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Studium & Wissenschaft Blockchain macht Pillen fälschungssicher
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07:14 25.04.2016
Safe4Net-Geschäftsführer Peter Miczek. Quelle: Ulrich Nettelstroth
Potsdam

Der Handel mit gefälschten Medikamenten boomt. Das ist nicht nur eine Gefahr für den Hersteller des echten Präparats, dem damit Umsätze entgehen, sondern auch für den Konsumenten. Schließlich sind die falschen Pillen oft ohne therapeutischen Nutzen, haben gefährliche Nebenwirkungen oder sind sogar giftig. Weltweit sind Schätzungen zufolge zehn Prozent aller Medikamente gefälscht. Die Potsdamer Safe4Net GmbH entwickelt ein Verfahren, Medikamente fälschungssicher zu machen. Dabei greift sie auf die sogenannte Blockchain-Technologie zurück, die auch hinter der Internet-Währung Bitcoin steht (s. Kasten).

Safe4Net-Geschäftsführer Peter Miczek erläutert die Verfahrensweise: Auf den Medikamentenpackungen ist schon jetzt oft ein zusätzliches maschinenlesbares Feld angebracht. Wird dieser Code etwa an der Apothekenkasse abgerufen, wird die Packung individuell erkannt. Üblicherweise wird nun an einen zentralen Server gemeldet, dass diese Packung einen Endkunden erreicht hat. Der löst Alarm aus, sobald ein gefälschtes Medikament mit dem gleichen, also illegal kopierten Code in Handel gebracht wird. Systeme mit zentralem Server aber sind störanfällig und manipulierbar, so Miczek. Die Alternative ist die Blockchain-Technik. Bei dem Verfahren werden sehr lange, verschlüsselte Dateien in einer großen Kette von Nutzern übertragen. Bei jeder neuen Transaktion wird ein weiterer Datenblock angehängt und wiederum an alle Nutzer versandt. „Damit sind alle Teilnehmer Garanten für die Authentizität der Information“, erklärt Miczek. In unserem Fall wird die Kennung aller bisher verkauften Packungen damit sozusagen aufs große schwarze Brett geschrieben. Keine Chance mehr für Medikamentenfälscher. Safe4Net hat Computerprogramme entwickelt, die dieses Verfahren steuern.

Zentrale Autoritäten werden überflüssig

Die Blockchain-Technik könnte aus Sicht vieler Experten unser gesamtes Wirtschafts- und Finanzsystem umkrempeln. Denn sie macht zentrale Autoritäten überflüssig, die derzeit noch als Vermittler bei Privatgeschäften notwendig sind – zum Beispiel Banken, ohne die bisher keine Geld-Überweisungen möglich sind.

Inzwischen sind Banken und Versicherungen selbst auf den Zug aufgesprungen und versuchen, die Technologie für sich zu nutzen. Die Safe4Net GmbH hat auch für Versicherungen Ideen im Angebot. Dabei geht es zum Beispiel die Vermietung privater Ferienwohnungen über das Internet. Solche Geschäfte lassen sich bisher nur schwer versichern, weil es dabei um Mikrozahlungen geht, erklärt Miczek. Mit dem Blockchain-Verfahren ließen sich die Transaktionen ohne großen Aufwand absichern. Die Potsdamer sind dazu mit Versicherungen im Gespräch. Ebenso mit Herstellern von Klinikinformationssystemen. Dabei geht es darum, Patientenakten über die Blockchain abzusichern. Dann könnten die geschützten Daten, natürlich in verschlüsselter Form, zwischen Kliniken, Ärzten und Versicherern digital ausgetauscht werden. In der Blockchain abgelegte digitale Siegel bestätigen, dass es sich um authentische Dokumente handelt.

Akku aufladen per Mikro-Payment

Auch in der Energiewirtschaft sehen Miczek und seine Geschäftsführungs-Partnerin Michaela Nitschke große Potenziale für das Verfahren. So könnten beispielsweise Elektromobile künftig beim Warten vor der Ampel ihre Akkus über Induktionsschleifen in der Fahrbahn aufladen. Als Bezahlung müssten Centbeträge abgebucht werden. Solche Mikro-Payments könnten per Blockchain-Verfahren sicher vor Ort abgewickelt werden.

Mit Fragen der Sicherheit in der Informationstechnik befasst sich die Safe4Net GmbH seit ihrer Gründung 2002. So ist das Unternehmen an der Entwicklung einer sicheren Kommunikation für Brustkrebs-Zentren beteiligt. Auch in der Orthopädie oder in der Palliativmedizin sind die E-Health-Entwicklungen der Potsdamer in Anwendung. Für die Firma, die ihren Sitz in der Berliner Vorstadt nahe der Glienicker Brücke hat, arbeiten derzeit sieben Festangestellte sowie eine wechselnde Anzahl freier EDV-Entwickler. Von den neuen Möglichkeiten mit dem Blockchain-Verfahren erwartet sich Geschäftsführer Miczek einen Entwicklungsschub nicht nur in der Gesundheitswirtschaft.

Bitcoin – virtuelle Währung per Blockchain

Seit 2009 gibt es die virtuelle Währung Bitcoin (englisch für „digitale Münze“). Vor allem bei Transaktionen im Netz können die von Internet-Aktivisten entwickelten Bitcoins zum Bezahlen verwandt werden. Derzeit sollen etwa 15,4 Millionen Bitcoins im Umlauf sein, zum Kurs von aktuell 381 Euro pro Bitcoin. Technisch ist ein Bitcoin ein Datenpaket, in dem beim Bezahlen der Eigentümerwechsel eingetragen wird. Dann wird der Vorgang in der sehr langen Nutzer-Kette, der sogenannten Blockchain, gespeichert. Der Verkauf ist so bei allen Teilnehmern dezentral und dauerhaft festgehalten. Bei Bitcoin-Geschäften fallen keine Transaktionskosten durch Banken an. Umstritten ist das Verfahren, weil damit Steuerhinterziehung oder illegale Geschäfte begünstigt werden. Durch Spekulation schwankte der Bitcoin-Kurs in den vergangenen Jahren stark.

Von Ulrich Nettelstroth

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