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Wendezeit Der Freudentag Deutschlands
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13:28 09.11.2014
Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 10.11.1989.
Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor am 10.11.1989. Quelle: DPA
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Potsdam

Ein historisches Datum: Der 9. November 1989

Der Mauerfall jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal. Fast drei Jahrzehnte lang trennte die von der DDR-Führung errichtete Berliner Mauer Menschen in Ost und West. Sie war wie kein anderes Bauwerk ein Symbol für Unfreiheit, Diktatur und Kalten Krieg. Wer auf die andere Seite fliehen wollte, riskierte dabei sein Leben. Man geht von 136 Todesopfern aus - die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Dennoch unternahmen die DDR-Bürger immer wieder Fluchtversuche - auch durch unterirdische Tunnel, in Heißluftballons oder in U-Booten.

Wie kam es zum Mauerbau?

Am 7. Oktober 1949 war die DDR auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone gegründet worden. Fast zwölf Jahre später - es war die Nacht vom 13. August 1961 - wurden unter größter Geheimhaltung die drei Sektoren der westlichen Mächte Großbritannien, USA und Frankreich vom Sektor der Sowjetmächte abgetrennt. 

Knapp 15.000 Soldaten, Polizisten und Angehörige von Betriebskampfgruppen waren im Einsatz und errichteten über Nacht Stacheldrahtzäune. Der Verkehr wurde gesperrt. In der Folgezeit entstand rund um West-Berlin eine 155 Kilometer lange und bis zu 3,60 Meter hohe Mauer mit Todesstreifen.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Dieser Satz ging in die deutsche Geschichte ein. Zwei Monate vor dem 13. August 1961 hatte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht dies beteuert. Aus politischen wie wirtschaftlichen Gründen stieg vor allem die Zahl junger Menschen aus dem Ostblock an, die in den Westen abwanderten. Dies sollte mit der Mauer unterbunden werden.  

Warum fiel die Mauer wieder?

Am 19. Januar 1989 prophezeite SED-Chef Erich Honecker: "Die Mauer steht auch in 100 Jahren noch". Doch es kam zum Glück anders. Schon zu Beginn des Jahres wuchs die Opposition, angestachelt durch Demokratiebewegungen in Polen und Ungarn. Ungefährlich war dies nicht:Wer das Regime kritisierte, wurde oftmals schwer bestraft. Die Staatssicherheit, die so genannte Stasi, bespitzelte fast ausnahmslos alle DDR-Bürger. Das Berufsverbot etwa war noch eine vergleichsweise geringe Bestrafung von Kritikern. Wer den Mund aufmachte, hatte oft mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen. Am 17. Juni 1953 wurde eine Welle von Streiks blutig niedergeschlagen. Die Menschen forderten lediglich ein politisches und wirtschaftliches Umschwenken.

Zum Ende der 80er Jahre erfasste die DDR eine weitere große Streikwelle, die auch als Freidliche Revolution bezeichnet wird. Beim "Wunder von Leipzig" demonstrierten am 9. Oktober 1989 70 000 Menschen friedlich und zündeten Kerzen an. Die Teilnehmer der so genannten Montagsdemonstration riskierten ihr Leben. Doch bei der Montagsdemonstration wurde nicht eingegriffen. Mit der Masse an Menschen hatte die SED-Führung nicht gerechnet. Die Proteste weiteten sich auf den ganzen Sektor aus. An der Bornholmer Brücke in Berlin öffnete sich unter dem Druck der Bürger  genau einen Monat später als erstes die Mauer.

Und heute?

In den Monaten nach der Öffnung der Grenzübergänge wurden fast alle Spuren der ehemaligen Mauer beseitigt. Nur an wenigen Stellen in Berlin ist ihr einstiger Verlauf noch zu erahnen. Von insgesamt 1800 oft banalen Mauerresten stehen in Berlin aufgrund ihrer Bedeutung lediglich 28 unter Denkmalschutz.

Die Hauptstadt erinnert mit einem Festakt an den Mauerfall vor 25 Jahren. Die wichtigsten Termine haben wir unter www.MAZ-online.de/wende zusammen gestellt. Neben einer symbolischen Mauer aus weißen Luftballons und einem Bürgerfest mit Udo Lindenberg und Peter Gabriel sind zahlreiche Gedenkveranstaltungen geplant. Das Bürgerfest wird am imposanten Brandenburger Tor in Berlins Mitte gefeiert. Dieser Ort hat ebenfalls einen hohen Symbolcharakter: Das im 18. Jahrhundert errichtete Preußenbauwerk war einer der augenfälligsten Orte für die Teilung der Stadt. Es war während der Trennung Deutschlands weiträumig abgesperrt und wurde erst wieder nach dem Mauerfall zugänglich.

Die Nachwirkungen der Trennung Deutschlands sind jedoch noch heute zu spüren. So ist etwa das Gehaltsgefälle von Ost und West immer wieder ein Thema in den Medien.

Wende-Special der MAZ

Die MAZ hat zum Jubiläum des Mauerfalls zahlreiche Sonderbeiträge produziert. Unsere Redakteure interviewten Zeitzeugen, suchten bedeutende Künstler auf und befragten Prominente, wie sie den Mauerfall erlebten.

Besonders aufschlussreich ist etwa ein Videobeitrag (siehe MAZsonntag), in dem zwei Zeitzeugen aus Potsdam von ihren Erinnerungen berichten.

Wie war das eigentlich noch damals? Eine umfangreiche Bildergalerie versetzt die Leser zurück in damalige Zeiten

In den 25 Jahren seit der friedlichen Revolution haben sich Städte und Gemeinden verändert. Gebäude, die in der DDR über Jahrzehnte vernachlässigt worden waren, erlebten eine Blütezeit – hier eine Auswahl in der Früher-Heute-Gegenüberstellung aus Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald.

Und wie verlief die politischen Wende in den einzelnen Regionen Brandenburgs, etwa speziell in Teltow-Fläming oder Oberhavel? Und wie sieht es heute bei den alten Grenzübergängen aus? Auch hierfür begaben sich unsere Reporter auf Spurensuche.

An friedlichen Protesten, Demonstrationen, Kundgebungen und Menschenketten als Zeichen der Hoffnung für die demokratische Erneuerung des Landes nahmen vor 25 Jahren im Landkreis Oberhavel tausende von Menschen teil.

Ein Blick auf die Nachrichten an jenem 9. November 1989

Es war ein Tag mit den üblichen Nachrichten. Nichts sonderlich Spektakuläres ist am 9. November 1989 passiert. Bis um 19:04 Uhr im Westen die etwas ungelenk formulierte Eilmeldung über den Ticker der Deutschen Presseagentur (dpa) lief: „Von sofort an Ausreise über innerdeutsche Grenzstellen möglich.“ Ein paar Schnipsel aus dem dpa-Ticker vom Tag vor dem Mauerfall:
+++ 0:42 Uhr: Fähre „Hamburg“ kollidierte: Tote und Verletzte
+++ 9:00 Uhr: Starke Gewinne der Fundamentalisten bei Wahlen in Jordanien+++
+++ 9:15 Uhr: Der Dollarkurs liegt bei 1,8425 DM +++
+++ 10:43 Uhr: Deutsche Fußballnationalmannschaft spielt am 28. Februar in Montpellier gegen Frankreich +++
+++ 10:45 Uhr: Mannheimer Dudenpreis geht an den Augsburger Germanisten Hans Jürgen Heringer +++
+++ 10:58 Uhr: DDR-CDU-Politiker Winfried Wolk fordert Streichung des Führungsanspruchs der SED +++
+++ 11:21 Uhr: Der Einzelhandel hat von Januar bis September den Umsatz um 5,0 Prozent gesteigert +++
+++ 11:23 Uhr: Sektenführer Bagwahn will DDR erleuchten und zum Paradies machen +++
+++ 11:35 Uhr: Verkehrsclub VDC protestiert gegen Fahrpreiserhöhung bei der Bahn +++
+++ 11:45 Uhr: Paritätischer Wohlfahrtsverband: Armut wächst rasant +++
+++ 12:22 Uhr: Immer mehr Fahrräder werden geklaut +++
+++ 13:12 Uhr: 1988 mit Bauspar-Rekord. Bundesbürger haben 3,2 Millionen Verträge unterzeichnet +++
+++ 13:52 Uhr: Zentnerschwerer Wels in der DDR gefischt +++
+++ 14:14 Uhr: Demokratischer Aufbruch fordert: Jetzt nicht aus dem Land fliehen +++
+++ 14:29 Uhr: Bundesinnenminister Schäuble (CDU) appelliert an DDR-Bürger: Jeder sollte Ausreise sorgfältig überlegen +++
+++ 14:30 Uhr: Der Deutsche Aktienindex (Dax) steht bei 1462,96. +++
+++ 15:09 Uhr: Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zu sechstägigem Besuch in Polen eingetroffen +++
+++ 15:22 Uhr: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) sieht gute Chancen für weitere Abrüstung +++
+++ 15:36 Uhr: IG Metall schnürt dickes Forderungspaket für die Tarifrunde +++
+++ 16:16 Uhr: Schuhe und Stiefel werden teurer +++
+++ 15:57 Uhr: Palästinensische Intifada im 24. Monat – Generalstreik – Drei Tote +++
+++ 16:42 Uhr: Turgut Özal in der Türkei als Präsident vereidigt +++
+++ 17:04 Uhr: Bundestag beschließt Erhöhung der Abgeordnetendiäten um 2,3 Prozent +++
+++ 17:32 Uhr: Marihuana in Millionenwert am Düsseldorfer Flughafen beschlagnahmt +++
+++ 17:49 Uhr: „Aktuelle Kamera“ des DDR-Fernsehens künftig täglich auf 3Sat. +++
+++ 17:49 Uhr: 20 Prozent mehr ausländische Lastkraftwagen auf deutschen Straßen +++
+++ 18:00 Uhr: Rentenreform im Bundestag verabschiedet +++
+++ 18:11 Uhr: Krenz sieht keinen Grund für Wiederholung der DDR-Kommunalwahlen +++
+++ 18:59 Uhr: Schabowski kündigt liberalere Medienpolitik in der DDR an +++
+++ 19:04 Uhr: Eil!!! Von sofort an Ausreise über innerdeutsche Grenzstellen möglich +++

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