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Eingliederung in den Arbeitsmarkt

1200 Brandenburger Langzeitarbeitslose haben wieder einen Job

Steffi Engels (3.v.l.) und Ronny Kraemer (2.v.l.), beide ehemalige Langzeitarbeitslose, sitzen mit Betreuern und Ausbildern der Integrationsbegleitung für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften zusammen.

Steffi Engels (3.v.l.) und Ronny Kraemer (2.v.l.), beide ehemalige Langzeitarbeitslose, sitzen mit Betreuern und Ausbildern der Integrationsbegleitung für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften zusammen.

Oranienburg. Ronny Kraemer war 20 Jahre lang Landschaftsbauer, dann verlor er die Arbeit und lebte acht Jahre lang von Hartz IV. Obwohl er im Landschaftsbau nicht mehr arbeiten konnte, wollte die Arbeitsagentur einer Umschulung nicht zustimmen – denn im Landschaftsbau fehlen Fachkräfte. „Jetzt bin ich Betreuungspflegekraft und habe meinen Traumberuf“, sagt der 46-Jährige, der nördlich von Berlin in Oranienburg lebt.

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Dass Langzeitarbeitslose wieder einen sozialversicherungspflichtigen Job finden, ist nicht die Regel und bislang eher ein Glücksfall. Kraemer gelang mit Hilfe des Förderprogramms des Europäischen Sozialfonds Integrationsbegleitung für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften der Umstieg im Beruf und der Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit.

So viele Langzeitarbeitslose leben in Brandenburg

In Brandenburg waren nach jüngsten vorliegenden Angaben der Arbeitsmarktstatistik im Juni 28 548 Langzeitarbeitslose registriert. Das sind 4513 weniger als im Juni vor einem Jahr. Im Gegenzug fehlen in den meisten Bereichen Arbeitskräfte: spezialisierte Fachleute, aber auch Menschen, die sogenannte einfache Arbeiten erledigen.

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Brandenburgs Arbeitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) sieht in den Langzeitarbeitslosen vergeudete Ressourcen. „Das belegen die bisherigen Ergebnisse unseres ESF-geförderten Programms“, betont sie. Es sei erfolgreich und werde fortgesetzt. „Ich bin froh darüber, dass wir uns der Gruppe der Langzeitarbeitslosen zugewandt haben.“

40 Millionen Euro stehen zur Verfügung

Für das Brandenburger Förderprogramm stehen von August 2015 bis Juli 2020 dafür rund 40 Millionen Euro EU-Mittel bereit. Innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren nahmen etwa 3700 Brandenburger daran teil. Etwa ein Drittel von ihnen verdienen wieder durch Arbeit ihren Lebensunterhalt und sind weg von Hartz IV. Sie sind nun Reinigungskräfte, Hauswirtschafter, erledigen Bürojobs oder helfen als Betreuungsassistenten.

Kraemer kam in dem Projekt der Nestor Bildungs GmbH unter, die Menschen wieder fit für den Job macht. „Wir begleiten sie auf dem Weg dahin“, sagt Projektleiterin Dana Max. „Oft geht es zunächst um Themen wie soziale Stabilisierung, Pünktlichkeit oder Teamfähigkeit. Dann werden Interessen und Fähigkeiten ausgelotet.“

Einige Menschen finden Arbeit

Von 2015 bis 2017 nahmen dort knapp einhundert Hartz-IV-Empfänger teil, von denen gut ein Drittel eine Arbeit fand. Seit 2018 bis 2020 läuft das zweite Projekt mit derzeit 61 Teilnehmern, von denen jeder zweite bereits selbst für seinen Lebensunterhalt arbeitet.

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Jenny Riedel, Geschäftsinhaberin der Oranienburger Firma Mobile Office Management, hat bereits einige Praktikumsplätze bereit gestellt. „Wir sind immer gut miteinander zurecht gekommen. Die Praktikanten haben im Büroalltag Einsatz gezeigt“, sagt Riedel, die Bürodienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen anbietet.

So wurden Recherchen geführt, Statistiken angelegt und ausgewertet, aber auch die Telefonzentrale bedient. Wichtig sei vor allem, die eigenen Fähigkeiten auszutesten und das Selbstwertgefühl zu steigern, sagt sie.

50 potenzielle Praktikumsfirmen

Etwa 50 potenzielle Praktikumsfirmen im Landkreis Oberhavel stehen in der Kartei von Nestor, die Mitarbeiter suchen und sich künftig Verstärkung erhoffen. „Viele Unternehmen sind bereit, die Arbeitsbedingungen etwas anzupassen und für weitere Qualifizierung zu sorgen“, sagt Max. „Sie geben den Mitarbeitern in spe auch mal Zeit zum Auftauen.“ Das ganze stehe und falle aber auch mit der Bereitschaft der Praktikanten, sich selbst auf die neue Lebenssituation einzustellen und daran mitzuwirken.

Steffi Engels musste die Ablehnung auf viele ihrer Bewerbungen verkraften: kein Berufsabschluss, Mutter eines kleinen Sohnes und ein schwerkranker Mann zu Hause. „Firmen denken dann, ich kann nicht zuverlässig sein“, sagt die 37-Jährige, die über Jahre von Sozialleistungen lebte.

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Ein fester Job ist in Aussicht

Durch das Projekt des Nestor Bildungsinstituts wurde sie an eine Zeitarbeitsfirma vermittelt, sorgte für Ordnung im Speisesaal einer großen Klinik und arbeitete in kaufmännischen Bereichen bei anderen Auftraggebern. „Mit jedem neuen Einsatz erweitert Frau Engel ihre Kenntnisse und Qualifikationen“, sagt Max. Ein fester Bürojob steht Ende des Sommers für Engel in Aussicht. Einer der Auftraggeber wird sie übernehmen.

Es gebe natürlich Hartz-IV-Empfänger, die sich mit ihrer Situation arrangiert haben, so Max. „In der Regel reagierten sie aber auf einen Anstoß.“ Betreuungspflegekraft Kraemer fühlt sich bei seinen Kollegen anerkannt. Für Alte und Behinderte kauft er ein oder hilft bei alltäglichen Dingen wie der Körperpflege. „Endlich bin ich für das Amt nicht mehr der gläserne Mensch“, freut er sich sein selbst verdientes Geld. Steffi Engel will vor allem ihrem Sohn etwas bieten. „Und ich kann sagen: Ich habe Urlaub, weil ich gearbeitet habe.“

Von RND/dpa

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