Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wendezeit Eine „ungesetzliche Zusammenrottung“
Thema Specials W Wendezeit Eine „ungesetzliche Zusammenrottung“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:08 03.11.2014

Am Rande der offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR kommt es in der Innenstadt am Sonnabend, den 7. Oktober 1989 erstmals zu einer großen Protestdemonstration in Potsdam. Gegen 14 Uhr trifft sich an der Spieluhr auf dem Vorplatz des Brandenburger Tores eine Gruppe von zunächst 30 bis 40 Potsdamern. An die Hände gefasst, singen sie Klassiker der Arbeiterbewegung wie „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ und „Die Internationale“, skandieren Losungen wie „Wir bleiben hier, verändern wollen wir!“ und „Wir bleiben hier, gestalten wollen wir!“.

Die Gruppe setzt sich schließlich die Klement-Gottwald-Straße (Brandenburger Straße) hinunter in Bewegung und wächst rasch zu einem Demonstrationszug mit weit mehr als 1000 Menschen aller Altersgruppen. 

Der Zug wird gegen 15:20 Uhr an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße von Polizei mit schwerem Räumgerät gestoppt und schließlich auseinandergetrieben. Für Verstörung sorgt nicht zuletzt die Stürmung des Café „Heider“ durch Polizisten auf der Jagd nach flüchtenden Demonstranten. Mehr als 100 Menschen werden verhaftet und in der Polizeisporthalle in der Bauhofstraße (Henning-von-Tresckow-Straße) interniert.

Märkische Volksstimme am 9. Oktober 1989 (Montag) Quelle: Repro

In der Märkischen Volksstimme wird in den Tagen nach dem 7. Oktober mehrfach über das Ereignis berichtet. So heißt es in der auf die Demo folgenden Montagsausgabe unter der Überschrift „Störungen der Volksfeste verhindert“, dass es in Potsdam zu einer „ungesetzlichen Zusammenrottung“ gekommen sei und die beteiligten Personen „zugeführt“, d.h. verhaftet wurden.

Leserbriefe zu den Zwischenfällen am 9. Oktober 1989 in der Märkischen Volksstimme Quelle: Repro

In zwei Leserbriefen wird der Polizei gedankt, die gegen die „Krakeeler“ vorgegangen sind, deren Ziel „Provokation an unserem Feiertag“, dem 40. Jahrestag der DDR-Gründung, gewesen sein soll.  In einem Interview der Zeitung mit einem leitenden Polizisten und dem Kreisstaatsanwalt wird das Vorgehen der Polizei verteidigt, bei dem, weder ein Volkspolizist noch einer der Provokateure“ verletzt worden sein sollen. Aus den skandierten Losungen der Demonstranten werden im Interview Parolen, welche „auf fatale Weise identisch mit den gegenwärtigen Hetztiraden des Westfernsehens“ seien.

Interview mit einem Oberstleutnant der Polizei in der Märkischen Volksstimme am 9. Oktober 1989 Quelle: Repro

Auch in einem Kommentar der Märkischen Volksstimme vom 11. Oktober 1989 wird vermutet, der "Klassengegner" habe die "Provokateure" aufgeputscht.

Das Ministerium des Innerns in Berlin vermeldet am 11. Oktober 1989, dass 106 Polizisten im gesamten Gebiet der DDR rund um 7. Oktober zum Teil erheblich verletzt wurden. "Angebliche Tote sind von den Westmedien frei erfunden."

Mitteilung des Ministeriums des Innern am 11. Oktober 1989 in der Märkischen Volksstimme. Quelle: Repro

Auch in den folgenden Tagen erreichten die Redaktion noch zahlreiche Leserbriefe.

Leserzuschriften in der Märkischen Volksstimme vom 17. Oktober 1989 Quelle: Repro

MAZonline

Wendezeit 1988 holte der Boxer für die DDR den ersten WM-Titel - Henry Maske - Titel-Abstinenz endlich beendet!

Henry Maske war einer der erfolgreichsten ostdeutschen Sportler - vor und nach der Wende. Geboren 1964 in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) legte er eine steile Amateur-Laufbahn hin, holte 1988 den Olympiasieg in Seoul und den WM-Titel in Moskau 1989. Über diesen Triumph berichtete die Märkische Volksstimme am 2. Oktober 1989.

03.11.2014
Wendezeit Beelitzer Wende-Akteure erinnern an freie Bürgerversammlung - Als vor 25 Jahren die Lawine losbrach

Beim Treffen einiger Wendeaktivisten in Beelitz wurden spannende lokale Gechichten erzählt. Schade, dass bei einem solchen interessanten Themenabend mit lokalem Wissen aus allererster Hand die Gäste ausbleiben.

03.11.2014
Wendezeit Zwei Politikwissenschaftler mit unterschiedlichen Auffassungen - Der Wandel in Ostdeutschland

Die Politikwissenschaftler Everhard Holtmann und Eckhard Jesse kamen zu Beginn der 90er-Jahre nach Ostdeutschland. Seitdem beobachten sie die ostdeutsche Gesellschaft – mit durchaus unterschiedlichen Urteilen. Ein Gespräch über AfD, Merkel, Extremismus, Streit und den bürgerlichen Osten.

28.10.2014