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Trauer & Gedenken Schönebeck: Todesfahrer muss 2 Jahre in Haft
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15:36 04.03.2016
Die Verkehrssituation der Bushaltestellen an der B 103 hatte nach dem Unfall heftige Debatten über die Sicherheit ausgelöst. Quelle: Alexander Beckmann
Perleberg/Schönebeck

Für zwei Jahre und zwei Monate muss ein 36-jähriger Mann aus Groß Pankow ins Gefängnis. Das Schöffengericht am Amtsgericht Perleberg hat ihn am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu dieser Gesamtstrafe verurteilt. Der Mann ist verantwortlich für den Tod eines 13-jährigens Mädchens. Die Sitzung hat sich bis zum Abend hingezogen, berichtete Amtsgerichtsdirektor Frank Jüttner.

Der tödliche Verkehrsunfall hatte sich am 24. Februar 2015 in Höhe der Bushaltestelle an der B 103 bei Schönebeck (Gemeinde Gumtow) ereignet. Die Schülerin war auf dem Heimweg von der Schule gewesen. „Das Mädchen war dort aus dem Bus ausgestiegen und wollte die Straße überqueren“, schilderte der Amtsgerichtsdirektor den Hergang. In dem Moment passierte der 36-Jährige mit seinem Pkw die Stelle. „Absolut fahruntüchtig“, so Jüttner. Der Mann habe einen Alkoholwert von 1,13 Promille im Blut gehabt. „Der Kraftfahrer muss das Mädchen erst im allerletzten Moment wahrgenommen haben.“ Dabei hätte der Mann sie gut erkennen können, so die Ansicht des technischen Sachverständigen, der den Unfallhergang rekonstruiert hatte.

In Schlangenlinien und deutlich zu langsam

Bevor das junge Mädchen über die Bundesstraße gegangen war, soll laut Jüttner der Autofahrer nach Zeugenaussagen bereits in Schlangenlinien und „deutlich zu langsam“ gewesen sein. Das Unfallopfer hat der Wagen zuerst mit der Stoßstange erwischt, dann ist es mit dem Kopf auf der Windschutzscheibe aufgetroffen. „Das hat zu schwersten Schädel- und Hirnverletzungen geführt. Sie war auf der Stelle tot“, berichtete der Amtsgerichtsdirektor.

Fahrer und Beifahrer seien dann zu dem Mädchen hingegangen. Während der Beifahrer bei ihr geblieben sei, habe sich der Fahrer zu Fuß vom Unfallort entfernt. Das Auto blieb an der Stelle stehen. Vier Stunden später sei der 36-jährige Unfallverursacher wiedergekommen. „Aber da war es schon klar Unfallflucht“, erklärte Jüttner.

Noch am Donnerstag in Untersuchungshaft

Der Staatsanwalt habe für den 36-jährigen Groß Pankower eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt, berichtete Jüttner. Er sei sich nicht sicher gewesen, ob der Alkohol die Unfallursache gewesen sei. Das Gericht indessen sei der festen Überzeugung gewesen, dass der Unfall sich ohne die Alkoholisierung des Fahrers so nicht ereignet hätte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dennoch kam laut Amtsgerichtsdirektor Jüttner der Verurteilte sofort in Untersuchungshaft. Es gab einen Haftbefehl, der gegen Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt worden war. „Das hat auch alles geklappt“, sagte er. Das Gericht habe aber befunden, dass angesichts der hohen Haftstrafe eine Aussetzung nicht mehr infrage komme. Noch am Donnerstag kam der Mann in Haft.

Heftige Debatten über die Verkehrssicherheit

Der tödliche Unfall an der Bushaltestelle bei Schönebeck hatte zu heftigen Diskussionen über die Verkehrssicherheit an der B 103 geführt. Die Schulkinder aus dem Ort müssen die Bundesstraße überqueren, um vom Bus ins Dorf beziehungsweise zum Anschlussbus zu kommen. In dem Bereich gelten zwar 70 Stundenkilometer, an die sich aber nicht jeder hält.

Im Juli vergangenen Jahres war eine Petition mit 2800 Unterschriften zur Verkehrssicherheit an außerörtlichen Bushaltestellen an den Petitionsausschuss des Potsdamer Landtages übergeben worden. Initiiert hatten sie die Eltern des verunglückten Mädchens. In der Prignitz gibt es 95 außerörtliche Bushaltestellen. Landesweit sind es 1292.

Von Beate Vogel

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