringling in Süddeutschland: Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen. Quelle: Foto: CDC
Potsdam

2016 ist ein Stechmückenjahr – auch für das Land Brandenburg. „Von Plage kann man zwar noch nicht sprechen, aber es gibt kleinere Regionen, wo von einem sehr starken Stechmückenaufkommen die Rede sein muss“, sagt die Entomologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Märkisch-Oderland). Zum Beispiel in den Havelauen rund um die Landeshauptstadt Potsdam oder im Spreewald.

Weltweit verbreitete Biester

3500 Stechmückenarten

(Culicidae) gibt es weltweit. Sie sind eine Familie von Insekten innerhalb der Ordnung der Zweiflügler.

Für den Laien sind die Mücken kaum zu unterscheiden. Vor allem ist der lästige Juckreiz nach dem Stich immer der selbe.

Blutsauger sind bei den Stechmücken nur die Weibchen. Sie müssen nach der Befruchtung eine Blutmahlzeit aufnehmen, um Eier zu bilden. Sie nutzen das im Blut vorhandene Protein. Der nach dem Stechen entstehende Juckreiz ist letztlich eine allergische Reaktion der Haut. Sie wird von den Proteinen ausgelöst, welche die Stechmücke in die Saugstelle einspritzt, um das Gerinnen des Bluts zu verhindern.

104 Stechmückenarten kommen In Europa vor, von denen fast alle auch in Mitteleuropa zu finden sind. In Brandenburg geht man von 50 Stechmückenarten aus.

Bekämpft werden Stechmücken durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten. Am Oberrheins bringt man Bakterien aus, die die Mückenlarven töten.

Hatten die Plagegeister in den extrem trockenen Sommern von 2014 und 2015 einen sehr schweren Stand, finden sie dieses Jahr geradezu ideale Bedingungen vor. „Es ist kein Geheimnis, dass dieser Sommer extrem feucht ist“, sagt Walther. Damit seien Regentonnen und Pfützen stets gut gefüllt und die Larven der Stechmücken hätten sich bestens entwickeln können. Das liege auch an der trotz Regen herrschenden Wärme.

148 Mückenfallen in Deutschland

Walthers Aussagen sind keine bloße Einschätzung aufgrund des Wetters. Das Zalf und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit auf der Insel Riems bei Greifswald beobachten seit 2012 systematisch das Steckmückenaufkommen – zum Beispiel mit Hilfe der 148 Stechmückenfallen, die flächendeckend in ganz Deutschland aufgestellt sind. Etwa 15 von ihnen stehen auch in Brandenburg.

„Aufgrund der aufgestellten Fallen können wir sehen, dass wir dieses Jahr sehr hohe Populationen haben“, sagt Walther. Die Zahl der eingefangenen Stechmücken schwanke aber stark von Ort zu Ort. In manchen Fallen fänden sich Null, in andern 2000 Mücken pro Tag. Während innerstädtische Bereiche von Stechmücken nahezu verschont blieben, würden ländliche Regionen mit vielen Gewässern geradezu heimgesucht.

Angriff der exotischen Mücken

Verschärft wird die Lage durch den Umstand, dass sich auch in Deutschland immer mehr tropische Insekten wie die Asiatische Tigermücke oder die Asiatische Buschmücke breit machen. Diese Tiere können sehr gefährliche Krankheiten übertragen. Allerdings seien die Invasoren noch nicht bei nach Brandenburg vorgedrungen. Nennenswerte Tigermückenpopulationen geb es zum Beispiel in Baden-Württemberg, nämlich in Freiburg und Heidelberg. Immerhin wurden auch in Jena/Thüringen die schwarz-weißen Insekten entdeckt.

Damit solche Tiere gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder das West-Nil-Virus übertragen können, müssen sie zunächst einen Erkrankten stechen und dessen Blut saugen. Da das Reisen in Tropen aber nicht mehr so ungewöhnlich ist, könnten sie durchaus auch hierzulande auf menschliche Träger von Tropenkrankheiten stoßen und mitunter zur Verbreitung beitragen.

Hochsicherheitslabor auf der Insel Riems

Nicht zuletzt deshalb wird am Friedrich-Loeffler-Institut derzeit gerade ein Hochsicherheitslabor aufgebaut, in dem unter anderem getestet werden soll, ob auch die rund 50 einheimischen Stechmückenarten gefährliche Tropenkrankheiten weiter verbreiten könnten. „Bislang haben wir noch keine entsprechenden Daten“, sagt der Leiter für medizinische Entomologie, Helge Kampen. Bekannt geworden seien aber Ende der 90er-Jahre Einzelfälle, wo sich tatsächlich jemand in Deutschland an Malaria infiziert habe. In den letzten Jahren seien aber keine entsprechenden Fälle aufgetreten.

Wohl wissend, dass die Malaria bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland verbreitet war, hätten Einrichtungen wie das Friedrich-Loeffler-Institut Tiere wie die Asiatische Tigermücke besonders im Visier. Im Süden Deutschland werden sie eigens bekämpft. Insgesamt teilt Kampen Walthers Einschätzung, dass 2016 ein ausgesprochen heftiges Stechmückenjahr ist. Das zeige sich auch an den Insekten-Einsendungen für den sogenannten Mückenatlas. „Wir hatten schon Ende Juni mehr Einsendungen als im gesamten Jahr 2015.“

Von Rüdiger Braun

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