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Sportbuzzer Jetzt hilft nur noch beten
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19:39 18.04.2014
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o.-Schlag für die Cottbuser am 31. Spieltag aus

doch das 1:1 (0:0) im Heimspiel gegen den FC St. Pauli war gleichsam zu wenig, um noch einmal die Hoffnungen auf ein "Wunder in der Lausitz" zu schüren. Sechs Punkte Rückstand auf den Abstiegsrelegationsrang 16 bei noch drei ausstehenden Spielen: Beim FC Energie hilft nur noch beten.

Ulrich Lepsch stand nach dem Abpfiff mit desillusionierten Blicken im Stadion der Freundschaft und konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. "Unsere sportliche Situation ist eine Katastrophe", sagte der 55-Jährige, der am Abend vor dem Spiel angekündigt hatte, sein Präsidentenamt Ende Mai niederzulegen. Man müsse Konsequenzen ziehen, erklärte der scheidende Vereinsboss, der im August 2006 den Posten übernommen hatte. "Wir befinden uns nun an einem Punkt, an dem wir neue Leute ran lassen müssen", meinte Lepsch, der zuletzt immer größeren Gegenwind spürte.

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Fakt ist: Bei seinen Personalentscheidungen bewies der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Spree-Neiße kein glückliches Händchen. Trainer kamen, Trainer gingen

Sportdirektoren wurden verschlissen. Lepsch gelang es nicht, Kontinuität auf der sportlichen Leitungsebene zu errichten. Mit der Verpflichtung des im Profifußball weitestgehend unerfahrenen Trainers Stephan Schmidt im Oktober 2013 setzte er sich schließlich selbst in die Nesseln. Ein Pünktchen aus neun Partien holte Schmidt, ehe er im Februar wieder entlassen werden musste.

Doch auf der anderen Seite der Waage befinden sich auch wichtige Verdienste, die Lepsch um den Verein hat. Nach seinem Amtsantritt rettete er mit seiner wirtschaftlichen Kompetenz den Club vor dem finanziellen Kollaps, sanierte ihn anschließend. "Wir haben viel in der Infrastruktur getan und ich weiß, dass ich einen gesunden Verein übergeben werde", betonte Lepsch, dessen Nachfolge der bisherige Vizepräsident Wolfgang Neubert antritt.

Er wird dann wohl an der Spitze eines Drittligisten stehen, denn die Punkteteilung gegen St. Pauli, da waren sich alle einig, wird nicht reichen, um noch ein Wörtchen im Kampf um den Ligaverbleib mitreden zu können. Das Team steckte im Gefühlsmix zwischen Resignation und Zweckoptmismus. "Wir haben einen Punkt aufgeholt", sagte Mittelfeldspieler Marco Stiepermann, ließ seinem Statement allerdings ein trotziges Schniefen folgen. Der Glaube ist längst abhanden gekommen. "Mit Hoffnung oder so einem Schmarrn braucht mir niemand mehr zu kommen. Wir haben eine Riesenchance vergeben, nochmal auf Tuchfühlung zu gehen. Nun sollten wir lieber den Mund halten", rang Rechtsverteidiger Michael Schulze, der erstmals seit Ende Dezember wieder für Energie auf dem Rasen stand, um die Fassung.

Wie so oft in dieser Saison schafften es die Brandenburger nicht, ihre in der ersten Halbzeit solide Leistung über die vollen 90 Minuten zu transportieren. Vor dem Halbzeitpfiff habe sein Team ein "sehr, sehr gutes Spiel" gemacht, befand Cottbus-Coach Jörg Böhme. Doch nach dem Seitenwechsel gab der FCE die Partie aus der Hand, gewährte den Kiezkickern zu viel Platz und bettelte förmlich um das Gegentor, das Lennart Thy erzielte (60.). "Erst danach hat es Klick gemacht", analysierte Linksverteidiger André Fomitschow. Ivica Banovic markierte zumindest noch den Ausgleich per Elfmeter (87.).

"Wir hätten sogar noch den Lucky Punch setzen können", verwies Böhme auf die Großchance von Jurica Buljat in der Nachspielzeit. Der Innenverteidiger scheiterte freistehend aus Nahdistanz an Pauli-Torwart Philipp Heerwagen. "Ich weiß nicht, ob er so ein Ding nochmal in seiner Karriere hält", meinte Böhme. Es ist das Dilemma beim FC Energie: Wer seine Chancen nicht nutzt, gewinnt kein Spiel. Und ohne Siege ist der Abstieg die logische Konsequenz. Daher ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann der seidene Faden, an dem die Cottbuser hängen, endgültig reißt.

Von Tobias Gutsche