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Der Bahnhof Großbeeren Eine der ältesten Bahnanlagen Brandenburgs
Eine der ältesten Bahnanlagen Brandenburgs
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Quelle: MAZonline
Großbeeren

Am 16. Oktober 1841 wird in Großbeeren, einen Kilometer westlich des Dorfes, ein erster Haltepunkt errichtet. Der Bahnhof zählt damit zu den ältesten Bahnhöfen in Brandenburg. Sieben Jahre später wird das Empfangsgebäude errichtet; heute ist das denkmalgeschützte Gebäude ungenutzt. Anfänglich trug die Station wie heute den Namen Großbeeren. Seit den späteren 1840er Jahren hieß sie für einige Jahrzehnte Groß-Beeren.

Bereits bei Eröffnung der sogenannten Anhalter Bahn zwischen Berlin und Halle (Saale) bestand Interesse an einem Halt in Großbeeren – nicht zuletzt weil dort preußisch-russische Koalitionstruppen die französischen Truppen unter Napoleon geschlagen hatten. Die Vossische Zeitung schrieb in einem Artikel vom 3. Juli 1841 aus Anlass der Streckeneröffnung: „Man bedenke, daß Großbeeren, wenn dort ein Haltepunkt eingerichtet wird, leicht ein Vergnügungsort werden dürfte, der, seiner anmuthigen Lage und historischen Erinnerungen wegen, viele andere überflügen möchte; nur müsse man die Preise bedeutend ermäßigen.“

An der Strecke bis Jüterbog sind inzwischen die sich so gleichenden Bahngebäude im Klinkerbau entstanden, die heute noch teilweise zu bewundern sind. So auch das alte Bahnhofsgebäude Großbeeren, die zusätzlichen drei Familienhäuser für die Bahnbediensteten, das hohe Stellwerk und der Güterschuppen des Bahnhofs.

Dieses Ensemble trägt bis ins Jahr 1900 wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes bei, obwohl es die damaligen Gegner der Eisenbahn schon bei der Planung der Trasse verstanden hatten, die Bahnstrecke – und damit den Bahnhof – recht weit vom Dorf entfernt zu belassen. Zwischen Großbeeren und dem dann gebauten Bahnhof liegt damals noch das Land der Bauern beziehungsweise des Rittergutbesitzers. So hat sich dann eine kleine Ortsinsel etwa einen Kilometer weiter weg vom eigentlichen Großbeeren gebildet, die mit ihm durch die Bahnhofstraße verbunden war (heute die „alte“ Bahnhofstraße ).

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten plant die Regierung im Zuge der Planungen zur Welthauptstadt Germania eine gigantische Umgestaltung der Bahnanlagen im Berliner Raum, unter anderem soll ein großer Rangierbahnhof bei Großbeeren entstehen. Durch den Kriegsausbruch kann dieses Projekt nur teilweise, verzögert und nur in rudimentärer Form verwirklicht werden. Als Hilfsrangierbahnhof geht der Rangierbahnhof am 15. August 1941 in deutlich abgespeckter Form in Betrieb. Auch für den Personenverkehr sind im Bereich Großbeeren größere Umgestaltungen geplant. Beispielsweise ist es ursprünglich geplant, die Berliner Gleichstrom-S-Bahn bis Ludwigsfelde zu verlängern. Dazu kommt es jedoch nicht mehr, die S-Bahn wird nur bis Lichterfelde Süd verlängert.

In den ersten Nachkriegsjahren kommt der Bahnbetrieb nur langsam wieder in Gang. Den Namen „Zittertal“ erhält der Bahnhof in der Zeit der Hamsterfahrten von vielen Berlinern, denn mühsam ergatterte Lebensmittel aus dem Brandenburger Umland werden bei den scharfen Kontrollen der Polizei auf dem Bahnhof Großbeeren wieder los. Man zittert schon vor Einfahrt des Zuges, wie es diesmal bei der Kontrolle ausgehen würde.

Die Gleise des Hilfsrangierbahnhofs und eine Reihe weiterer Gleisanlange müssen als Reparationsleistung abgebaut werden. Langsam rückt der Bahnhof ins Abseits: Zunächst wird der Fernverkehr nach Berlin am 18. Mai 1952 eingestellt. Der Bau der Berliner Mauer 1961 und die gekappte Bahnstrecke nach Westberlin sind die nächsten Ereignisse, die den Bahnhof Großbeeren ins Abseits stellten. Die Ersatzrolle eines Bahnhofs in Richtung Berliner Innenstadt übernimmt der Bahnhof Genshagener Heide. Die Pendler aus vielen Orten um Berlin herum müssen nun über den Außenring in unzumutbar langer Zeit nach Berlin fahren.

Ein letzter Schlag gegen die Bedeutung des Bahnhofs Großbeeren war schließlich der Bau des Spaghettiknotens, der ihn im Gewirr der jetzt bestehenden Straßen und ihrer Ein- und Ausfahrten, hinter Zäunen und mannshohem Unkraut versinken ließ.

Nach dem Mauerfall 1989 sollen die Strecken ins Berliner Umland wieder aufgebaut werden. Die Anhalter Bahn wird erheblich umgebaut. Auf dem Teilen des Geländes des ehemaligen Rangierbahnhofs entsteht das Güterverkehrszentrum (GVZ) Großbeeren. 2005 wird der Bahnhof Großbeeren ausgebaut. Er bekommt zwei neue Parkplätze. Der westliche Bahnsteig, an dem die Züge aus Berlin ankommen, wird behindertengerecht ausgebaut. Der andere Bahnsteig bekommt keine Rampe – sehr zum Ärger des Landesbehindertenbeauftragten. Gutachten der Bahn hielten das für ausreichend. Außerdem müssen laut Richtlinie der Bahn Stationen mit einem geringen Passagieraufkommen nicht behindertengerecht ausgebaut werden. Bürgermeister Ahlgrimm vermutet einen anderen Grund: „Es wurde aus Kostengründen nicht ausgebaut.“ Inzwischen sei der Bahnhof dank des Güterverkehrszentrums sehr gut frequentiert. MAZonline